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Potsdam Trinkbrunnen, Sonnensegel und Straßenspülung als Hitzeschutzkonzept
Lokales Potsdam Trinkbrunnen, Sonnensegel und Straßenspülung als Hitzeschutzkonzept
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14:00 28.09.2018
Ganz Potsdam hat nur drei Trinkbrunnen wie hier am Hauptbahnhof. Quelle: Peter Degener
Potsdam

Ab 2020 ist jeder dritte Sommer so heiß wie der in diesem Jahr. Das hat Carsten Linke aus der Fraktion Die Andere am Donnerstag im Umweltausschuss vorausgesagt; er beruft sich auf entsprechende Untersuchungen des Umweltministeriums. Grund genug für die Linken, ein Hitzeschutzkonzept für Potsdam einzufordern, das kurz- und mittelfristig umsetzbare Maßnahmen enthält, die Stadt, ihre Menschen, die Tiere und die Grünflächen vor extremen Hitzefolgen zu schützen.

Maßnahmen sollen schon 2019 wirken

Schon zum Sommer 2019 sollen erste Maßnahmen wirksam werden. Der Linken-Stadtverordnete Ralf Jäkel hat dazu eine detaillierte Liste von Vorschlägen erstellt, die im Ausschuss zwar viel Zustimmung fanden, in einigen Punkten aber als überzogen abgelehnt wurden. Die Stadtverwaltung versuchte, das Konzept zu verwerfen mit dem Argument, es gebe bereits ein Klimaschutzkonzept, und die Stadt sei an einem Forschungsvorhaben beteiligt, bei dem die Vorschläge berücksichtigt werden könnten.

Mooswände? Nein, danke!

Die Idee klingt gut, funktioniert aber nicht: Mooswände sollen angeblich gesundheitsschädlichen Feinstaub aus der Straßenluft filtern und teilweise sogar in Pflanzenmasse umzuwandeln. In Stuttgart hat man das fü+r mehr als eine halbe Million Euro erprobt; auch für Potsdam zog man das in Betracht.

Doch bevor es in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu einem Test kommen konnte, hat Stuttgart seine 100 Meter lange und 3 Meter hohe Mosswand am Neckartor abgebaut und den Versuch für gescheitert erklärt, berichtete die Potsdamer Stadtverwaltung jetzt im Umweltausschuss.

Den Moosen in Stuttgart war es schlicht zu heiß; sie sind trotz Bewässerung vertrocknet und versalzt. Zwar nahmen einzelne Moosarten Schadstoffe auf, doch eine echte Filterwirkung war nicht nachweisbar.

Weil der Aufwand zur Lebenderhaltung solcher Wände zu viel Energie und Wasser kostet und keine spürbare Verbesserung bringt, verzichtet POtsdam auf den Versuch.

Damit wollte sich der Ausschuss aber nicht zufrieden geben und stimmte dem Antrag der Linken zu. Die konkreten Vorschläge beschloss man aber nicht, weil man nicht genau weiß, was die Stadt tatsächlich bereits vor hat. Jäkels Ideen bleiben als eine Art Gedankenstütze für die Verwaltung im Begründungstext des Antrages stehen. Nun ist die Stadt am Zuge und wird sich an den Vorschlägen messen lassen müssen.

Hitzeperioden könnten sich häufen

Die Hitzeperiode habe schon im April begonnen; sagte Jäkel. Es bestehe die reale Gefahr, dass sich solche Hitzeperioden häufen. Auf den Hauptverkehrsstraßen und in Wohngebieten, zum Beispiel an der Breiten oder der Geschwister-Scholl-Straße stelle man nachmittags Temperaturen von 40 Grad Celsius fest. Ereignisse wie der Waldbrand bei Fichtenwalde, der ganze Wohngebiete bedrohte, oder der Böschungsbrand an der Bahnstrecke KölnFrankfurt, der angrenzende Wohnungen vernichtete, müssen eine Warnung sein. Es gehe darum, solche Gefahren für Potsdam sicher zu verhindern und die natürliche Lebensumwelt zu schützen.

In einem weiten Rundumschlag haben die Linken zahlreiche sinnvolle Vorschläge gemacht, in einigen Punkten aber auch überzogen. So wiesen mehrere Fraktionen eine Verkehrsentlastung der Innenstadt durch zusätzliche Straßenbahnen und Busse sowie Regionalbahnen ebenso zurück wie die Schaffung einer Umgehungsstraße, die von den Linken und der CDU immer wieder gefordert wird, die aber planerisch und finanziell als unsinnig gilt.

Sonnensegel und Abkühlräume

Anderes fand dagegen durchaus Interesse: die Abschattungen belebter Orte und Haltestellen durch Sonnensegel oder Schutzdächer etwa, die Bereitstellung von klimatisierten Räumen in allen Stadtteilen und Ortsteilen für hitzegeplagte Menschen oder die Aufstellung von Getränkeautomaten mit gekühlten Wasserflaschen zum Verkauf in belebten öffentlichen Räumen und touristisch frequentierten Bereichen, wie es Jäkel zufolge an der Adriaküste Kroatiens üblich ist.

Auf Machbarkeitszweifel indes stößt die Idee, aufgeheizte Straßen durch Bespülung mit Wasser zu kühlen oder Waldränder zu wässern, die an Wohngebiete grenzen.

Auch zur Grünflächenversorgung haben die Linken Vorschläge, doch stoßen sie an technische und Finanzierungsgrenzen. Mehr Personal und Technik für die Pflege von Bäumen, Sträuchern und Rasenflächen bereitzustellen etwa oder an jedem Straßenhaus einen Außenwasseranschluss mit Zähluhr anzubauen, damit die Bewohner unkompliziert Pflanzen wässern können. Neue Pflanzungen sollten möglichst hitzeresistente Arten enthalten. Den Tieren im Stadtgebiet wollen die Linken mit Tränken helfen; Gewässer sollten künstlich belüftet oder oberflächenbewegt werden, damit Fische und Wildtiere im Wasser Sauerstoff bekommen.

Um den Bedarf genauer zu erfassen, verlangt die Linke eine Schadensbilanz des Sommers 2018.

 

Von Rainer Schüler

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