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So soll Potsdams neues Bad werden

Bad-Neubau in Potsdam So soll Potsdams neues Bad werden

Am Freitag wird an Potsdams neuem Bad am Brauhausberg Richtfest gefeiert. Bis dahin war es ein weiter Weg. Ein Entwurf für das Bad stammte unter anderem von Oscar Niemeyer. Wir erklären, was die Besucher im neuen Bad erwarten können und werfen einen Blick zurück in die bewegte Baugeschichte.

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Der Rohbau des neuen Bades unterhalb des alten Landtags ist fast fertig.

Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth

Mitte. „Der Niemeyer wär’ schön gewesen, aber er hätte hier nicht funktioniert“, sagt Bodo Kandner (61). Der Bauleiter am neuen Sport- und Freizeitbad von Potsdam hatte 2005 schon mit dem futurischen Kuppelentwurf des Stararchitekten zu tun.„Acht Wochen haben wir das mit den Krieger-Architekten hin- und hergewendet und berechnet, ob es geht. Es hätte die ganze Bergseite allein gebraucht und vermutlich noch mehr Geld gekostet als gedacht. Das war gut für Brasilien“, glaubt Kandner, „nicht für Potsdam.“

Oscar Niemeyers Kuppelbad hätte den halben Brauhausberg belegt, aber die alte Schwimmhalle als modernisiertes Hauptbecken erhalten

Oscar Niemeyers Kuppelbad hätte den halben Brauhausberg belegt, aber die alte Schwimmhalle als modernisiertes Hauptbecken erhalten.

Quelle: Archiv

Allein die Wärmedämmung der großflächig verglasten Niemeyer-Kuppeln wäre ein Riesenproblem geworden. „Auch der Betrieb dieses Bades wäre uns teuer zu stehen gekommen“, ist der jetzige und künftige Badleiter Björn Meding (43) überzeugt: „Bei Niemeyer lag alles sehr weit auseinander, großzügig über den Berg verstreut.“ Die Gäste und das Personal hätten extrem lange Wege gehabt, das Wasser und Abwasser auch. „Wir hätten Aufsichtskräfte in jedem der vielen Badteile haben müssen,“ gibt Meding zu bedenken: „Aber ein Hingucker wäre es gewesen.“

Der alte neue Badleiter  Björn Meding freut sich auf das neue Bad

Der alte neue Badleiter Björn Meding freut sich auf das neue Bad.

Quelle: Rainer Schüler

Trotzdem freut sich Meding riesig auf das jetzt kommende Bad, das mit viel weniger Grundfläche auskommen muss und darum mehr übereinander stapelt, „durchaus elegant“, wie er findet.

Zehn Jahre sitzt er schon im bröckelnden Altbau, dessen bauliche Probleme ständig zunehmen, der Aufwand, die Halle betriebsbereit zu halten, auch. Er trauert der DDR-Halle nicht hinterher. „Sie war praktisch und hat genau den Zweck erfüllt, für den sie da war. Sie war eine Sport-Halle ohne Freizeitspaß.“

Das wird nun alles anders. Ende nächsten Jahres soll das Bad eröffnet werden, wahrscheinlich im November. „Es ist bestes Bauwetter“, sagt Meding.

Emproc-Bauleiter Bodo Kandner hat schon zehn Schwimmbäder gebaut

Emproc-Bauleiter Bodo Kandner hat schon zehn Schwimmbäder gebaut.

