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Stadt beschwichtigt im Kita-Konflikt

Streit um freie Plätze Stadt beschwichtigt im Kita-Konflikt

Das Jugendamt ist zuversichtlich, trotz der angespannten Situation für jedes Kind einen Kita-Platz zu finden – wenn die Träger mitspielen. Doch die heben die Hände und betonen, schon alles getan zu haben.

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Glücklich, wer versorgt ist: Vor allem Krippenplätze sind in Potsdam derzeit begehrt.

Quelle: Foto: DPa

Potsdam. Glaubt man Jugendamtsleiter Reinhold Tölke, hat Potsdam gar kein Problem. Und wenn, dann ein lösbares. Der Kitaplatz-Mangel, von dem viele Eltern berichten und auf den die Stadt zuvor selbst hingewiesen hatte, wäre rein rechnerisch leicht zu managen: 23 Familien ohne Betreuungsplatz, überwiegend im Krippenbereich, haben sich laut Tölke beim Kita-Service der Stadt gemeldet. Auf der anderen Seite stünden 747 Plätze, für die eine Betriebserlaubnis erteilt wurde, die von den Trägern aus den verschiedensten Gründen nicht belegt werden könnten. Aus mehr als 700 theoretisch verfügbaren 23 reale Plätze zu machen, könne nicht so schwer sein, suggeriert Tölke.

„Das Jugendamt hat keine Fehlplanung vorgenommen“, betont auch Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) am Dienstag bei einem kurzfristig einberufenen Pressetermin. Es war die Replik auf das Agieren einer Gruppe von Kita-Trägern, die vergangenen Mittwoch ebenfalls kurzfristig eingeladen hatte – um ihrem Ärger über die Verwaltung Luft zu machen. Diese hatte wie berichtet in einem Schreiben an die Träger davor gewarnt, dass wegen des enormen Bevölkerungszuwachses womöglich nicht für jedes Kind mit Rechtsanspruch fristgemäß ein Kita-Platz zur Verfügung stehe. Dabei gebe es 800 freie Plätze.

Die Meldungen über zu wenig Kita-Plätze hätte nun in den vergangenen Wochen vor allem zu einem geführt: einer Überlastung des Kita-Tipp, dem städtischen Betreuungsplatzservice. „Die Eltern reagieren panisch“, sagt Tölke. Zwischen März und September sei es immer „etwas knirsch“, weil viele Kitas erst zum Sommerende neue Kinder aufnehmen. „In Potsdam steigt die Zahl der Eltern, die pünktlich zum dritten Geburtstag des Kindes einen Platz wollen“, erklärt er. Auch die höchste Frauenerwerbsquote Brandenburgs führe zu der „in letzter Zeit verschärften Situation“.

Mit Puffer geplant

„Das ist eine Herausforderung in der dynamisch wachsenden Stadt“, erklärt Elona Müller-Preinesberger. „Aber wir haben mit Puffer geplant.“ Für das Kita-Jahr 2015/16 haben man bei den Kleinsten schon 150 Plätze über den Bedarf eingepreist, bei den Drei- bis Sechsjährigen 60 Plätze. Bleibe das Problem mit den Plätzen, die von den Trägern nicht belegt würden – etwa weil sie kein Personal finden oder sanieren. In der einzelnen Kita sei es nicht problematisch, wenn zwei Plätze unbesetzt sind – „aber bei 120 Einrichtungen macht das dann schon 240 Plätze“, rechnet sie vor und appelliert an die Träger, alles auszuloten. „Wir sind eine Verantwortungsgemeinschaft“, sagt Müller-Preinesberger und dass sie sich geärgert habe, dass einige Träger nicht vorher mit dem Jugendamt kommuniziert hätten. Dem Vorstoß einiger Träger, das frühere Terrassenrestaurant „Minsk“ zur Kita umzuwandeln, erteilt sie eine klare Absage. Nicht nur aus pädagogischen Gründen lehne sie eine solche Groß-Kita ab. „Das würde uns im Moment überhaupt nichts helfen, jetzt geht es um die Feinabstimmung.“

Wo sie noch freie Plätze herzaubern sollen, wüssten sie aber nicht, sagen die Träger. „Die Kitas sind wirklich voll“, betont Angela Basekow, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Tatsächlich könne auch die Awo 68 Plätze derzeit nicht belegen – weil in zwei Kitas saniert wird. Auf der anderen Seite würden aber Kinder vor dem Stichtag aufgenommen, die dann in der Rechnung der Stadt gar nicht einbezogen sind. Freie Plätze gebe es wenn, dann im Kindergartenbereich, sagt Kerstin Rödiger, Geschäftsleiterin von Fröbel. Gefragt seien derzeit aber Krippenplätze. „Wir habe alle Kapazitäten voll ausgeschöpft“, betont auch Irene Seidel, Geschäftsführerin von Independent Living.

Die Stadt ist trotzdem zuversichtlich, alle Kinder unterzubringen. „Die Kita vor der Haustür kann ich aber nicht in jedem Fall sicherstellen“, so Tölke. Anschauen will sich die Stadt den Düsseldorfer Kita-Navigator. Ein Online-System, über das sich Eltern auf die Warteliste einer Einrichtung setzen lassen können. Womöglich sorge das für mehr Durchblick.

Alle Kitas in freier Trägerschaft

Die Landeshauptstadt Potsdam hat anders als die meisten Kommunen sämtliche Kitas an freie Träger abgegeben. Die organisatorische Oberhoheit liegt aber beim Jugendamt.

120 Kindertagesstätten (Krippen, Kindergärten und Hort) gibt es in Potsdam. Sie werden von 48 Trägern betrieben. Die Vielfalt reicht von großen Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt mit mehr als 2000 Plätzen bis zu kleinen Anbietern wie der Kindergarteninitiative Potsdam e.V. mit 49 Plätzen.

Die Berechnung des Kitaplatz-Bedarfs basiert auf Zahlen des Einwohnermeldeamts und Bevölkerungsprognosen.

20 580 Kinder wurden für das Kita-Jahr 2015/16 angesetzt. Basierend auf der für Potsdam üblichen Betreuungsquote (im Krippenbereich, im Kindergartenbereich 68,5 Prozent) wurden daraus 16 250 benötigte Kita-Plätze errechnet. Dabei wurden laut Stadt auch Kinder aus anderen Gemeinden berücksichtigt, die in Potsdam eine Einrichtung besuchen. Auch die Aufnahme von Flüchtlingskindern sei schon einkalkuliert. Im Haushalt sind für Kitas 70 Millionen Euro eingeplant.

Am 13. April ist ein Treffen mit den Trägern und der Stadt geplant, bei dem auch Wirtschaftsprüfer dabei sein werden. Es geht dabei um die umstrittene neue Finanzierungsrichtlinie der Stadt. Die Stadt will Abschreibungsfristen für Kita-Neubauten verlängern. Der Träger Fröbel will dagegen juristisch vorgehen. Zuvor soll es Einzelgespräche zwischen Stadt und Träger zur Kitaplatz-Situation geben.

Von Marion Kaufmann

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