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Potsdam Spitzenmedizin zwischen Backsteingotik
Lokales Potsdam Spitzenmedizin zwischen Backsteingotik
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13:27 12.07.2015
Ernährungswissenschaftlerin Susanne Schwarz (l) serviert den Besuchern beim Gesundheitsspaziergang Smoothies Quelle: Christel Köster
Potsdam

Der Berliner Michael Gorkow hat schon lange Schmerzen beim Gehen. Erst vor einer Woche bekam er die richtige Diagnose: Arthrose im rechten Hüftgelenk. Die Berliner Ärzte empfahlen ihm, sich in der Potsdamer Oberlinklinik ein künstliches Hüftgelenk einsetzen zu lassen. Die Klinik ist ein Kompetenzzentrum für Gelenkerkrankungen. Gorkow hat Glück. Just am Sonnabend feierte das Oberlinhaus auf seinem Babelsberger Campus das 125-jährige Bestehen der Klinik. Gorkow nutzt den Tag der offenen Tür, um sich selbst ein Bild zu machen. Natürlich ist ein für ihn naheliegendes Ziel der Vortrag von Chefarzt Axel Reinhardt über minimalinvasive Hüftendoprothetik in der Sporthalle der Oberlinschule.

„Das hat mir schon sehr geholfen“, sagt Gorkow anschließend. „Ich gehe jetzt ziemlich gelassen in die OP im September.“ In seinem Vortrag lobt Reinhardt die neue Methode, bei der durch einen besonderen Zugang zum Hüftgelenk so wenig Muskelmasse wie nur möglich gereizt und verletzt wird. Seit 2008 operiert er auf diese Weise, die er selbst im französischen Tours gelernt hat. „Für mich ist das jetzt die Standardmethode“, sagt er. Die Patienten seien meist viel schneller auf den Beinen als andere Endoprothesenpatienten. Um die 1500 minimalinvasive Operationen, schätzt Reinhardt, habe er schon gemacht. Jetzt bringen er und sein Kollege Burkhard Schmidt die Methode auch jüngeren Ärzten am Klinikum bei.

Kinder waren der Anfang

Johann Friedrich Oberlin (1740-1826) war ein evangelischer Pfarrer, Pädagoge und Sozialreformer aus dem Elsass. Oberlin initiierte Kleinkinderschulen. Der 1871 in Babelsberg gegründete Verein benannte sich nach ihm.

Die Aufgabe des Oberlinvereins war die Betreuung kleiner Kinder zu organisieren und zu fördern. Doch schon 1878 wurde ein neu erbautes Diakonissen-Mutterhaus für die Gemeindepflege eröffnet, in dem 1881 eine Poliklinik, 1883 eine Kinderkrippe und 1888 eine erste Krankenstation ihren Betrieb aufnahmen.

Das erste Krankenhaus in Nowawes mit 45 Betten wurde im Oktober 1890 eröffnet. Es ist der Vorläufer der heutigen Klinik. Die orthopädische Fachklinik gibt es seit 1980. Seit 2001 hat sie verschiedene Fachabteilungen. 2007 wurde ein moderner Anbau eröffnet.

Die Geschichte von einem Verein für die Betreuung kranker Kinder in Nowawes bis hin zum Zentrum moderner Chirurgie und einer großen Ersatzschule für mehrfach körperbehinderter Kinder zeichnet sich schon in der Architektur des Campus’ ab. Neben der Backsteingotik des vor knapp 125 Jahren als erstes Krankenhaus in Alt Nowawes eröffneten Maria-Martha-Hauses, das nun ein Reha-Zentrum beherbergt, finden sich die hochmoderne Blockbauweise des erst 2011 eröffneten Neubaus der Oberlinschule, die inzwischen an die 300 Schüler mit zum Teil mehrfacher Körperbehinderung unterrichtet.

Überrannt wird das Gelände allerdings am Sonnabend nicht. War es das schönere Wetter am Wochenende? Oder wurde zu wenig geworben? Marketing-Chef Christian Kolata weiß auch nicht recht, woran es liegt. Diejenigen, die kommen, sind allerdings beeindruckt. In den Fachvorträgen der Ärzte erfahren sie Wichtiges über die Wirbelsäule, das Schultergelenk, die Hüfte, das Knie, aber auch über einen vom Schnarchen beeinträchtigten Schlaf. Auf einem Gesundheitsspaziergang mit sechs Stationen, versetzen sie sich in die Lage eines Hüft- oder Kniepatienten oder genießen frische Smoothies, die die Ernährungswissenschaftlerin Susanne Schwarz aus Äpfeln, Erdbeeren und Wassermelonen oder aus Gurken, Avocados und Dill mixt. Und sie können von der Hörakustik-Meisterin Angie Diez ihr Hörvermögen testen lassen.

Von der Betreuung behinderter Kinder über die Arbeit in der Klinik bis hin zu Reha-Maßnahmen ist auch an diesem Tag alles vertreten, was das Oberlinhaus ausmacht. 14 Gesellschaften mit rund 1800 Mitarbeitern gehören dazu. Und Geschäftsführer Michael Hücker kündigt weiteres Wachstum an.„Der nächste große Meilenstein ist sicher das neue Röntgensystem im September“, sagt er. Der EOS-Scanner werde bei minimaler Strahlenbelastung eine dreidimensionale Gesamtaufnahme des menschlichen Skeletts zustande bringen. Vorsorge und Diagnostik dringen damit in ganz neue Dimensionen vor.

Von Rüdiger Braun

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