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Stadt will das Grundstück nicht zurück

Stillstand beim Potsdamer Bürgerbahnhof Stadt will das Grundstück nicht zurück

Die Stadt Potsdam will die Baustelle mit dem historischen Bürgerbahnhof nicht von Josef Laggner zurück haben, der in dem denkmalgeschützten Gebäude nahe dem Schlosspark Sanssouci ein Restaurant eröffnen will. Laut Kaufvertrag hätte sie bereits vor Jahren ein Rückfallrecht geltend machen können. Die Eröffnung des Lokals ist immer wieder verschoben worden.

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Das Gebäude des Bürgerbahnhofs ist bereits teilweise eingerichtet, der Biergarten eine wüste Fläche.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Stadt wird trotz erheblichen Verzugs auf der Sanierungsbaustelle des historischen Bürgerbahnhofs keinen Gebrauch von ihrem Rückfallrecht machen. Das hat Rathausprecher Jan Brunzlow auf MAZ-Anfrage mitgeteilt. Das 1869 errichtete Gebäude ist von der Stadt 2010 an den Berliner Gastronom Josef Laggner veräußert worden, der dort ein Restaurant mit Biergarten etablieren wollte.

Historische Aufnahme vom Bürgerbahnhof

Historische Aufnahme vom Bürgerbahnhof.

Quelle: MAZ

Mit dem Verkauf war bekannt geworden, dass dem Unternehmer im Vertrag drei Jahre für die Sanierung des Gebäudes eingeräumt würden. Sollte er diese Frist nicht einhalten, könne das Grundstück an die Stadt zurück fallen.

Seither wurden vom Investor und der Stadt diverse Eröffnungstermine genannt und auch wieder kassiert. Der jüngste Termin ist vom Rathaus Ende März in der Antwort auf eine kleine Anfrage von Birgit Müller (Linke) bekannt gegeben worden. „Der Käufer hat nach wie vor großes Interesse an der Umsetzung des Sanierungsvorhabens und der nachfolgenden Inbetriebnahme/Eröffnung des Standortes und plant diese im Sommer dieses Jahres“, hieß es.

Müller hatte auch gefragt, wann mit einer Wiederaufnahme der nach ihren Angaben „seit mehreren Jahren“ ruhenden Bautätigkeit zu rechnen sei. Darauf teilte die Stadt „nach Rücksprache mit dem Generalbevollmächtigten des Eigentümers“ mit, dass die Baumaßnahmen „derzeit witterungsbedingt ruhen“: „Soweit möglich, sollen diese im März fortgesetzt werden.“

Livemusik mit Kitchen Grooves 2013 zum Tag des offenen Denkmals

Livemusik mit Kitchen Grooves 2013 zum Tag des offenen Denkmals

Quelle: Bernd Gartenschläger

Der März ist lange vorbei und noch immer herrscht Ruhe auf dem Gelände. Der Bauzaun ist an mehreren Stellen geöffnet, ein Bauschild gibt es nicht. Das Küchenmobiliar mit Herden und Spülen ist bereits platziert, doch in den Gasträumen fehlt noch die Beschichtung der Fußböden. Metalltüren liegen auf dem Boden vor dem Sanitärgebäude, das ebenfalls noch nicht komplett ausgestattet ist. Eine Preistafel auf dem Hof erinnert an die Biergartensaison 2012. Im September 2013 war der Bürgerbahnhof noch einmal zum Tag des offenen Denkmals geöffnet. Es gab Bier, Kaffee und Livemusik mit Kitchen Grooves.

Josef Laggner, der in Berlin mit Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt als Herzstück ein Gastro-Imperium aufbaute, ist in Potsdam seit der Übernahme des Kronguts Bornstedt 2008 aktiv. Mit dem Augustiner in der Mittelstraße 18 betreibt er aktuell noch ein weiteres Lokal in der Stadt. Nicht nur der Bürgerbahnhof, sondern auch die wirtschaftlich komplizierte Situation des Kronguts sorgte zeitweise für Gesprächsstoff. 2015 hatte Laggner das Preußen-Disneyland am Bornstedter See in der FAZ zum Verkauf angeboten.

Am Montag gestellte MAZ-Anfragen zum Bürgerbahnhof ließ Laggners Marketing-Abteilung bis Mittwoch unbeantwortet. Laut Rathaussprecher Brunzlow ist die Baugenehmigung für den Bürgerbahnhof noch bis zum 26. Mai 2017 gültig. Ein weiteres Jahr bleibe dem Investor zur Fertigstellung. Der Bauherr habe „glaubhaft versichern“ können, „dass die Arbeiten fortgesetzt werden“, sagt Brunzlow: Ziel sei „ein saniertes Gebäude mit einer funktionierenden Nutzung“.

Bahnchef Mehdorn wollte den Bürgerbahnhof abreißen lassen

Der Bürgerbahnhof gilt als einziges erhaltenes Bahnhofsgebäude aus der frühen Zeit der preußischen Eisenbahnen in Potsdam. Das 1869 errichtete Fachwerkhaus war ursprünglich als Empfangsgebäude für den gegenüberliegenden Kaiserbahnhof gedacht. Das Grundstück ist nur wenige 100 Meter vom Neuen Palais entfernt.

Der Deutschen Bahn AG war das verfallende Gebäude lästig. Der damalige Vorstandschef Hartmut Mehdorn forderte 2004 mit Blick auf die bevorstehende Sanierung des Kaiserbahnhofs in einem Brief an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) den Abriss des historischen Baus.

2006 übernahm die Stadt das 6000 Quadratmeter große Grundstück für einen symbolischen Euro von der Bahn. 2010 wurde der Bürgerbahnhof an den Berliner Großgastronom Josef Laggner verkauft. Er wollte nach damaligen Angaben auf 1500 Quadratmetern ein Restaurant mit 80 Plätzen und einen Biergarten mit bis zu 400 Plätzen sowie ein Souveniergeschäft eröffnen.

Der Zustand des historischen Gebäudes war bei Beginn der Sanierung offenbar wesentlich schlechter als angenommen. Anfang 2012 wurde bekannt, dass der Investor ein Drittel des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes abreißen ließ. Grund war nach Mitteilung der Stadt die Schädigung des Fachwerks durch Feuchtigkeit, Insekten und Pilze. Mittlerweile hat Laggner nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Euro in den Bürgerbahnhof investiert.

Von Volker Oelschläger

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