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Potsdam ViP und Bauausschuss halten am Umstieg fest
Lokales Potsdam ViP und Bauausschuss halten am Umstieg fest
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10:59 15.03.2018
Zur Eröffnung der Tramstrecke zum Jungfernsee wurde noch offiziell gelächelt, doch Kritik am Zwischenstopp gab es schon dort. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der Streit um die gekappte Busverbindung zwischen Groß Glienicke und dem Potsdamer Hauptbahnhof schlägt immer höhere Wellen – und hat am Dienstagabend auch den Bauausschuss erreicht. Neben Ortsvorsteher Winfried Sträter berichteten Andreas Menzel und Norbert Schatz aus Groß Glienicke den Stadtverordneten ihre Sorgen und Nöte.

Mittlerweile gibt es mehr als 1700 Unterschriften gegen die Kappung der Buslinie am Campus Jungfernsee und den anschließenden Umstieg auf die Tram 96 in Richtung Innenstadt. „Es werden täglich mehr Unterschriften“, schilderte Schatz die Situation.

Auch aus Berlin gebe es Protest. Dieser schlage sich zahlenmäßig allerdings nicht nieder, weil die Berliner nicht an der Groß Glienicker Unterschriftensammlung teilnehmen können.

Ärger über gekappten Nahverkehr sorgt für Umstieg ins Auto

Schatz’ Eindruck: Anstatt stärker auf den öffentlichen Nahverkehr zu setzen, würden viele Groß Glienicker nun wieder vermehrt ihre Autos benutzen.

Und: Spandau rücke als Einkaufsziel wieder mehr in den Fokus, weil die Fahrt dorthin ohne Umsteigen möglich wäre. Insbesondere ältere und gehandicapte Menschen hätten unter den neuen Bedingungen zu leiden.

„Unsere Bitte ist, dass der Bus 638 wieder durchfährt!“

Sein Plädoyer schloss Schatz mit einem Appell: „Unsere Bitte ist, dass der Bus 638 wieder durchfährt!“ Auch in Fahrland sei bereits eine Unterschriftenaktion gestartet worden, hieß es.

In der Nedlitzer Straße wird für die neue Tramstrecke gebaut. Quelle: Bernd Gartenschläger

Insgesamt bekannten sich die Stadtverordneten im Bauausschuss zwar zur „Brechung“ der Busse am Campus Jungfernsee. Aber: Die Umstände seien absolut verbesserungswürdig.

Zu den Widrigkeiten zählt nicht nur, dass man der Witterung an der Umsteigestelle ziemlich schutzlos ausgesetzt ist. Für Unbehagen sorgt auch das Umfeld und der Umstand, dass sich die Busfahrer am Campus Jungfernsee offenbar gern ein Päuschen genehmigen – was einen direkten Anschluss erschwere.

„Erhebliche Verbesserungen“ an der Haltestelle gefordert

„Es ist notwendig, dass wir da ein beleuchtetes Wartehäuschen haben und dass der Busfahrer schon an der Haltestelle steht, damit man als Frau oder Mädchen da nicht allein steht“, plädierte Babette Reimers (SPD) für eine „Tür zu Tür“-Lösung.

Ausschussvorsitzender Ralf Jäkel (Linke) erklärte, es müssten noch „erhebliche Verbesserungen“ stattfinden. Da nicht jede 96er-Straßenbahn gleich einen Anschlussbus am Jungfernsee hat, würde es Sinn ergeben, auf den Fahrgastanzeigen die Trams mit direkter Umsteigemöglichkeit kenntlich zu machen.

Spatenstich am Campus Jungfernsee. Quelle: Bernd Gartenschläger

Jäkels Parteifreund Michél Berlin sprach das Thema Sicherheit an: „Die Leute sollen nicht nachts verängstigt und frierend da stehen.“ Für Georg Bittcher („Die Andere“) gibt es nur ein Mittel der Wahl: „Warum gibt es nicht zu jeder Tram einen Anschlussbus?“ Dies würde auch im Hinblick auf Kramp­nitz für eine optimale Anbindung sorgen. Lars Eichert (CDU) gab zu bedenken, dass eine direkte Buslinie keinen Zeitvorteil bringt, wenn der Bus im Stau steht.

Direkter Umstieg am Jungfernsee funktioniert noch nicht

Oliver Glaser, Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs, räumte im Ausschuss ein, dass die direkte „Tür an Tür“-Verknüpfung derzeit noch nicht rund läuft: „Auch wenn die Anschlusssicherung gut funktioniert, so legt jedoch mancher Fahrer seine Wendezeit etwas zu flexibel aus.“

Verbesserungen gibt es in puncto Information: Auf Aushangfahrplänen der Stationen zwischen Hauptbahnhof und Rathaus finden sich nun Hinweise zu den jeweiligen Anschlüssen, zudem werden Taschenfahrpläne verteilt.

Nicht alle Züge werden barrierefrei sein

Auch in Sachen Barrierefreiheit läuft nicht alles so, wie ursprünglich angedacht. Auf der 96er-Strecke zum Campus Jungfernsee sind nach wie vor 13 Prozent der Fahrzeuge alte Tatra-Modelle. Zwar kommen bald die beiden letzten Combino-Züge – angesichts der wachsenden Stadt könne es aber keinen vollständigen Verzicht auf die Tatras geben, so Glaser.

Dem Wunsch auf eine Wiederaufnahme der direkten Busverbindung erteilte Glaser eine Absage: Die Straßenbahn sei nun einmal das „Rückgrat“ des Nahverkehrs. Am 27. Mai wird das Aufregerthema erneut im Bauausschuss diskutiert.

Mehr zum Thema:

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> Fahrgäste sauer: Umstieg am Jungfernsee klappt nicht

Von Ildiko Röd

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