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Potsdam Stadtwerkeskandal in Potsdam zieht Kreise
Lokales Potsdam Stadtwerkeskandal in Potsdam zieht Kreise
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07:50 07.06.2016
Bei den Potsdamer Stadtwerken hängt der Haussegen schief. Quelle: Michael Hübner
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Potsdam

„Die aktuellen Entscheidungen in den Stadtwerken lassen uns als Kommunalpolitiker mit vielen Fragen zurück”, sagte am Montag der Grünen-Fraktionsvorsitzende Peter Schüler. Er bezieht sich dabei auf Medienberichte, wonach Neumann zweifaches Geschäftsführergehalt bezogen haben soll: bei der Stadtentsorgung Potsdam (Step) und bei der Energie- und Wasser (EWP). Das weist Peter Paffhausen, damals sein Vorgesetzter, gegenüber der MAZ vehement zurück. Die Step habe das Gehalt für Neumann an die Stadtwerke-Holding SWP überwiesen, die ihn entsandt hatte. Neumann bekam demnach nur sein Gehalt bei der EWP – „zuzüglich einer Aufwandsentschädigung für SWP und Step und einer erfolgsabhängigen Gratifikation“, sagte Paffhausen.

Gehen müssen Neumann und Munder, weil sie bei der Step das Gehalt der Mitarbeiterin Petra V. innerhalb weniger Jahre vervielfacht haben. Von knapp 50 000 Euro Jahresgehalt im Jahr 2003 auf nahezu das Dreifache im Jahr 2014. Unklar ist, wer die treibende Kraft war. Eine Lesart besagt, dass Neumann die exorbitanten Gehaltssprünge eingefädelt hat und Munder nur Erfüllungsgehilfe war. Allerdings hat diese Sichtweise einen Haken: Munder konnte zumindest zeitlich schon früher daran beteiligt gewesen sein. Seine Geschäftsführertätigkeit bei der Step begann bereits 2004, also fünf Jahre, bevor Neumann ihm in einer Doppelspitze zur Seite gestellt wurde.

Beide Geschäftsführer wurden nicht entlastet

Die EWP- und Step-Aufsichtsratsvorsitzende Elona Müller-Preinesberger (parteilos) weist die Kritik der Grünen an einer Ungleichbehandlung von Neumann und Munder vehement zurück: „Beide Geschäftsführer wurden für ihre Tätigkeit bei der Step für das Geschäftsjahr 2015 nicht entlastet. In Auswertung der Zwischenberichte waren sich Unternehmen, Aufsichtsratsvorsitzende und Gesellschafter einig, dass das Vertrauen so erschüttert ist, dass es keine Fortsetzung der Geschäftsführertätigkeit der beiden Angestellten geben kann.“ Bis zum Auslaufen seines jetzigen Vertrages Ende September 2017 erhält Neumann weiterhin sein volles Gehalt, das jährlich rund 200 000 Euro betragen soll. Munder, der einen unbefristeten Vertrag hatte, wurde dem Vernehmen nach mit einer Frist von zwölf Monaten gekündigt.

Stadtwerkechef Böhme gerät in die Kritik

Die Schockwellen der Krise erreichen inzwischen auch Stadtwerke-Geschäftsführer Wilfried Böhme, dessen Vertrag bei der EWP am Freitag bis 2019 verlängert wurde. Nach MAZ-Informationen sollen alle drei Kinder Böhmes – zwei Söhne und eine Tochter – im Stadtwerkeverbund beschäftigt sein. Böhmes Tochter soll in der Buchhaltung arbeiten. Einer der Söhne sei im Bereich „Neue Geschäftsfelder“ der EWP im Bereich Contracting (Vertragswesen) beschäftigt. Der zweite Sohn ist im Tochter-Unternehmen Bäderlandschaft tätig. Auch ein angeblicher Werkvertrag zwischen der EWP und einer Bauschlosserei ist im Gerede. Der sehr gut dotierte Vertrag lief dem Vernehmen nach von 2011 bis Mitte 2015. Pikant: Böhmes Schwager soll der Firmeninhaber sein.

Von Seiten der Stadtwerke wollte man sich am Montag auf Nachfrage unter Verweis auf Daten- und Persönlichkeitsschutz nicht zu den Details äußern. Laut Pressesprecher Stefan Klotz liefern die Geschäftsführungen allerdings jährlich einen „Bericht zu nahestehenden Personen“ an die Wirtschaftsprüfer des Unternehmens. „Beanstandungen gab es nicht“, so Klotz.

Von Jens Trommer und Ildiko Röd

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