Quelle: Rainer Schüler

Über 100 Leute in 24 Gewerken wirbeln auf der Baustelle. Sechs Nationalitäten von Süd- bis Osteuropa sind derzeit auf dem Bau aktiv; man redet englisch, deutsch. Sechs Tage die Woche wird gearbeitet, bei Bedarf bis in die Nacht, auch wenn die Anwohner das nicht mögen. „Die passen auf“, sagt Kandner, „dass wir nicht zu lange machen. Aber manchmal können wir nicht anders.“ Etwa, wenn Schwertransporte kommen und abgeladen werden müssen. Die Dachbinder der Haupthalle kamen letzte Woche in der Abenddunkelheit aus Österreich und mussten sofort runter von den überlangen Spezialtransportern. Mehr als 34 Meter lang sind die, leicht gekrümmt nach oben, um die Lasten zu halten, die an ihnen hängen. Eine Tribüne für 400 Zuschauer müssen die Träger halten, zehn Tonnen Gewicht je Meter. Dazu die Schneelast, wenn es mal einen echten Winter gibt. „Da biegt sich die Decke auch schon mal durch, bis sie gerade ist, mehr nicht“, sagt Kandner.

Chronik zum neuen Bad in Potsdam

In den späten 1960er Jahren war das Werner-Alfred-Bad mit seinem ovalen Becken (216 Quadratmeter Wasserfläche) das einzige nutzbare Hallen-Schwimmbad in Potsdam. Es gab noch eine Schwimmhalle „Kirschallee“, aber die befand sich im Kasernengelände der sowjetischen Streitkräfte. Das Werner-Alfred-Bad platzte aus allen Nähten, der Schwimmunterricht war nicht mehr zu garantieren.

1969 war Baustart für eine Schwimmhalle am Brauhausberg, ein Typenbau der DDR, der zum „Tag der Republik“ am 7. Oktober 1971 eingeweiht wurde.

Einen Besucherrekord verzeichnete die Schwimmhalle 1983: 506000 Menschen kamen.

Der jährliche Veranstaltungskalender sah eine ganze Reihe kleinerer und größerer Ereignisse vor: Kreis-, Bezirks- und DDR-Meisterschaften, Triathlon-, Sanssouci- und Pionierpokal, Kinder- und Jugendspartakiaden, Kreisprüfungswettkämpfe, Schwimmfeste, Mehrkampfmeisterschaften und Sportfeste.

Das an Stahlseilen hängende Dach der Halle war schon 1988 nicht mehr regendicht.

Von Mai 1991 bis Mai 1992 fanden erste Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten statt, weitere von Juni bis September 1993.

In den Jahren 2006 und 2008/2009 musste das Bad zeitweise geschlossen werden, um sicherheitsrelevante Mängel an der Tragwerkskonstruktion zu beseitigen.

1996 beschlossen die Stadtverordnete den Neubau eines Freizeitparks mit Spaßbad auf der Brache der ehemaligen Brotfabrik an der Neuendorfer Straße in Drewitz. Bauen sollte das die Berliner Webergruppe. Nach dem symbolischen ersten Spatenstich passiert jahrelang nichts. Im Sommer 2004 war das Projekt gescheitert, weil das Finanzierungs- und Förderkonzept der Webergruppe nicht durchsetzbar war.

Die Stadt beauftragte ihre Stadtwerke mit der Planung eines neuen Bades, das bis 2007 fertig sein musste, um vom Land in Aussicht gestellte Förderung von immerhin 80 Prozent zu erhalten.

Im Januar 2005 kündigte der damalige Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen einen Entwurf des brasilianischen Stararchitekt Oscar Niemeyer für ein Spaßbad am Brauhausberg an; sechs Monate später lag er vor, aber das Land lehnte eine Förderung des 38,5 Millionen Euro teuren Vorhabens im November 2005 ab.

Im Herbst 2006 wurden neue Varianten heiß diskutiert, darunter ein Niemeyer-Bad im Bornstedter Feld, zu teuer auch dort. Im Herbst 2009 war die Niemeyer-Idee endgültig Vergangenheit.

Die Stadtverordneten beschlossen 2010 einen Neubau im Bornstedter Feld und den Abriss der Brauhausberg-Halle für 2012. Das dortige Areal sollte verkauft und mit Stadtvillen bebaut werden, um den Badneubau finanzieren zu können. Kein Bieter hielt sich an das Kostenlimit von 18 Millionen Euro.

