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Stadt- und Landesbibliothek seit 25 Jahren vereint

Kultur in Potsdam Stadt- und Landesbibliothek seit 25 Jahren vereint

Vor 25 Jahren unterzeichneten der damalige Kulturminister Hinrich Enderlein und der Oberbürgermeister Horst Gramlich einen Vertrag zur Gründung der Stadt- und Landesbibliothek (SLB) Potsdam. Dass Nutzer den Bestand einer Landes- und einer kommunalen Bibliothek unter einem Dach finden, ist keine Selbstverständlichkeit sondern ein Grund zum Feiern.

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Ein Wohlfühlort für 371000 Besucher im Jahr: die Stadt- und Landesbibliothek.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Der damalige Oberbürgermeister Horst Gramlich konnte die Aufkleber an dem Gebäude schon nicht mehr sehen: „Rettet die Bibliothek“ stand noch 1992 an den Fenstern des früheren Instituts für Lehrerbildung. So erinnert sich noch heute der damalige brandenburgische Kulturminister Hinrich Enderlein (FDP). Schließlich unterzeichneten Gramlich und Enderlein am 11. November nach harten Kämpfen zwischen der die Ausgaben scheuenden Stadt und dem auf Verbindung drängenden Land doch einen Vertrag, der die ehemalige Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek und letzte Bestände der früheren Potsdamer Stadtbibliothek zur Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek (SLB) zusammenführte – und damit den Wunsch der damals noch 164 Mitarbeiter erfüllte.

Termine zur Geburtstagsfeier

10. November ab 18 Uhr: Offizielle Jubiläumsfeier im Bildungsforum Am Kanal 47 mit Diskussionsrunde unter anderem mit OB Jann Jakobs und Direktorin Marion Mattekat.

11. November: Programm ab 10.30 Uhr, unter anderem mit „Schatzsuche“ im Magazin, dem Samstagsvorleser und einer Buchvorstellung.

Enderlein ist heute alles andere als unglücklich über diese Vereinigung. „In Brandenburg ist das völlig normal, in der Bundesrepublik ist die Bibliothek eher ein Exot“, sagt er anlässlich des Jubiläums der Stadt- und Landesbibliothek, das dieses Wochenende im Herzen der City gefeiert wird. 25 Jahre nach ihrer Gründung sucht die Vereinigung einer Landes- mit einer kommunalen Bibliothek in Deutschland noch ihresgleichen. Die an wissenschaftliche Magazinbestände und kostbare Brandenburgica gewöhnten Nutzer wissen gar nicht, dass sie mit diesem Sortiment ein Privileg genießen. In anderen Bundesländern müssen Nutzer das Haus wechseln, wenn sie alle Publikationen aus ihrem Bundesland suchen. In Potsdam finden sich populäre Belletristik, moderne E-Books, DVDs und eben die in Brandenburg selbst erschienene Literatur sowie die historischen Brandenburgica unter einem Dach. Enderlein selbst weiß das zu schätzen, wenn er etwa für einen Vortrag über den Kulturbund der DDR recherchieren muss.

Populäres und Wissenschaftliches unter einem Dach

„Wie ein Fels in der Brandung“, stehe die Bibliothek heute da, sagt deren erste Direktorin Gabriele Fischer. Mit gut 252000 Titeln im Freihandbereich des Haupthauses und der Zweigbibliotheken, einem Magazinbestand von über 327000 Titeln, darunter etwa 100000 Bände Brandenburgica, kann sich die Bibliothek sehen lassen. Das sei 1992 keineswegs zu ahnen gewesen, sagt Fischer. Was wird aus den 70000 Büchern der Allgemeinbibliothek? Was wird aus dem Gebäude, was aus den Mitarbeitern? „Das waren Fragen, die uns schlaflose Nächte bereiteten“, erinnert sich Fischer. Es seien „kluge und verständnisvolle Leute“ gewesen, die die heute so erfolgreiche Konstruktion ermöglichten. Und die Solidarität der Mitarbeiter. Die machten es zum Beispiel durch den Tausch von Arbeitsstunden möglich, dass keiner von den 164 Leuten entlassen werden musste. Zurückgefahren wurden allmählich die Stellen durch Verrentung. Heute beschäftigt die Rieseneinrichtung nur noch 45 Leute.

