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Sonntags geöffnet – Ordnungsamt greift durch

29 Läden geschlossen Sonntags geöffnet – Ordnungsamt greift durch

Über den Weihnachtsmarkt schlendern und dann noch shoppen: Zahlreiche Händler haben am vergangenen Sonntag die Gunst der Stunde genutzt und öffneten in der Potsdamer Innenstadt ihre Geschäfte. Doch das ist eigentlich verboten. Nun drohen den Ladeninhabern saftige Geldbußen.

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Beim Nikolausmarkt am 6. Dezember im Holländischen Viertel.

Quelle: Christel Köster

Innenstadt. „Tante Paula“ wollte keinen Ärger. Also hat Judith Wilms, die Inhaberin von „Tante Paula“ in der Benkertstraße, vergangenen Sonntag ihren Accessoireladen geschlossen. „Ärgerlich, ausgerechnet während des Nikolausmarkts“, sagt Wilms. Andere Händler im Holländischen Viertel wollten sich das Sonntagsgeschäft nicht verderben lassen und öffneten trotz Verbots – bis das Ordnungsamt ihnen einen Strich durch die Rechnung machte: In der gesamten Innenstadt inklusive Brandenburger Straße sind am 6. Dezember 29 Läden geschlossen worden, wie Stadtsprecher Jan Brunzlow auf Anfrage mitteilt.

Bis zu 5000 Euro Geldbuße können verhängt werden

„Die Kontrollen wurden durchgeführt, weil es fünf Beschwerden gab“, so Brunzlow. Die meisten Inhaber hätten ihre Läden dann geschlossen. Einige wenige seien der Aufforderung aber nicht nachgekommen. Ihnen droht nun laut Ladenöffnungsgesetz eine Geldbuße in Höhe von bis zu 5000 Euro.

Hintergrund des Streits ist eine Verordnung, die die Stadt im Frühjahr beschlossen hatte. Demnach dürfen Läden nur an zwei Adventssonntagen öffnen – am ersten und am vierten. Zuvor war die Gewerkschaft Verdi gegen die geplanten liberalen Ladenöffnungszeiten in der Landeshauptstadt juristisch vorgegangen. Potsdam wollte zehn verkaufsoffene Sonntage, das Landesgesetz erlaubt aber nur sechs.

Am Sonntag beriefen sich laut Brunzlow einige Händler auf die Verordnung zur Tourismusversorgung. Diese Sonderregelung, die bei einem bestimmten Sortiment Sonntagsöffnung erlaubt, gilt aber im Dezember nicht. „Die Geschäfte wussten Bescheid. Wir haben sie noch einmal darauf hingewiesen“, sagt Alice Paul-Lunow, Sprecherin der Aktionsgemeinschaft Holländisches Viertel. 2016 werde der Weihnachtsmarkt im Viertel auf das erste Adventswochenende gelegt, damit die Geschäfte öffnen können. In diesem Jahr sei es dafür zu spät gewesen.

Geschäftsleute halten die Regelung für unsinnig

„Die Ordnungsamtsmitarbeiter waren nicht unfreundlich. Sie machen eben ihren Job“, sagt eine Geschäftsinhaberin, die am Sonntag ihren Laden öffnete und lieber anonym bleiben möchte. Die Argumentation von Verdi, die Sonntagsöffnungen belasteten die Angestellten, gelte für die meisten Läden im Holländischen Viertel gar nicht. „Unsere Läden sind klein, meist ist der Inhaber gleichzeitig der Verkäufer“, sagt die Händlerin. „Wir müssen ja nicht vor uns selbst geschützt werden.“

Auch Judith Wilms findet die Regelung nicht gut. „Diese Stadt ist sehr eigenartig“, sagt die Geschäftsfrau aus Nordrhein-Westfalen. „Wir wollen Potsdam beleben und dann werden uns Steine in den Weg gelegt.“ Auch kommenden Sonntag, zum Niederländischen Adventsmarkt, müssen die Geschäfte zu bleiben.

Von Marion Kaufmann

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