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Sommerschlussverkauf profitiert vom Wetter

Rabattschlacht ist längst Auslaufmodell Sommerschlussverkauf profitiert vom Wetter

Die Temperaturen steigen ‒ und die Preise fallen: Der alljährliche Sommerschlussverkauf (SSV) hat gestern begonnen. War dies für Schnäppchenjäger einst die schönste Zeit im Jahr, scheint die festgelegte Rabattschlacht heute ein Auslaufmodell zu sein.

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Jessy (22, l.) und Liz (23) shoppen in der "Brandenburger".

Quelle: Julian Stähle

Innenstadt. Die Temperaturen steigen ‒ und die Preise fallen: Der alljährliche Sommerschlussverkauf (SSV) hat gestern begonnen. War dies für Schnäppchenjäger einst die schönste Zeit im Jahr, scheint die festgelegte Rabattschlacht heute ein Auslaufmodell zu sein.

Denn seit im Juli 2004 das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) reformiert wurde, dürfen Unternehmen ihre Saisonschlussverkäufe nach Eigenbedarf gestalten. Viele Läden reduzieren ihre Ware schon lange vor dem offiziellen Termin. Nutzen die Potsdamer den SSV überhaupt noch? Wer hat überhaupt Lust, sich bei dieser Sommerhitze durch die Läden zu schleppen?

Anita Berner vom Handelsverband Berlin-Brandenburg sieht den SSV durchaus positiv. Zwar hätten die meisten Läden ihre Sommerware schon früher reduziert, doch kämen zum Start des SSV noch einmal extra Rabatte hinzu.

"Gerade Tops, T-Shirts, kurze Hosen, Sandalen und Badebekleidung wurden heute viel verkauft", sagte sie gestern der MAZ. Aufgrund des verspäteten Sommerbeginns seien die Lager noch mit sehr viel Sommerware gefüllt. Diese müsse jetzt unbedingt raus, da zum Teil schon die Herbstkollektion geliefert wurde.

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Gina Voss, Zahnarzthelferin (22): Ich liebe shoppen und bin eigentlich immer auf Schnäppchenjagd – nicht nur im SSV. Zurzeit besuche ich meine Großeltern für vier Tage in ihrem Werderaner Ferienhaus. Beim gemeinsamen, kurzen Bummel durch die Stadt habe ich heute schon um 65 Euro reduzierte Stiefeletten gekauft.

Reinhold Appel, pensionierter Lehrer (64): Davon, dass heute der SSV begonnen hat, habe ich eigentlich noch gar nichts mitbekommen. Ich bin sowieso kein Schnäppchenjäger und gehe einkaufen, wenn ich etwas brauche. Gerade bin ich auf der Suche nach neuen Hemden und froh, mich im klimatisierten Laden abkühlen zu können.

Carsten Knabe, Versicherungskaufmann (30): Beim Bummeln durch die Stadt bin ich eher zufällig auf den SSV gestoßen. Eigentlich wollte ich nur ein Eis mit meiner Familie essen. Dabei haben wir uns von den Waren im Schaufenster inspirieren lassen. Das Sommerkleid, das ich für meine zweijährige Tochter Tamina gekauft habe, war allerdings nicht einmal reduziert.

Klara Horsch (87): Ich bin doch viel zu alt für den Schlussverkauf. Dass der heute stattfindet, wusste ich auch gar nicht. Aber meine Tochter geht da immer hin. Ich habe mir gerade ein neues Kissen gekauft, jetzt wird mir der Einkaufsbummel in der Hitze auch langsam zu anstrengend. Deswegen setzte ich mich nun lieber noch ein bisschen auf eine Bank im Schatten.

Sybille Raphael, Lehrerin (52): Ich habe heute Morgen zufällig im Radio vom SSV gehört. Das war aber nicht meine Motivation, einkaufen zu gehen. Gerade habe ich ein Geschenk für eine Freundin gekauft, die ich bald besuche. Mir tun die Verkäuferinnen leid, die bei diesem Wetter in nicht-klimatisierten Läden arbeiten müssen.

Tobias Morgenstern, Student (25): Ich bin überhaupt kein Schnäppchenjäger, daher wusste ich gar nicht, dass heute der SSV beginnt. Ich gehe sowieso nur einkaufen, wenn ich was Bestimmtes brauche. Bei diesem tollen Wetter hätte ich gar keine Lust, zu shoppen. Da esse ich lieber ein Eis, als vor stickigen Umkleidekabinen zu warten.

Die heißen Temperaturen wertet Wolfgang Cornelius, Vorsitzender der AG Innenstadt, für den Start des SSV als sehr positiv. Viele Kunden würden so dazu angeregt, nun noch einmal Sommerkleidung zu kaufen. Das wäre bei Regenwetter nicht so. Dass viele bald in den Sommerurlaub fahren, verstärke den Trend. "In diesem Jahr gab es für die Sommerware gar keine normale Saison, die Sommerware ging direkt in den Schlussverkauf", erklärt Cornelius die hohen Lagerbestände. Zu den Höhen der Rabatte konnten weder Cornelius noch Berner allgemeingültige Angaben machen, denn die regeln die Läden individuell. Von zehn Prozent bis zu 70 Prozent ist nach Angaben von Cornelius alles dabei. Die Ergebnisse des aktuellen Handelsbarometers der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zeigen für diese Saison üppigere Rabatte als sonst an: Lag der durchnittliche Preisnachlass im letzten Jahr bei 20 Prozent, werden in diesem Jahr etwa 27 Prozent erwartet.

Das klingt doch schonmal vielversprechend. Die Händler sind jedenfalls gespannt, ob die Potsdamer in den nächsten zwei Wochen nochmal so richtig ins Shoppingfieber kommen.

Von Anja Meyer

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