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Potsdam Staudenhof-Abriss: Linke nicht abgeneigt
Lokales Potsdam Staudenhof-Abriss: Linke nicht abgeneigt
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18:06 15.02.2019
Anfang der 1970er Jahre wurde der Staudenhof-Block (l.) errichtet. Am Ende des Jahrzehnts entstand die namensgebende Grünfläche. Die Linke will den Begriff „Staudenhof“ als Straßennamen erhalten. Quelle: Varvara Smirnova
Innenstadt

Der Staudenhof-Wohnblock an der Nikolaikirche soll abgerissen werden, da eine Sanierung deutlich teurer als ein Neubau wäre. Die städtische Pro Potsdam hat entsprechende Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit einer Sanierung des Plattenbaus im nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschusses vorgestellt. Wie die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ am Freitag berichteten, würde eine Grundsanierung rund 18 Millionen Euro kosten. Da die 180 Wohnungen des Staudenhofs mit zumeist nur etwa 30 Quadratmetern sehr klein sind, würden die anschließenden Nettokaltmieten bei mindestens zwölf Euro pro Quadratmeter liegen. Ein Abriss ist frühestens nach 2022 möglich – bis dahin genießt der Bau Bestandsschutz.

„Eine Entscheidung über den Abriss ist noch nicht getroffen“, betonte Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke am Freitag auf Anfrage der MAZ. Er habe den Stadtverordneten lediglich verschiedene Varianten vorgestellt, wie das Haus saniert oder das Gelände neubebaut werden könnte. „Von den insgesamt zehn Szenarien haben sich nur zwei als wirtschaftlich erwiesen. Keines davon ist die Sanierung, auch nicht mit Fördermitteln“, so Nicke. Das Problem des Baus ist sein Grundriss und die Kleinteiligkeit der Wohnungen. Weil über 50 Prozent des Staudenhofs aus Fluren und anderen Flächen außerhalb der Wohnungen besteht, müssten viele Sanierungskosten auf die Mieten umgelegt werden. Viele Badezimmer und Küchen in kleinen Wohnungen und ein zweites Treppenhaus als Fluchtweg würden die Sanierungskosten laut Nicke ebenfalls in die Höhe treiben.

Die Pro Potsdam hat als wirtschaftlichste Variante eine dichte Neubebauung vorgeschlagen. Dieser Maximalvariante kostet laut Nicke etwa 39,5 Millionen Euro. Dabei würde die Fläche für Wohnungen und Gewerbe deutlich ansteigen. Wenn man 58 Quadratmeter Wohnfläche, den Durchschnitt aller Wohnungen der Pro Potsdam, zugrunde legt, würden rund 140 Wohnungen auf etwa 8200 Quadratmeter entstehen. Dazu würde im Erdgeschoss des neuen Blocks mit 3800 Quadratmetern fast das Doppelte der heutigen Gewerbefläche zur Verfügung stehen. Zur Nikolaikirche hin ist im Leitbautenkonzept der Stadt die Rekonstruktion einer historischen Fassade vorgesehen – des Palazzo Giulio Capra. Die Planung der Pro Potsdam sieht vor, dass das gesamte Areal in kommunaler Hand entwickelt werden soll. Nicke bestätigte, dass auch der Leitbau durch die Pro Potsdam realisiert werden könne.

Eine zweite Variante der Pro Potsdam orientiert sich streng an den historischen Gebäudehöhen, die fast durchgängig aus drei Geschossen bestand. Hier würde für etwa 31 Millionen Euro etwa 3000 Quadratmeter weniger Wohnraum als in der Maximalvariante entstehen. „Das wäre auch mit Fördermitteln nicht wirtschaftlich“, sagt Nicke. Eine Entscheidung müsse spätestens Ende 2021 getroffen werden, allerdings sei für die Anmeldung von Fördermitteln beim Land ein früherer Beschluss sinnvoll. Allein für den Abriss plane man mit einem Zuschuss von 1,6 Millionen Euro aus der Städtebauförderung des Landes.

Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Pro Potsdam geht auf einen Linken-Antrag aus dem Jahr 2016 zurück, der darauf fokussierte, wie hoch die Mieten nach einer Sanierung oder bei Neubebauung sein würden. 75 Prozent der neuentstehenden Wohnungen könnten als Sozialwohnungen für 5,50 oder 7 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Der Rest würde frei vermietet. Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg reagierte positiv auf diese Kalkulation: „Der Neubau städtischer Wohnungen mit einem hohen Anteil an Sozialwohnungen – das ist das beste, was man dort machen kann. Ich halte diese Alternative für sehr diskutabel“, sagte er der MAZ.

Er sprach sich zugleich für die Neubenennung der ehemaligen Kaiserstraße in „Staudenhof“ um: „Wir wollen das als Änderungsantrag in die nächste Stadtverordnetenversammlung einbringen“, so Scharfenberg Wie berichtet, hatte der Kulturausschuss am Donnerstagabend dafür votiert, die als direkte Verbindung vom Platz der Einheit zur Nikolaikirche in Nikolaistraße umzubenennen. Die Staudenhof-Figuren sollen in das Ensemble der rekonstruierten Innenstadt integriert werden. Das hat der Kulturausschuss am Donnerstagabend auf Antrag der Linken beschlossen. Die Skulpturen könnten am Neubau im Staudenhof-Karree platziert werden. „Im Kern könnte man damit einen Bogen schlagen, der die vielschichtige Geschichte dieses innerstädtischen Ortes widerspiegelt“, so der Linkenchef.

2012 beschlossen die Stadtverordneten, dass der Sanierungsträger Potsdam die Vorkehrungen für einen möglichen Abriss nach 2022 treffen soll. Seitdem wurden nur noch befristete Mietverträge abgeschlossen. „Das Haus ist derzeit voll“, sagt Nicke. Er geht davon aus, dass die Zahl unbefristeter Mietverträge in den kommenden Jahren sinkt. Für alle Staudenhof-Bewohner werde die Pro-Potsdam Ersatz schaffen. „Wir haben viele eigene, kleine Wohnungen am Kanal und bauen auch im Block IV rund um das Bildungsforum 55 Sozialwohnungen“, so Nicke. Er versprach, dass die Mieter nun zeitnah direkt über den Sachstand informiert werden.

Von Peter Degener und Volker Oelschläger

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