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Stadt stellt das günstige Kulturticket ein

Verwaltung spricht von geringer Nachfrage und verweist ersatzweise auf das neue Angebot der Kultür Stadt stellt das günstige Kulturticket ein

Die Stadt hat das Kulturticket eingestellt. Das 2006 gestartete Angebot richtete sich an Potsdamer mit geringem Einkommen. In zeitweise rund 20 Kultureinrichtungen hatten sie die Möglichkeit, eine viertel Stunde vor Veranstaltungsbeginn bis dahin nicht verkaufte Eintrittskarten zum Festpreis von drei Euro zu erwerben.

Potsdam. Nachdem in der Anfangszeit mehr als 1800 Kulturtickets pro Jahr abgegeben worden sein sollen ‒ in einer 2008 publizierten Hochrechnung der Stadt ist von "jährlich 1873 Kulturtickets" die Rede ‒ sank die Nachfrage wohl rapide. Nach einer gestern veröffentlichte Antwort der Verwaltung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Andere wurden 2010 nur noch rund 200 ermäßigte Karten abgegeben, 60 davon allein an der Kasse des Hans-Otto-Theaters. Fazit: "Das Kulturticket wurde sehr wenig nachgefragt und so wurde seitens der Verwaltung im Jahr 2012 das Angebot eingestellt."

Ersatzweise verweist die Stadt auf die "fast zeitgleich ... ins Leben gerufene ... Kulturloge Potsdam (heute: ,Kultür Potsdam’)", die mit dem Ziel gegründet worden sei, "Menschen mit geringem Einkommen eine Möglichkeit zu geben, kostenfrei am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt teilzunehmen". Über das von Studentinnen der Fachhochschule initiierte Projekt Kultür, das im April 2013 seine Arbeit aufnahm (MAZ berichtete), stellen nach Angaben der Stadt "bisher 32 Kulturveranstalter und soziale Einrichtungen unterschiedlicher Sparten" nicht verkaufte Eintrittskarten kostenlos zur Verfügung, die durch ehrenamtliche Mitarbeiter der Kultür kurzfristig per Telefon an deren Gäste vermittelt werde. Um auf die Gästeliste der Kultür zu kommen, muss man sich nur einmal unter Vorlage des Einkommensnachweises registrieren lassen. Dabei werde auch gleich Vorlieben wie Musik, Theater oder Kabarett abgefragt. Teilnahmeberechtigt sind Potsdamer mit einem Monatsnettoeinkommen bis zu 900 Euro und Zweipersonenhaushalte mit bis zu 1400 Euro. Nach der jüngsten, vor einer Woche bekannt gegebenen Zwischenbilanz von Kultür wurden seit dem Start vor gut drei Monaten an rund 130 Gäste insgesamt 275 Eintrittskarten vermittelt.

Ergänzt wird die Antwort der Verwaltung auf die kleine Anfrage der Anderen mit der Aufzählung vieler Vorteile von Kultür "auch im Gegensatz zum Kulturticket". Erster Punkt: "Das Angebot ist für die Kulturgäste kostenfrei."Keine Erwähnung findet in der Antwort, dass sich mit dem Hans-Otto-Theater und dem Nikolaisaal gerade die großen städtischen Kulturgesellschaften nicht an Kultür beteiligen. Diese Häuser halten auch in der nächsten Spielzeit an der Praxis des Kulturtickets fest: Eine viertel Stunde vor Veranstaltungsbeginn gibt es bei ihnen alle noch nicht verkauften Eintrittskarten vom Parkett bis zur Loge gegen Vorlage von Sozialpass und Personalausweis zum Einheitspreis von drei Euro.

Von Volker Oelschläger

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