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Sorgen in der Geschwister-Scholl-Straße

Verkehr in Potsdam Sorgen in der Geschwister-Scholl-Straße

Die Geschwister-Scholl-Straße ist der Verlierer des Modellversuchs auf der Zeppelinstraße, meinen die Anwohner. Ihre Beobachtung: Mit der Verengung der Hauptverkehrsader auf eine Spur pro Richtung, weicht ein großer Teil des Verkehrs in die schmalere Parallelstraße aus. Das schürt im Kiez die Angst um das Wohl der Kinder, die bald wieder zur Schule gehen.

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„Ich habe es mit riesigen Aufgaben zu tun“

Anwohnerin Monika Bückner (l.) und Annette Paul vom Stadtteilnetzwerk.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Brandenburger Vorstadt. Zwei Wochen vor Schulanfang schrillen in der Brandenburger Vorstadt die Alarmglocken. Monika Bückner, Anwohnerin der Geschwister-Scholl-Straße und dort auch in einer Kindertagesstätte tätig, sorgt sich um die Sicherheit der Jüngsten im Kiez. Grund ist der Verkehr, der nach ihrer Beobachtung in den vergangenen sechs Wochen zugenommen hat und mit dem Ende der Sommerferien weiter zulegen dürfte.

„Der Verkehr donnert wie nie zuvor“

„Der Ausweichverkehr der verengten Zeppelinstraße hat längst die Geschwister-Scholl-Straße erreicht“, sagt Monika Bückner. „Inzwischen nutzen auch viele schwere Laster die Straße als Schleichweg.“ Wobei von Schleichen vor allem in den Morgenstunden zwischen 6.30 und 9 Uhr und an den Nachmittagen ab 14.30 Uhr nicht die Rede sein könne. „Über die Geschwister-Scholl-Straße donnert der Verkehr wie nie zuvor“, sagt Monika Bückner. „Es ist geradezu verrückt. Und dabei sind noch immer Ferien – viele Potsdamer sind noch gar nicht zurück in der Stadt.“

Wenn sie aus ihrem Fenster schaut, blickt Monika Bückner nicht nur auf die stadtauswärts rollenden Autos, sie kann auch zur Kita Baumschule hinüber sehen. Geht erst der Unterricht wieder los, begleitet sie von dort aus die kleineren Jungen und Mädchen in die 400 Meter entfernte Gerhart-Hauptmann-Grundschule. „Die 3. und 4. Klassen dürfen allerdings allein zwischen Schule und Kita pendeln“, erklärt Monika Bückner. „Dabei sollen die Kinder die Straßenseite zwar nicht wechseln, aber die Bäcker liegen alle auf der anderen Seite – und das ist natürlich verlockend.“ Allein bei der Vorstellung, wie eines der Kinder über die Straße läuft, graust es ihr. „Hier muss etwas passieren – bevor einem Kind etwas passiert.“

Unterstützung vom Stadtteilnetzwerk und der Bundestagskandidatin

Seit Tagen schon überlegt Monika Bückner, wie die Scholl-Straße sicherer zu machen ist. Zur Unterstützung hat sie sich mit dem Stadtteilnetzwerk Potsdam West und der SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle zusammengesetzt. „Ich hab drei große Wünsche“, sagt Monika Bückner: „Nummer 1: Ein Zebrastreifen oder Schülerlotsen oder beides an der Hans-Sachs-Straße. Nummer 2: Eine Tonnage-Begrenzung für Lkw in der Geschwister-Scholl-Straße. Nummer 3: Schon an der Rechtsabbiegerspur in der Zeppelinstraße ein Hinweis darauf, dass im Kiez viele Kinder unterwegs sind – wir reden hier schließlich vom kinderreichsten Stadtteil!“

Aus ihrer Zeit im Stadtparlament weiß Manja Schüle noch sehr gut, wie viel Beharrlichkeit es braucht, Zebrastreifen, Schilder und Limits durchzusetzen. Sie schlägt daher vor, die Verkehrswacht zu kontaktieren und sozusagen um Erste Hilfe zu bitten. Bei der Verkehrswacht können Kinder lernen, wie sie sich im Straßenverkehr richtig verhalten. Der Verein ruft Autofahrer mit Plakaten zu erhöhter Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme auf. Auf dass es langfristige Lösungen gibt, werde sie das Thema in die Stadtverordnetenversammlung tragen.

Einladung zum Parking Day am 15. September

Annette Paul vom Stadtteilnetzwerk versucht, die Scholl-Schwierigkeiten beim Parking Day zu platzieren. Bei der weltweiten Aktion, die am Freitag, 15. September, zum ersten Mal in Potsdam – und dann rund um den Tschäpeplatz – stattfindet, befassen sich Künstler, Aktivisten und Bürger mit Verkehrsfragen und verwandeln Parkplätze in Park-Plätze. Das Stadteilnetzwerk plant dazu auch Diskussionen – eine davon könnte sich dem Thema „Kinder im Verkehr“ widmen. „Unabhängig davon wäre es ratsam, wenn sich einmal jemand aus der Stadt vor Ort anschaut, wie es läuft“, sagt Annette Paul. „Man muss die Situation in der Geschwister-Scholl-Straße hautnah erleben und wird dann verstehen, wie gefährlich es hier für alle ist.“

Schülerlotsen auf Potsdams Straßen

In Deutschland sind 60 000 Schülerlotsen aktiv. Sie geleiten jüngere, unerfahrene Kinder über die Straße und sichern den Schulweg. In Brandenburg sind 560 Schülerlotsen im Dienst. In Potsdam gibt es Schülerlotsen an drei freien Schulen.

Das Mindestalter für Schülerlotsen ist elf Jahre. Der Lotsendienst ist freiwillig. Ausgebildet werden die Lotsen von der Polizei in Kooperation mit der Verkehrswacht. nf

Von Nadine Fabian

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