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Potsdam Stadtwerkefest: Die Abenteuer eines Sanitäters
Lokales Potsdam Stadtwerkefest: Die Abenteuer eines Sanitäters
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08:43 03.07.2017
Toni Gärtner (links) und Einsatzleiter Lee Jerome Schumann. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Es ist fünf Minuten nach 19 Uhr. Auf der großen Bühne des Stadtwerkefestes im Neuen Lustgarten spielen gerade Juli. Toni Gärtner und seine Kolleginnen und Kollegen vom DRK bekommen davon nicht viel mit. Was für sie gerade zählt, sind die beiden Stichworte, die vor wenigen Sekunden über Funk reinkamen: C2 und U18. „Ein Minderjähriger mit Alkoholvergiftung“, übersetzt der 26-jährige Sanitätshelfer. Verwundert sind er und die 24 anderen Ehrenamtlichen DRK-Mitglieder darüber nicht. „Regenwetter ist Trinkwetter“, sagt er. Der bewusstlose Jugendliche, der am Alten Markt erst eine halbe Flasche Wodka und dann dieselbe Menge Tequila getrunken haben soll, sei sogar recht spät dran. „Bei anderen Volksfesten kommen die ersten Alkoholvergiftungen schon eine Stunde nach Veranstaltungsbeginn rein“, erzählt Gärtner.

Minderjähriger mit Alkoholvergiftung

„Rein“, das ist eines der drei Zelte, die die Sanitäter am Wochenende rechts hinter der Bühne auf dem eingezäunten Basketballfeld aufgebaut haben: eines als Aufenthaltsort und zwei zur Behandlung. Der Minderjährige kommt wenige Minuten nach dem Funkspruch in das „rote“ Zelt, das von außen grau ist. „Hier werden diejenigen behandelt, die einen schlechten Allgemeinzustand haben“, erklärt Toni Gärtner. Viele von ihnen werden nach der Erstversorgung durch die ehrenamtlichen Sanitäter des DRK in ein Krankenhaus gebracht.

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Die Potsdamer haben sich die gute Laune vom Regen nicht vermiesen lassen. Sie beklatschten am Samstag Newcomer wie John Apart und Namika und sangen bei den Hits von Juli, Silly und Andreas Bourani lautstark mit.

Alkohol sorgt für die meisten Fälle

Vor der minderjährigen Alkoholvergiftung haben die 25 Ehrenamtlichen und eine hauptberufliche Notärztin am Samstagnachmittag bereits vier andere Fälle im roten Zelt behandelt, darunter eine Frau mit Verdacht auf einen gebrochenen Arm und ein psychisch labiler Mann. Mit der relativ hohen Einsatzzahl hätte Toni Gärtner nicht gerechnet, vor allem weil sich wegen des schlechten Wetters weniger Besucher auf dem Gelände befanden. „Dass immer irgendetwas passiert, ist aber klar“, sagt er. Bei Regenwetter häufen sich Vorfälle aufgrund des hohen Alkoholkonsums. „Das müssen nicht nur Vergiftungen sein“, sagt er, „auch Stürze und Schlägereien kommen dann häufiger vor.“ Bei Hitze sei das anders. Mit dem Hochprozentigen halten sich viele Besucher dann ein wenig zurück. „Wenn es heiß ist, haben wir allerdings mehr mit Kreislaufbeschwerden zu tun.“ Vor zwei Jahren beim Stadtwerkefest mit Temperaturen von 35 Grad war es besonders schlimm.

Auf einmal geht es ganz schnell auf dem Basketballfeld hinter der Bühne, auf der noch immer Juli spielen. Der Minderjährige wird hereingebracht. Er kommt in stabiler Seitenlage auf einer mobilen Trage ins rote Zelt. Zwei Krankentransportwagen mit je zwei Kollegen hat das DRK beim Stadtwerkefest im Einsatz. Blitzschnell stehen sechs Sanitäter um den Minderjährigen herum. Sie stellen sicher, dass er nicht an seinem Erbrochenen erstickt und unterstützten die Notärztin. „Die schwersten Fälle werden stets von den am besten ausgebildeten Kollegen betreut“, erklärt Toni Gärtner. Fast alle Kollegen, die um die Trage herum stehen, haben einen höheren Ausbildungsgrad als er. Drei Rettungssanitäter und zwei Rettungsassistenten sind neben den vielen Sanitätshelfern am Samstag dabei.

Insektenstiche, geschwollene Knöchel, Schürfwunden

„Das sich sieben Leute um eine Person kümmern, zeigt auch, dass wir noch lange nicht an unseren Grenzen sind“, sagt Toni Gärtner, während neben ihm ein Mann auf der zweiten Trage im roten Zelt liegt. Das grüne Zelt nebenan, in dem die leichteren Fälle behandelt werden, ist am Sonnabend fast durchgehend leer. Insektenstiche, angeschwollene Knöchel und kleine Schürfwunden oder Schnitte werden dort behandelt. „Jedes Pflaster, das wir verteilen und selbst wenn wir einem Patienten nur mit Worten helfen, zählt als Einsatz“, erklärt Toni Gärtner. Was nicht dazu zählt, sind die Unmengen an Fragen, die er während der Streifengänge über das Gelände beantworten muss. Am häufigsten: Jungs, wo sind denn die Toiletten? „Wir sind für viele ein laufender Info-Point“, sagt der 26-Jährige, der im normalen Leben Masterstudent an der Uni in Potsdam ist. Ob ihn das stört? „Nein, das gehört dazu. Man gewöhnt sich schnell daran“, sagt er.

Stadtwerkefest beliebt bei allen Freiwilligen

„Das ist die perfekte Welle“, ertönt es plötzlich nicht nur von der Bühne her. Auch die sieben Helfer rund um den Minderjährigen mit Alkoholvergiftung singen den Juli-Gassenhauer aus voller Kehle mit, während sie auf den Krankenwagen warten, der den 17-Jährigen abholen soll. Die Laune lassen sich die ehrenamtlichen Sanitäter nicht vermiesen. Das Stadtwerkefest sei sogar besonders beliebt bei allen Freiwilligen in der auffällig roten Einsatzkleidung. „Wegen der tollen Stimmung bei Veranstaltungen wie dieser hier“, erklärt Gärtner. Während man auf den Streifendiensten über das Gelände geht und die Augen nach hilfebedürftigen Personen offen hält, könne man auch die Ohren spitzen und bekommt so eine Menge von Andreas Bourani, Silly oder Juli mit. „Die Gemeinschaft untereinander und die Stimmung hier“, antwortet Toni Gärtner auf die Frage, was er persönlich von seinem freiwilligen Engagement und den unzähligen Einsätzen an Wochenenden als Sanitäter beim DRK in Potsdam hat, „ja, man bekommt auf jeden Fall auch etwas zurück.“

Von Victoria Barnack

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