Anfang 2012 gab es acht öffentliche Werkstatt-Termine und Workshops zu Standortfragen. Über vier Varianten daraus stimmten die im April und Mai ab. Zwei Drittel stimmten für einen bis zu 23 Millionen Euro teuren Neubau am Brauhausberg. Im städtebaulichen Wettbewerb gefiel der Entwurf der Potsdamer Planungsgemeinschaft Löffler/Engel am besten. Es folgte im Oktober der Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Badneubaus. Den gewann im September 2013 das Berliner Architekturbüros Gerkan Marg und Partner (gmp) im Bunde mit mehreren anderen Büros. Doch sprengte dieses Bad den damals gesetzten Kostenrahmen von 23 Millionen Euro deutlich: 36 Millionen sollte es kosten. Man hatte zuvor die Kosten einer Tiefgarage vergessen.

Im Sommer 2014 wurde der Bauantrag für das neue Sport- und Freizeitbad eingereicht und wenige Wochen später genehmigt. Am 5. Dezember 2014 fand der symbolische Spatenstich für den Neubau statt. Im Juni 2015 wurde der Grundstein feierlich gelegt. Die alte Schwimmhalle wird erst abgerissen, wenn das neue Bad eröffnet hat.

Kandner schaut dieser Tage öfter als sonst auf seine Uhr; denn die Zeit sitzt ihm im Nacken. Das Richtfest steht bevor, auch wenn der Rohbau nicht danach aussieht.

Ober-Polier  Klaus-Dietrich Koch vor den Plänen im Baucontainer

Ober-Polier Klaus-Dietrich Koch vor den Plänen im Baucontainer.

Quelle: Rainer Schüler

„Richtfest wird gefeiert, wenn der Dachstuhl steht“, sagt Ober-Polier Klaus-Dietrich Koch (59) aus Augsdorf in der Nähe der Lutherstadt Eisleben. „Die Dachbinder sind drauf.“ Es ist das erste Schwimmbad für den Chef-Polier der Glass-Ingenieurbau Leipzig GmbH, die den Rohbau verantwortet; der ist zu 85 Prozent schon fertig. Spatenstich war erst im Frühjahr 2015.

Ein Großteil des Bades in Hanglage ruht auf Stelzen

Ein Großteil des Bades in Hanglage ruht auf Stelzen.

Quelle: Rainer Schüler

Koch ist sonst im Hochbau und auf Industrieanlagen unterwegs. Spannend am neuen Bad in Potsdam findet er den Stelzenunterbau für die Becken; beim Hauptbecken ist das der Hanglage geschuldet: Ein Drittel des zehn Bahnen breiten 50-Meter-Beckens ist aufgeständert; die Menschen laufen unter ihm entlang. Auch das Kinderbecken der Bad-Etage und das Ausschwimmbecken im Sauna-Dach ruhen auf Säulen.

80 Prozent des Rohbaus bestehen aus extra für Potsdam gemachten Fertigteilen

80 Prozent des Rohbaus bestehen aus extra für Potsdam gemachten Fertigteilen; der Rest ist Handarbeit.

Quelle: Rainer Schüler

Vier Fünftel des Betonrohbaus sind Fertigteile, aber die sind einzeln hergestellt worden, nur für Potsdam. Die restlichen 20 Prozent sind die Handarbeit von Eisenflechtern, Schalern und Bewehrern. „Das können die Polen am besten“, sagt Kandner: „Die haben hier eine eigene Firma, auch die Türken haben eine.“

Mit einem Betonverteiler  schwebt ein Arbeiter am Kranhaken über die Baustelle

Mit einem Betonverteiler schwebt ein Arbeiter am Kranhaken über die Baustelle.

