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Potsdam Stadt beerdigt Ausbau des Stadtkanals
Lokales Potsdam Stadt beerdigt Ausbau des Stadtkanals
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21:55 03.11.2013
Die drei namenlosen Pfosten vor der Bibliothek am Platz der Einheit. Quelle: Henning Krentz
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Potsdam, Innenstadt

Er war ein Vorzeigeprojekt der Potsdamer Bundesgartenschau 2001; jetzt liegt er hilflos mitten in Potsdam: Der Stadtkanal kann sein Wiederherstellungsziel 2016 nicht mehr erreichen. Das als Kulisse der Buga vor zwölf Jahren eilends fertiggestellte Teilstück in der Yorckstraße führt Wasser nur noch bei Starkregen und zum alljährlichen Kanalsprint der Stadtwerke. Und weil dieses Stück die meiste Zeit trocken liegt, wurde es auch schon zur Kunstmeile.

Lediglich der direkt in die Havel mündende Abschnitt an der Großen Fischerstraße bis zur Querung Kellertorbrücke – auch die ist noch Zukunftsmusik – steht schon unter Wasser. Oberbürgermeister Jann Jakobs schipperte hier schon medienwirksam entlang, doch seine Verwaltung hat das Projekt jetzt – gänzlich medienunwirksam – beerdigt. „Konkrete Termine zur Weiterführung des Stadtkanals“ könnten angesichts der „offenen Fragen zu Finanzierungsmöglichkeiten“ nicht genannt werden, sagte Stadtsprecher Markus Klier der MAZ.

Im Abschnitt in der Straße Am Kanal von der Havel bis zum Bereich der ehemaligen Kellertorbrücke sei die Rekonstruktion des Kanals erfolgt, weil es dafür städtische Mittel, Gelder aus der Städtebauförderung und Sponsorenmittel gab. Die Realisierung des hier anschließenden 3. Bauabschnittes bis zur Berliner Straße war bereits für 2011 geplant, steht Klier zufolge jedoch „wegen fehlender Finanzmittel“ aus. Die Arbeiten im Sanierungsgebiet „Am Kanal/Stadtmauer“ und der Wiederaufbau der historischen Kellertorbrücke hätten durch weitere Spenden und Zuwendungen des Bundes und Landes erfolgen sollen, erläuterte Klier. Das Infrastruktur-Ministerium habe jedoch bereits 2010 aufgrund abnehmender Zuschüsse vom Bund signalisiert, dass die Förderung für das Gebiet und das Projekt Stadtkanal „deutlich zurückgenommen werden muss“.

Fördervereins-Chef Siegfried Benn ist genervt wegen des Zuwendungs-Stopps und wegen der Aufstellung von drei gusseisernen Geländerpfosten auf sieben „laufenden Metern“ Sandsteinplatten vor der neuen Bibliothek am Platz der Einheit. Mit ihnen sollen laut Stadtsprecher Klier „zunächst der ehemalige Kanalverlauf und damit die Struktur in diesem Stadtraum veranschaulicht werden“. Mit dem Förderverein war das nicht abgesprochen. „Wir haben bisher auf jedem Kanalpfosten einen Spendernamen“, sagt Benn: „Und viele weitere Spender warten auf ihren Pfosten. Jetzt stellt der Sanierungsträger drei namenlose Pfosten auf.“ „No-name- Ware“, kommentiert Benns langjähriger Mitstreiter Henning Krentz. Seit fast 20 Jahren setze er sich für das Projekt der Wiederherstellung des Stadtkanals ein, habe mitgeholfen, dass Hunderttausende Euro dafür gesammelt werden konnten. „Der Stadtkanal wurde zum Schrittmacher für ein weit über die Grenzen unserer Stadt hinausgehendes Bürgerengagement“, schreibt Krentz: „Namen von Mäzenen schmücken über 400 Pfosten, Prominente stehen neben Namen aus der Bürgerschaft. Immerhin zwei Oberbürgermeister sind dabei.“ Hier stünden aber namenlose Pfosten. „Was sollen diejenigen denken, die schon lange auf ihren Pfosten gewartet haben und immer wieder nachfragen?“ Es sei eben nur ein Lippenbekenntnis, wenn man sage, man wolle „die Bürger mitnehmen“, ist Krentz enttäuscht: „Mir blutet einfach nur das Herz.“

Doch es gibt hoffnungsvolle Gespräche mit Investoren. Vereins chef Benn hält es für „technisch möglich“ und „finanziell machbar“, dass der Kanal in Teilen „unterkellert“ wird – für viele Nutzungen von der Kultur über den Einzelhandel bis zum Verkehr. Ein Investor soll nach dem Willen des Vereins einen langfristigen Erbbaurechtsvertrag für die Nutzung des Kanaluntergrundes bekommen, die so lukrativ ist, dass er den Kanal fertig stellt und betreibt.
Von Rainer Schüler

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