Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Sommernachtstraum im Gasometerhof

Zu Hause in ... Berliner Vorstadt Sommernachtstraum im Gasometerhof

Das Theater hat in der Schiffbauergasse eine Freilichtbühne mit ungewöhnlicher Kulisse etabliert. Der an ein Amphitheater erinnernde Wirtschaftshof im denkmalgeschützten Gasometer wird von Publikum und Schauspielern gleichermaßen geschätzt. Am Freitag feiert dort Shakespeares „Sommernachtstraum“ Premiere.

Voriger Artikel
Zu Ehren der Prinzessin Feodora
Nächster Artikel
Schon Walter Ulbricht kritisierte das „Mercure“

Nina Gummich und Frédéric Brossier finden im „Sommernachtstraum“ als Helena und Demetrius zueinander. Hinter ihnen der alte Gasometer.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ unter freiem Himmel auf der Seebühne des Hans-Otto-Theaters (HOT) sollte die Eröffnungssaison des neuen Hauses im Frühsommer 2007 furios ausklingen. Doch dann fehlte dem Theater die Kraft dafür. Die Seebühne blieb ein Torso. 350 000 Euro wären für ihre Herrichtung nötig, wie man Jahre später ermittelte. Im Juni 2008 hatte der „Sommernachtstraum“ schließlich doch noch Premiere, allerdings nicht draußen, sondern drinnen im neuen Theaterhaus.

Was dem damaligen Intendanten Uwe Eric Laufenberg inmitten all der anderen Projekte bei der Eröffnung der neuen Spielstätte nicht gelang, wird nun von seinem 2009 eingesetzten Nachfolger Tobias Wellemeyer in die Tat umgesetzt. Der hatte 2012 die geniale Idee, auf das Projekt Seebühne bis auf weiteres zu verzichten und statt dessen einmal im Jahr den Wirtschaftshof des HOT im denkmalgeschützten alten Gasometer für eine Sommertheaterinszenierung freizuräumen. Der Plan zündete. Moliéres „Schule der Ehemänner“, Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, Goldonis „Mirandolina“ und „Ladies Night“ von Stephen Sinclair und Anthony McCarten erwiesen sich gleichermaßen als Publikumsrenner.

Auch die zehn Termine für den unter Regie von Kerstin Kusch neu inszenierten „Sommernachtstraum“ waren lange vor der Premiere am Freitagabend ausverkauft. Eine Zusatzvorstellung wurde jetzt für den 4. Juli ins Programm aufgenommen.

Die Rollenverteilung ist in der Neuinszenierung anders als 2008, als Anne Lebinsky sich von der geschlagenen Amazone Hippolyta in die Elfenkönigin Titania und Michael Scherff vom Herzog von Athen in den Elfenkönig Oberon verwandelte. Nun sind Axel Sichrovsky Theseus und René Schwittay Oberon, Rita Feldmeier ist Hyppolyta und Marianne Linden ihr wundersames Alter Ego Titania. Mit Helena und Demetrius, die im Zauber der Nacht zueinanderfinden, kommt auch die jüngste Generation im Ensemble auf die Bühne.

 David Kramer, Rita Feldmeier und  Axel Sichrovsky (vl) in „Ein Sommernachtstraum“

David Kramer, Rita Feldmeier und Axel Sichrovsky (v.l.) in „Ein Sommernachtstraum“

Quelle: HOT/HL Böhme

Nina Gummich (24) ist bereits seit einer Spielzeit am HOT. Denkwürdig war für sie im Januar die Premiere von Wolfgang Herrndorfs „Bilder deiner großen Liebe“, als sie in der Hauptrolle der Isa erstmals allein vor dem Potsdamer Publikum stand. In diesem Augenblick hatte sie das Gefühl, angekommen zu sein. Gummich stammt aus Leipzig, stand schon als Kind vor der Kamera, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises und dem Nachwuchsförderpreis des Bayrischen Fernsehens. Als Sandra, die beste Freundin von Beate Zschäpe, war sie im März in der ARD-Produktion „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ über die NSU-Terrorgruppe zu sehen. Vor Potsdam hatte Gummich bereits ein Festengagement am Staatsschauspiel in Dresden.

Frédéric Brossier (24) als neues HOT-Ensemblemitglied stammt aus Rüsselsheim, studierte als Förder- und Deutschlandstipendiat Schauspiel in Hannover, sammelte Erfahrungen im Film und auf verschiedenen Bühnen in Niedersachsen und gibt am Freitag sein Potsdam-Debüt. Beide Schauspieler geben der Arbeit auf der Bühne den Vorzug vor der Kamera, es sei die „intensivere Auseinandersetzung“, sagt Gummich, und arbeiteten bereits unter freiem Himmel. Vom Gasometerrund des HOT schwärmen sie: Brossier vergleicht die Kulisse mit einem Amphitheater. Er könne sich gut vorstellen, die Bühne einfach mal in die Mitte zu stellen und das Publikum drum herum zu platzieren. Vielleicht kommt es eines Tages einmal auch zu dieser Variante.

 Modell für die Seebühne des Hans-Otto-Theater

Modell für die Seebühne des Hans-Otto-Theater.

Quelle: HOT

Potsdam hat kein Glück mit Seebühnen

Die Aussichtsplattform am Fuße des Hans-Otto-Theaters wurde zur Eröffnung des neuen Theaterhauses im September 2006 erstmals zur improvisierten Bühne, als Studenten der Filmhochschule dort Szenenstudien zu Shakespeare präsentierten.

In der Diskussion um die Errichtung einer Opernseebühne vor Hermannswerder wurde 2011 erstmals bekannt, dass die Plattform des HOT als Ort für größere Aufführungen ungeeignet ist. Bekanntlich wurde aus Naturschutzgründen auch Hermannswerder abgesagt, ersatzweise gab es Opernaufführungen am Wannsee.

Dass die Seebühne in der Schiffbauergasse ein Akustikproblem hätte, erwies sich 2012 zum Festival „Stadt für eine Nacht“. Damals musste eine Sommernachtsdisco nach Beschwerden von Anwohnern abgebrochen werden. Legendär ist die Erklärung eines Rathaussprechers, der Abbruch der Party habe der Stimmung „keinen Abbruch“ getan.

 

Von Volker Oelschläger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg