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Potsdam Sozialschwach im hart umkämpften Leben
Lokales Potsdam Sozialschwach im hart umkämpften Leben
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14:38 21.03.2018
Andrea Thelemann schlüpft in die Rolle der Kämpferin Margaret. Quelle: BÖHME
Potsdam

Es braucht keine detaillierten, ausgeschmückten Bilder, wenn es ums echte Leben geht. Da gibt es rasante Dialoge, Menschen die einander ins Wort fallen oder gleichzeitig über das sprechen, was bewegt: Träume, Ziele, Verwirklichungen. Gibt es sie, die Chancengleichheit? Ist Armut persönliches Versagen? Soll es ihn wirklich geben, diesen amerikanischen Traum vom Self-Made-Aufstieg? Reicht es, hart zu schuften oder ist es letztlich nur ein Glücksspiel, das entscheidet, wer am Ende auf der Verliererseite steht?

Elias Perrig beschäftigt sich mit diesen Fragen. Er inszeniert als Regisseur das neue Theaterstück Good People (Mittelschichtblues), das am Freitag im Potsdamer Hans-Otto-Theater (HOT) Premiere feiert. Das von Pulitzer-Preisträger David Lindsay-Abaire geschriebene Stück trifft in eine Zeit, in der sich die Gesellschaft zunehmend spaltet – auf der einen Seite die Abgehängten, auf der anderen die Gewinner.

Kein Aufgeben, niemals

Margaret (Andrea Thelemann) ist fünfzig. Kein denkbar guter Zeitpunkt um den Job im Billigladen in den Vereinigten Staaten von Amerika zu verlieren, noch dazu mit einer erwachsenen behinderten Tochter. Also steht sie wie so oft vor dem Nichts. Ihren Glauben verliert sie trotzdem nicht, sondern kämpft für ein besseres Leben als unbeirrbare Frau, die nichts zu verlieren hat. Sie sucht ihren ehemaligen (Schul)Freund Mike (Jon-Kaare Koppe) auf, der es schaffte aus dem sozial schwachen und rassistischen Milieu, in dem beide aufwuchsen, aufzusteigen. Margaret möchte keine Almosen, sondern einen Job. Arzt Mike lebt mit einer gut betuchten, afroamerikanischen Frau (Patricia Coridun).

Elias Perrig inszeniert das neue Theaterstück am Hans-Otto-Theater in Potsdam. Seinen Lebensmittelpunkt hat er sonst in der Schweiz. Quelle: HL Böhme

„Margaret aus der Gosse, die nie dort wegkam; Mike, der nach seinen Aussagen durch harte Arbeit aus seinem ehemaligen Milieu ausbrach und seine junge Frau aus einer angesehenen Schicht, die immer reich war – in dieser Dreierkonstellation prallt es sehr persönlich aufeinander“, erklärt der 52-jährige Perrig. Es sei ein Zusammentreffen unterschiedlicher Geschichten, die Erinnerungen zurück in das Bewusstsein rufen. In den USA war das Stück 2012/2013 das meist gespielte auf den Bühnen und gewann zahlreiche Preise.

Elias Perrig ein Regisseur, der Sprache liebt

Elias Perrig ist ein Mann der Sprache. Man könne die größte Fantasie besitzen, am Ende müsse man sie auch kommunizieren können, sagt er. „Ich mag es, wenn man Sprache wie Musik behandeln kann.“ Im Mittelschichtblues setzt der Schweizer Regisseur auf die geballte Kraft der Worte, mit denen er die vergangenen sieben Wochen die Charaktere des Stücks herausarbeitete.

Ähnlich einer Forschungsarbeit, sagt er. Die Emotionen unter dem Gerede habe er freilegen wollen, um sie am Ende wieder zu reduzieren und nur unterschwellig einzusetzen. Denn genau sie bewirken das Drama um lebensechte Konflikte zwischen „good people“, also guten Menschen. Inmitten einer „knallharten Realität“. „Das Schöne, eigentlich auch Tragische von sehr vielen Figuren dieses Stücks ist die Überzeugung, dass sie es mit harter Arbeit im Leben schaffen können. Beim Draufsehen hat das etwas unglaublich Trauriges“, sagt Elias Perrig. Denn diese Chancen werde es für die Personen in diesem Umfeld nie geben.

Der richtige Rhythmus der Schauspieler

Die Hauptarbeit des Regisseurs: Rhythmus mit den Schauspielern finden, damit die Figuren glaubwürdig sind. Dazu eine ausreichende Portion an schwarzem Humor.

Elias Perrig hat seinen Lebensmittelpunkt in Basel. Dort leitete der Regisseur sechs Jahre lang das Stadttheater. „Längerfristig war das aber nicht mein Ehrgeiz. Ich habe mehr Spaß daran Kunst zu machen, als Kunst zu managen“, sagt Perrig. Deshalb inszeniert er seit 2012 an Häusern in ganz Deutschland und weltweit – zuletzt in Peking.

In Potsdam hat der 52-Jährige schon mehrere Stücke auf die Bühne des Hans-Otto-Theaters gebracht – unter anderem „Zorn“, „Kruso“ und „Geächtet“. Potsdam sei für ihn inzwischen wie ein zweites Zuhause, sagt er. Über die Jahre habe er die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt und ein Gespür dafür entwickeln können, wer auf der Theaterbühne gut zusammenpasse. In Good People ginge das auf – und mit Patricia Coridun, die sich erstmals dem Potsdamer Publikum auf der HOT-Bühne stellt, ergebe sich zugleich eine ganz neue Dynamik, sagt Perrig.

Von Christin Iffert

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