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Sprung in der Platte

Bewegungsfestival in Potsdam-West Sprung in der Platte

Das Festival „Sprung in der Platte“ brachte die Potsdamer mit besonderen Angeboten auf die Beine, darunter Yoga, Capoeira und Breakdance. Bewegungscracks zeigten, was man mit einem Klettergerüst alles anstellen kann. Aber es ging auch auf symbolische Weise darum, Barrieren zu überwinden – das Fest war auch eine Abschiedsparty für die Flüchtlinge aus der Haeckelstraße.

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Ganz schön gelenkig: Lara (12) am Vertikaltuch, dahinter probiert sich ihr Bruder Pascal (8) am Hula-Hoop-Reifen aus.

Potsdam-West. Lara hing am Sonnabend ganz schön in den Seilen – und das war auch gut so. Die blonde Zwölfjährige hatte die bunten Vertikaltücher für sich entdeckt, die von den hohen Bäumen an der „Platte“ in Potsdam-West baumelten. Eins, zwei, drei war Lara ein Stück an einem der elastischen Tücher hochgekraxelt. Den Synthetikstoff um die Füße und ein Bein gewickelt, ließ sie den Oberkörper weit nach hinten fallen – fast zirkusreif. Darianne Koszinski, die an einer Zirkusartistikschule bei Paris studiert, stand dabei zur Seite. „Es ist schön zu sehen, wie glücklich die Leute hier sind,“ sagte sie mit Blick über die „Platte“. Die Freifläche war zur Sportfläche mutiert.

Das Bewegungsfestival „Sprung in der Platte“ brachte die Besucher mit ganz besonderen Angeboten auf die Beine, darunter Yoga, Capoeira und Breakdance. „Wir wollen zeigen, wie vielfältig dieser Ort genutzt werden kann“, sagte Stevie Koglin, der mit Lukas Schapp und dem Stadtteilnetzwerk Potsdam-West alles auf die Beine gestellt hatte. Koglin und Schapp kommen von der „Potsdam in Bewegung Community“ und sind Parkour-Profis. Bei der Kunst der effizienten Fortbewegung muss man auf elegante Weise versuchen, Hindernisse im Stadtraum zu überwinden. Am Sonnabend zeigten die Bewegungscracks, was man mit einem Klettergerüst alles anstellen kann.

Der große Sprung

Der große Sprung: Stevie Koglin (l.) und Mohammad Wessam Arafeh.

Quelle: Friedrich Bungert

Aber es ging auch auf symbolische Weise darum, wie man glücklich Barrieren überwindet. Das Festival war auch eine Art Abschiedsparty für die Flüchtlinge aus dem benachbarten Wohnverbund Haeckelstraße. Wie berichtet, müssen die Häuser saniert werden, so dass das Projekt erst kürzlich seine Pforten schloss. Obwohl die Asylbewerber nun anderswo in der Stadt leben, kamen etliche für das Festival zurück. Einer, der begeistert mitmachte, war Mohammad Wessam Arafeh. Der 26-jährige Syrer ist zwar schon vor ein paar Monaten aus dem Verbund ausgezogen, weil das Treppensteigen hinauf in die Wohnung im vierten Stock für seinen kranken Vater zu beschwerlich wurde. Aber die Kontakte zum Kiez sind nicht abgerissen: „Stevie und seine Freunde haben uns sehr geholfen“, sagte er. Auch Vule wurde am Sonnabend erwartet. Der Roma-Junge aus Serbien hatte im Haeckelverbund gelebt und sich auf der „Platte“ zum tollen Breakdancer gemausert. Die Abschiebung von Vules Familie konnte dank des Stadtteilnetzwerks und der Breakdancer verhindert werden. Für den Jungen, der nun an der nahen Stadtheide wohnt, war der Sonnabend ein besonderer Tag: „Heute ist er eingeschult worden“, erzählte Koglin. Ein Abstecher zum Festival gehörte für Vule aber unbedingt mit zum Ehrentag.

Preisgekrönt

Im Wohnverbund Haeckelstraße hatten rund 80 Flüchtlinge mehr als zwei Jahre Tür an Tür mit deutschen Nachbarn gelebt. Das Projekt war sogar preisgekrönt: 2014 wurde das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West für seine Flüchtlingsarbeit in der Haeckelstraße mit dem Integrationspreis der Stadt ausgezeichnet. Die meisten Flüchtlinge stammten aus Syrien.

Die im Eigentum der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam befindlichen Häuser in Potsdam-West stammen aus den 1970er Jahren. Nun sollen sie saniert werden.

 

Von Ildiko Röd

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