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Potsdam Stein des Anstoßes in Potsdam
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02:15 10.03.2017
Mehmet Aksoys 1989 geschaffenes Denkmal für den unbekannten Deserteur steht auf dem Platz der Einheit. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

An der Südseite des Platzes der Einheit ragt seit 15 Jahren das überlebensgroße, auf den ersten Blick abstrakte, zwölf Tonnen schwere Denkmal für den unbekannten Deserteur, des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy aus seinem Schotterbett. Die Skulptur aus weißem Carrara-Marmor, die einst für heftigste Verbalattacken und Wutausbrüche sorgte, scheint inzwischen in Potsdam regelrecht heimisch geworden zu sein.

Kein Denkmal in Potsdam hat eine ähnliche Strahlkraft. Oft liegen Kränze oder Blumen am Sockel und bezeugen das Ende einer der vielen Kundgebungen oder Demonstrationen die hier ihren Anfang nehmen oder ihren Abschluss finden. Das ist umso erstaunlicher, als sich in Sichtweite bereits ein aus DDR-Zeiten stammender, vor Pathos triefender Ehrenhain nebst Klagemauer für die Opfer von Faschismus und Krieg befindet, der für das staatlich organisierte Gedenken genutzt wird.

Aksoys Denkmal kommt ohne Parolen aus und ist deshalb nicht nur Heimat und Zuflucht für Kriegsgegner, sondern auch für Menschen die sich um Gerechtigkeit sorgen und deren Friedenssehnsucht umfassender ist. An seinem Denkmal treffen sich Arbeitslose, Christen, Ostermarschierer, Staatsverdrossene. Hier umarmen sich zornige Rentner mit kämpferischen jugendlichen Fundamentalprotestlern und singen gemeinsam zur Klampfe.

Dies alles aber ist nur deshalb möglich, weil Aksoy die körperliche Anwesenheit des Deserteurs aus dem Stein heraus meißelte. Diese Lehrstelle füllen nun die Sehnsüchte der einen aber auch der Zorn manch anderer.

Blinder Hass begleitete die Entstehungsgeschichte

Mehr als nur Zorn, sondern mitunter sogar blinder Hass, begleitete die Entstehungsgeschichte dieses Denkmals bereits, als es noch in Bonn stand. Am 1.September 1989 wollte das Bonner Friedensplenum auf dem Friedensplatz der damaligen Bundeshauptstadt ein Denkmal für die deutschen Deserteure beider Weltkriege enthüllen. Da sich die Stadt komplett querstellte kam es zu einer Kompromisslösung des Bundesverwaltungsgerichts, die Aksoy eine Präsentation als „Demonstrationshilfsmittel“ gestattet.

Zum Einweihungstermin wurde die auf einem Tieflader stehende Figur unter dem Beifall von 1200 Friedensbewegten provisorisch enthüllt. Protest kam lautstark von Kriegsveteranen die nicht verstanden, dass „Feiglinge verherrlicht“ werden. „Das kann man zu scheißen, das Ding“ war zu hören und ein anderer sprach davon, dass: „zur Vaterlandsverteidigung verpflichtete Kameraden Verrat begangen“ hätten. Der Bonner CDU-Oberbürgermeister Hans Daniels reagierte ähnlich: „Meine Stimme wird es für ein Denkmal, das die Fahnenflucht verherrlicht nicht geben“.

Die Ausläufer dieses Proteststurms erreichten ziemlich schnell auch Bonns Partnerstadt Potsdam. Allerdings stimmten die Abgeordneten hier, dem Antrag das Denkmal in Potsdam aufzustellen, im August 1990 mit großer Mehrheit zu. 2001 fand es im Rahmen der Umgestaltung des Platzes der Einheit zur Bundesgartenschau 2001 seinen festen Platz.

Aksoy hat in der Türkei keinen leichten Stand

Aksoy, der etliche Jahre in Deutschland lebte und inzwischen in die Türkei zurückkehrte, ist Streit um seine Arbeiten gewöhnt. Sein dreißig Meter hohes 2006 in der Osttürkei errichtetes „Denkmal der Menschlichkeit“ zum Gedenken an die ermordeten Armenier und Muslime zeigte einen in zwei Hälften gespaltenen Menschen und wurde auf Betreiben von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan 2011 wieder abgerissen.

Ähnliches Ungemach droht seinem Potsdamer Denkmal nicht. Tausende Passanten eilen oder schlendern täglich an ihm vorbei ohne eine Reaktion erkennen zu lassen. Manchmal bleiben Touristen für einen Moment stehen. Etliche lesen die beiden Tafeln mit dem Tucholsky-Text sowie dem Titel und der Biografie ihres Schöpfers. Viele scheinen beeindruckt. Ein Hamburger Ehepaar ist sich einig: „Das berührt uns doch sehr!“. Bevor sie gehen sagt der Mann: „Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr Dinge fallen mir ein, für die ich heute noch desertieren könnte.“

Der türkische Künstler Mehmet Aksoy

Der international bekannte türkische Künstler Mehmet Aksoy wurde 1939 in Hatay geboren und studierte in der Türkei, Großbritannien, Italien und Deutschland Bildhauerei.

Von 1972 bis 1990 lebte Aksoy mit kurzen Unterbrechungen in Berlin.

Inzwischen lebt und arbeitet er wieder hauptsächlich in der Türkei. Er erhielt in beiden Ländern mehrere Kunstpreise.

MAZ-Autor Lothar Krone stellt in seiner Serie „Bewegende Standbilder“ Kunst im öffentlichen Raum Potsdams vor. Erschienen sind bisher „Skulpturen auf dem Sims“ (29.11.), „Tanzpaar im Grünen“ (3.1.), „Das doppelte Marmorrätsel“ (16.1.), „Flugschiffs stürmische Reisen (20.1.) und „Ein außergewöhnlicher Künstler“ (27.1.)

Von Lothar Krone

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