Sparen sei bis in die 2000er ein Dauerthema gewesen, weiß Fischer. „Die Bibliothek hat immer unter Finanznot gelitten. Wir hatten über Jahre hinweg kein Geld um neue Bücher zu kaufen.“ Das ging so weit, dass Potsdamer Gymnasiasten mit einem „Ausleihmarathon“ 1997 die Bibliothek leer liehen, um diesen Notstand deutlich zu machen. Letztlich wirksam wurde der Protest aber erst 2003 mit der Einführung des Sponsoringprojektes „Bildungsaktionäre gesucht“ für die Verbesserung des Sachbuchbestandes. 2007 wurde die schrittweise Verdoppelung des Medienetats von 141000 Euro auf 320000 Euro im Jahr beschlossen. Entlastung des Etats bot ab 2008 auch die Selbstverbuchung und die automatisierte Rückgabe. Heute kann die Bibliothek 360000 Euro für neue Medien ausheben. Nur haben sich die Finanzlasten etwas verschoben. Beglich das Land früher ein Drittel des Gesamtetats, steuert es heute 578000 Euro für die Landesbibliothek bei. Die Stadt schultert dagegen 2,8 Millionen Euro im Jahr für den Betrieb der SLB.

„Wir schauen in eine gute Zukunft“, sagt Marion Matekat, die das Haus seit 2001 leitet. Die Vollsanierung und der Einzug der Volkshochschule und der Wissenschaftsetage ins neue Bildungsforum Am Kanal 47 läutete eine neue Epoche der Stadt- und Landesbibliothek ein. Die Eröffnung des von Reiner Becker entworfenen Neubaus mit der charakteristischen Bücherregal-Front rechnet sie neben dem Gründungsvertrag zum „zweiten Highlight“ der 25-jährigen Geschichte. „Ein richtiger Wohlfühlort“ sei das weiße Gebäude in der Stadtmitte, das die Nutzerzahlen zu seiner Eröffnung gleich steigerte.

Mehr als 1,2 Millionen Ausleihen im Jahr

„Lesen bleibt auf alle Fälle wichtig“, sagt Mattekat, auch wenn sich das Lese- und Ausleihverhalten dank E-Books, Hörbücher oder DVD’s verändert habe. Gut 1,2 Million Entleihungen verzeichnet die Bibliothek im Jahr. Immer noch verzeichneten Kinder- und Jugendbücher bei der Ausleihe wachsende Zahlen. „Das zeichnet sich auch für dieses Jahr wieder ab“, sagt Mattekat. Bei Erwachsenen seien neben der Belletristik Sachbücher besonders zu Gesundheit oder Reisen angesagt,

Vergangenes Jahr hatten 18500 Potsdamer einen Bibliotheksausweis. Die Zahl der Nutzer ist damit weitaus größer, weil ganze Familien einen Ausweis nutzen. Besucher zählte das Bildungsforum mit seinen zahlreichen Lesungen, Ausstellungen und wissenschaftlichen Vorträgen auf allen Etagen 371000n 371000n 371000. Die Stadt- und Landesbibliothek gehört damit zu den wichtigsten Kultureinrichtungen der Landeshauptstadt. Stolz vergleicht man sich bei der Leitung gar mit der Public Library in New York, die auch eine Vereinigung einer öffentlichen mit einer wissenschaftlichen Einrichtung sei. Der für den ziemlich einmaligen Zusammenschluss einer kommunalen und einer Landesbibliothek verantwortliche Enderlein sagt jedenfalls in der Rückschau: „Ich würde es heute genauso wieder machen.“

 

 

Von Rüdiger Braun

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