Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Stadt beerdigt Ausbau des Stadtkanals

Kein Geld verfügbar Stadt beerdigt Ausbau des Stadtkanals

Er war ein Vorzeigeprojekt der Potsdamer Bundesgartenschau 2001; jetzt liegt er hilflos mitten in Potsdam: Der Stadtkanal kann sein Wiederherstellungsziel 2016 nicht mehr erreichen. Es gibt keine Landesförderung, und auch die Stadt selbst hat kein Geld mehr.

Voriger Artikel
„Boys Born Blond“ haben hohen Wiedererkennungswert
Nächster Artikel
Welterbe von Schädlingen bedroht

Die drei namenlosen Pfosten vor der Bibliothek am Platz der Einheit.

Quelle: Henning Krentz

Potsdam, Innenstadt. Er war ein Vorzeigeprojekt der Potsdamer Bundesgartenschau 2001; jetzt liegt er hilflos mitten in Potsdam: Der Stadtkanal kann sein Wiederherstellungsziel 2016 nicht mehr erreichen. Das als Kulisse der Buga vor zwölf Jahren eilends fertiggestellte Teilstück in der Yorckstraße führt Wasser nur noch bei Starkregen und zum alljährlichen Kanalsprint der Stadtwerke. Und weil dieses Stück die meiste Zeit trocken liegt, wurde es auch schon zur Kunstmeile.

Lediglich der direkt in die Havel mündende Abschnitt an der Großen Fischerstraße bis zur Querung Kellertorbrücke – auch die ist noch Zukunftsmusik – steht schon unter Wasser. Oberbürgermeister Jann Jakobs schipperte hier schon medienwirksam entlang, doch seine Verwaltung hat das Projekt jetzt – gänzlich medienunwirksam – beerdigt. „Konkrete Termine zur Weiterführung des Stadtkanals“ könnten angesichts der „offenen Fragen zu Finanzierungsmöglichkeiten“ nicht genannt werden, sagte Stadtsprecher Markus Klier der MAZ.

Im Abschnitt in der Straße Am Kanal von der Havel bis zum Bereich der ehemaligen Kellertorbrücke sei die Rekonstruktion des Kanals erfolgt, weil es dafür städtische Mittel, Gelder aus der Städtebauförderung und Sponsorenmittel gab. Die Realisierung des hier anschließenden 3. Bauabschnittes bis zur Berliner Straße war bereits für 2011 geplant, steht Klier zufolge jedoch „wegen fehlender Finanzmittel“ aus. Die Arbeiten im Sanierungsgebiet „Am Kanal/Stadtmauer“ und der Wiederaufbau der historischen Kellertorbrücke hätten durch weitere Spenden und Zuwendungen des Bundes und Landes erfolgen sollen, erläuterte Klier. Das Infrastruktur-Ministerium habe jedoch bereits 2010 aufgrund abnehmender Zuschüsse vom Bund signalisiert, dass die Förderung für das Gebiet und das Projekt Stadtkanal „deutlich zurückgenommen werden muss“.

Fördervereins-Chef Siegfried Benn ist genervt wegen des Zuwendungs-Stopps und wegen der Aufstellung von drei gusseisernen Geländerpfosten auf sieben „laufenden Metern“ Sandsteinplatten vor der neuen Bibliothek am Platz der Einheit. Mit ihnen sollen laut Stadtsprecher Klier „zunächst der ehemalige Kanalverlauf und damit die Struktur in diesem Stadtraum veranschaulicht werden“. Mit dem Förderverein war das nicht abgesprochen. „Wir haben bisher auf jedem Kanalpfosten einen Spendernamen“, sagt Benn: „Und viele weitere Spender warten auf ihren Pfosten. Jetzt stellt der Sanierungsträger drei namenlose Pfosten auf.“ „No-name- Ware“, kommentiert Benns langjähriger Mitstreiter Henning Krentz. Seit fast 20 Jahren setze er sich für das Projekt der Wiederherstellung des Stadtkanals ein, habe mitgeholfen, dass Hunderttausende Euro dafür gesammelt werden konnten. „Der Stadtkanal wurde zum Schrittmacher für ein weit über die Grenzen unserer Stadt hinausgehendes Bürgerengagement“, schreibt Krentz: „Namen von Mäzenen schmücken über 400 Pfosten, Prominente stehen neben Namen aus der Bürgerschaft. Immerhin zwei Oberbürgermeister sind dabei.“ Hier stünden aber namenlose Pfosten. „Was sollen diejenigen denken, die schon lange auf ihren Pfosten gewartet haben und immer wieder nachfragen?“ Es sei eben nur ein Lippenbekenntnis, wenn man sage, man wolle „die Bürger mitnehmen“, ist Krentz enttäuscht: „Mir blutet einfach nur das Herz.“

Doch es gibt hoffnungsvolle Gespräche mit Investoren. Vereins chef Benn hält es für „technisch möglich“ und „finanziell machbar“, dass der Kanal in Teilen „unterkellert“ wird – für viele Nutzungen von der Kultur über den Einzelhandel bis zum Verkehr. Ein Investor soll nach dem Willen des Vereins einen langfristigen Erbbaurechtsvertrag für die Nutzung des Kanaluntergrundes bekommen, die so lukrativ ist, dass er den Kanal fertig stellt und betreibt.
Von Rainer Schüler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Immobilienstreit beschäftigt Stadt und Land

Erst hat die Stadtverwaltung den Verkauf des Stadtkanalgrundstücks am Ende der Dortustraße durch das Land an einen Privatmann geschehen lassen, jetzt will sie das Areal vom Land zugewiesen haben. Doch der Käufer besteht auf dem Vertrag. abei hätte Potsdam das Grundstück so unglaublich preiswert haben können.

mehr
Mehr aus Potsdam
dfdbc0d4-af48-11e7-b225-97bf4e5da6db
Potsdam – damals und heute

Zeitreise durch Potsdam: Anhand von historischen und aktuellen Aufnahmen zeigt die MAZ, wie sich die Stadt Potsdam verändert hat – und was wieder aufgebaut wurde. Besuchen Sie mit Klick durch die Galerie Potsdams markante Ecken – damals und heute.

Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg