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Potsdam Sommerhaus wird Ort der Erinnerung und Bildung
Lokales Potsdam Sommerhaus wird Ort der Erinnerung und Bildung
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20:01 31.03.2017
Derzeit rudimentär gesichert und vom gröbsten Müll befreit: das Alexander-Haus in Groß Glienicke. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Groß Glienicke

Doch nun stehen die Zeichen gut für eine positive Zukunft des ehemaligen Sommersitzes – als Begegnungsort mit überregionaler Strahlkraft. Am Freitag haben Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) und Moritz Gröning, Vorstandsmitglied des Vereins Alexander-Haus, im Rathaus einen Nutzungsvertrag für das Alexander-Haus unterzeichnet. Laufzeit: 30 Jahre. Das denkmalgeschützte Haus im Eigentum der Stadt soll ein „Ort der Erinnerung, Bildung und Versöhnung“ werden, sagte Exner: „Hier kann die deutsch-jüdische und deutsch-deutsche Geschichte mit viel Engagement des Vereins und seiner Mitglieder erlebbar werden.“

Die Stadt stellt Haus und Grundstück zur Verfügung. Im Gegenzug kümmert sich der Verein um die Restaurierung, die dank des wider Erwarten vergleichsweise guten Zustands des Holzgebäudes voraussichtlich Ende 2017 abgeschlossen sein soll. In das Projekt fließen private Spenden und Bundesmittel. Das Land fördert die Restaurierung mit 32 000 Euro und wird sich weiter dafür einsetzen, wie Kulturministerin Martina Münch (SPD) gestern bekräftigte.

Bürgermeister Burkhard Exner (SPD, r.) und Moritz Gröning, Vorstandsmitglied im Verein Alexander-Haus. Quelle: Landeshauptstadt Potsdam/Robert Schnabel

Die Geschichte des Gebäudes ist wechselvoll: Alfred Alexander – Präsident der Berliner Ärztekammer – hatte 1927 das Grundstück vom Rittergutsbesitzer gepachtet und dort ein Wochenendhaus errichtet. 1936 floh der prominente Arzt vor den Nazis nach England.

Zu DDR-Zeiten stand das Holzhaus im Windschatten der Mauer, die den Weg zum See versperrte. Seit 2003 stand der Flachbau leer und verkam immer mehr zur Müllkippe. 2011 brachte der Groß Glienicker Kreis, dessen Vorsitzender Dieter Dargies ebenfalls bei der Vertragsunterzeichnung dabei war, eine Publikation zum Schicksal der jüdischen Familien im Ort heraus.

2013 gründete sich der Förderverein Alexander-Haus mit Groß Glienicker Bürgern und Mitgliedern der Familie Alexander. Richtig bekannt wurde der Flachbau, als Alexander-Urenkel Thomas Harding 2016 ein Buch veröffentlichte. „Sommerhaus am See“ fand große Resonanz. Nun ist der einstige Sommersitz auf dem besten Weg, wieder Menschen zusammenzubringen.

Ende 2017 soll die Restaurierung beendet sein. Quelle: Landeshauptstadt/Klier

Vereinsvorstand Gröning skizzierte am Freitag die Pläne: Am Anfang stehen „Gemeinschaftsdialoge“ im Mittelpunkt. Während der Restaurierung werden diese an verschiedenen Orten in Groß Glienicke stattfinden, etwa im Evangelischen Gemeindezentrum oder im Begegnungshaus, so Gröning: „Generell ist der Ansatz, bereits mit der inhaltlichen Arbeit zu beginnen und die Aktivitäten baldmöglichst am Alexander-Haus zu konzentrieren.“ Der erste Dialog findet am 23. April statt. Ziel der Gespräche ist unter anderem, alteingesessene und „neue“ Groß Glienicker – darunter auch Flüchtlinge – zum Erfahrungsaustausch zusammenzubringen.

Auch die Allgemeinheit soll profitieren. Nach der Wiederherstellung der Gartenanlage mit den alten Wegen lautet die Devise: Öffnung statt Abschottung. Längerfristig ist die Gründung einer Stiftung für das Alexander-Haus geplant. Dabei wird die Stadt das Grundstück einbringen. Geplant ist die Errichtung eines Seminar-Gebäudes. Nutzer wollen unter anderem das Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk zur Förderung jüdischer Begabter und das Avicenna-Studienwerk, das Stipendien an Muslime vergibt, werden. Auch die Uni Potsdam will sich engagieren.

Einladung zum Aufräumtag

Am 22. April findet der Clean-up-Day (Aufräumtag) statt – schon zum vierten Mal. Um 10 Uhr starten die Arbeiten und Aktivitäten für Kinder im Garten des Alexander-Hauses. Adresse: Am Park 2.

Zum ersten Mal gab es das Großreinemachen, als sich die Groß Glienicker und Mitglieder der Familie Alexander trafen, um das komplett vermüllte Ex-Ferienhaus überhaupt wieder zugänglich zu machen.

Diesmal gedenkt man am Clean-up-Day auch der Erbauung des Hauses Alexander vor 90 Jahren und verbindet den Tag zudem mit der Feier des 750. Groß-Glienicker Ortsjubiläums.

In England, wohin Alfred Alexander flüchtete, ist die Resonanz auf das Projekt groß. „Für Emigranten und ihre Nachfahren, die ihre Geschichte verdrängt haben, ist das Haus oft eine Ermutigung, sich wieder damit auseinanderzusetzen“, berichtete Gröning. Auch für Alexander-Urenkel Harding hat die intensive Beschäftigung mit dem Sommerhaus weitreichende Folgen. Mittlerweile hat er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Von Ildiko Röd

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