Quelle: Rainer Schüler

Alle anderen Unternehmen sind deutsch, haben aber auch ausländische Subunternehmen. Deutlich mehr als 100 Leute werden es auf der Großbaustelle am Brauhausberg, wenn erst der Innenausbau startet. Und der ist für Bruno Kandner „viel kniffliger als der Rohbau.“ Da muss alles dicht sein und wasserundurchlässig. Wasser ist der größte Feind der Schwimmbadbauer, erst recht chlorhaltiges. Man darf nur höchstwertigen Edelstahl verwenden, der dem aggressiven Hygiene-Element im Wasser auf Dauer widersteht. Und die riesigen Fliesenflächen im Bad müssen fugendicht „für immer“ sein. „Das Becken“, sagt Kandner, „ist die größte Herausforderung des Bades. Nur Spezialbetriebe können das.“

Viele Elemente, die später an Deckenkonstruktionen hängen, müssen in der Bauzeit abgestützt werden

Viele Elemente, die später an Deckenkonstruktionen hängen, müssen in der Bauzeit abgestützt werden.

Quelle: Rainer Schüler

Etwas wehmütig steht Björn Meding auf der leeren Zuschauertribüne seines alten Bades, aus Messing sind hier die Geländer. „Das kommt alles weg. Die Abrissfirma wird das Material verkaufen, das verkäuflich ist.“ Nichts von der Bädertechnik und der Ausstattung wird im neuen Bad nachnutzbar sein; es wird alles neu installiert, weil nur auf neues Equipment Garantie gegeben wird. Einiges wird aber doch gerettet, versichert Meding. So soll das Metallbild einer Badenden an der Außenwand auch an die Fassade des neuen Bades geschraubt werden; es stammt von Werner Nerlich. Und es gibt Interessenten für die alten Startblöcke, „als Nachttische“, hat Meding läuten hören.

Was erwartet die Nutzer des neuen Bades?

Das neue Sport- und Freizeitbad wird ein 50-Meter-Sportbecken mit zehn Bahnen nach internationalen Standards für Wasserball und Schwimmen erhalten; im Sprungbereich mit Ein- und Drei-Meter-Sprunganlage.

Im Bau ist ein Lehrschwimmbecken, dessen Lochblechboden gehoben und gesenkt werden kann, um Nutzungen vom Baby- bis zum Reha-Schwimmen zu ermöglichen.

Die an der Decke hängende Tribüne hat Platz für 400 Zuschauer.

Im Erdgeschoss kann man das Sport- und das Freizeitbad getrennt nutzen und zahlen, muss es aber nicht.

Im Kleiinkinderbecken gibt es einen Orca-Wasserspeier und dine Elefanten-Minirutsche, im Freizeitbecken gibt es eine Indoor-Wellenrutsche und eine geschlossene, klimatisierte 80-Meter-Röhrenrutsche mit mehreren Schleifen. Die rasante Fahrt mit großen Reifen startet auf dem Dach des Gebäudes.

Es gibt einen Strömungskanal und Sprudelliegen.

Nach Norden und Westen hin werden beide Bäder großzügig verglast. Wer mag, kann vom Becken aus über einen Verbindungsweg ins angrenzende kleinere Außenbecken schwimmen. Im Sommer lädt die Liegewiese rund um das Außenbecken zum Sonnenbaden ein.

Im ersten Stockwerk liegt das Selbstbedienungsrestaurant, das sowohl vom Sport- als auch vom Freizeitbereich mbads erreichbar ist. Eltern können von dort aus ihre Kinder sowohl im Freizeitbad als auch im Lehrschwimmbecken im Blick behalten.

Eine Etage höher und etwas abseits vom Trubel entsteht die Wellness-Oase mit Innen- und Außenbereich. Geplant sind mehrere Saunen, ein Dampfbad, ein türkischer Hamam, ein Whirlpool, Ruhe- und Massageräume sowie ein Schwimmbecken als Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich mit Dachterrasse.

Vom Hauptbahnhof aus ist das Bad in wenigen Minuten zu Fuß gut zu erreichen. Busse und Tramlinien halten in unmittelbarer Nähe zum Badeingang. In der Tiefgarage gibt es 105 Plätze, darunter 5 für Behinderte. Im Außenbereich sind es 41, davon 4 Behindertenstellplätze. Gebaut werden 314 Stellplätze für Fahrräder.

Von Rainer Schüler

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