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Statt Gratiswerbung " Kulturrabatt"

Freie Träger können sich in Potsdam kaum Plakate leisten Statt Gratiswerbung " Kulturrabatt"

Gähnende Leere herrscht, wo man früher einen Überblick über das bunte Angebot von freien Kulturträgern bekam: auf den sogenannten Kulturstelen. Dort durften Vereine kostenlos ihre Veranstaltungsplakate anbringen. Jetzt lässt Potsdam Werbeflächen von einem Unternehmen bewirtschaften.

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Eine der Kulturstelen in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg.

Quelle: Carola Hein

Potsdam. Momentan dienen die meisten Stelen offenbar nur einem Zweck - als Eigenwerbung der Outfit-GmbH. Das Potsdamer Unternehmen ist seit April für die Bewirtschaftung der sechs im Stadtgebiet verteilten Standorte zuständig. Mitarbeiter bekleben und pflegen die Flächen für Außenwerbung fachgerecht und ‒ kostenpflichtig. Das Echo ist geteilt. "Frei werben zu können, war eine Errungenschaft für uns", macht Jens-Uwe Sprengel vom T-Werk in der Schiffbauergasse, wo sich Theatervereine zusammengeschlossen haben, seinem Ärger Luft. "Ich bin schockiert, dass wir einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Es gab kein Gespräch, keine Info", kritisiert er.

Die Verwaltung hatte die Bewirtschaftung dieser Stadtmöbel genannten Werbeflächen ‒ dazu gehören ferner zirka 160 Litfasssäulen, 50 Citylight-Poster-Vitrinen und diverse zu beklebende Plakatwände ‒ ausgeschrieben und dem Außerwerber Outfit den Zuschlag erteilt. "Vorher hatte jeweils ein Träger den Hut auf, aber in der Praxis funktionierte es nicht gut, es wurde überklebt, es gab Vandalismus. Jetzt ist alles in einer Hand und wird professionell gemacht", sagt Stadtsprecherin Christine Weber. Dieser Service hat seinen Preis, es gibt aber einen Kulturrabatt von 50 Prozent. "Wer mit einem Veranstaltungsplakat in der Größe DIN A 1 für elf Tage an sechs Stelen werben will, bezahlt 56Euro", so Weber. Die freien Träger seien Anfang April vom Kulturamt über die neuen Modalitäten informiert worden.

Das kann man im Volkspark, der an der Kulturstele am Nauener Tor wirbt, nicht bestätigen. Wie Sebastian Scholze, Sprecher des kommunalen Unternehmensverbundes Pro Potsdam, gestern sagte, gibt es lediglich den alten Vertrag für die Gratiswerbung. "Wir würden die Stelen gerne weiter nutzen, falls Kosten anfallen, bleibt es städtisches Geld." T-Werk-Chef Sprengel muss hingegen passen: "Bei nur 20 Dekaden wären das mehr als 1000 Euro, die haben wir nicht." Laurent Dubost von der Fabrik findet es gut, dass nun der Service stimmt, denn die Pflege der Anlagen, die wie aufgeklappte Bücher an der Stange aussehen, sei das A und O: "Das ist wichtig, sonst sind die Werbeflächen unattraktiv." Das waren sie zuletzt. Laut Ilka Neugebauer, Geschäftsführerin des Kabaretts Obelisk, lag es vor allem daran, dass überklebt und nicht gereinigt wurde und mancher Nutzer sich nicht an die Absprachen hielt. "Wir waren für die Stele am Kirchsteigfeld verantwortlich. Letztes Jahr ging es besonders wild zu. Von den Neuerungen haben wir aus der Zeitung erfahren. Wir werden die Stelen nicht mehr nutzen", so Neugebauer. Katarzyna Zorn vom Brandenburgischen Literaturbüro, das Mitte Juni seinen 20. Geburtstag feiert, könnte sich indes nun vorstellen, die Stelen für Werbung zu nutzen: "Früher war das ein komplizierter Verwaltungsakt überhaupt herauszufinden, wo wir plakatieren dürfen und wo nicht. Gut, dass das geklärt ist. Auch den Service finde ich wichtig. Jetzt kann jeder entscheiden, ob er dafür Geld ausgeben möchte."

Von Carola Hein

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