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Potsdam Steineklopfen an der Stadtschloss-Ruine
Lokales Potsdam Steineklopfen an der Stadtschloss-Ruine
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09:42 04.02.2014
Rückkehr nach fast 70 Jahren: Trümmerfrau Lonny Fischer im Innenhof des Landtagsschlosses. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Das Beweisfoto fehlt. Lonny Fischer, ein Kopftuch umgebunden, steht vor einem Schutthaufen. Im Hintergrund die Ruinen des Potsdamer Stadtschlosses. Sie schwingt lachend einen Hammer und klopft Steine. Solche Bilder sind von Trümmerfrauen aus dem Nachkriegsdeutschland überliefert. "Wissen Sie, wir waren Flüchtlinge. Mit dem Leben davongekommen. Fotos hat damals keiner von uns gemacht. Und in unserer Familie hatte auch keiner einen Fotoapparat", erzählt Lonny Fischer.

Damals - das war 1946. Lonny war 15, gerade konfirmiert. Das junge Mädchen hatte eine Lehre beim Elektrobetrieb Klimt begonnen. "Jede Firma musste Leute zum Enttrümmern der Innenstadt abstellen. Ich weiß nicht mehr wie viele Wochen, jedenfalls war ich gleich dabei und es war ein heißer Sommer", sagt die 83-Jährige. "Handschuhe gab es nicht, mit bloßen Händen haben wir gearbeitet. Das gab Schwielen kann ich Ihnen sagen. Wir haben so eine Kette gebildet und die Steine weitergereicht." Die kleine Frau mit der Pelzkappe berichtet von zwei mal einen Meter hohen Haufen, zu denen die verwertbaren Ziegel aufgeschichtet werden mussten. "Da war ein Vorarbeiter, der hat uns eingeteilt und angeordnet, was zu tun ist", erinnert sich die Rentnerin. Die Steine, so hieß es, würden als Material für den Wiederaufbau der Stadt dringend benötigt. Lohn der Mühen bei großer Hitze: zusätzliche Lebensmittelkarten. "Dafür bekamen wir mehr Brot, Fett und Zucker", sagt Lonny Fischer, die heute in Neuseddin zu Hause ist.

Fast 70 Jahre später steht die fidele Frau am Fortunaportal. Mit dem Bus ist sie in die Landeshauptstadt gekommen, um zum ersten Mal das fertige Landtagsschloss in Augenschein zu nehmen. "Als ich in der Zeitung die schönen Bilder sah, durchfuhr es mich wie ein Blitz: Da warst du damals Trümmerfrau." Langsam passiert die Seniorin das Portal und betritt den Schlosshof. "Es ist überwältigend! Ich bin ein Glückskind, dass ich das noch erlebe! Da kommen mir jetzt Tränen." Die wischt Lonny Fischer mit den Handschuhen weg. "Ich habe Hochachtung vor Architekten und Bauarbeitern. Die waren hoffentlich zur Einweihung eingeladen?" Waren sie. Und als sie erfährt, dass jedermann in der Landtagskantine unterm Dach essen kann, sagt sie: "Das werde ich mit meinem Sohn Hans-Dieter mal ausprobieren."

Landtagspräsident Gunter Fritsch hat am Samstag, 18. Januar 2014, das Fortunaportal des neuen Landtags am Alten Markt in Potsdam für die Bürger eröffnet. Bis Sonntagabend haben insgesamt rund 20 000 Menschen Gelegenheit, den Parlamentsbau im historischen Gewand des alten Preußischen Stadtschlosses zu bewundern.

Östlich der Oder kam Lonny Fischer 1931 zur Welt. Im Januar 1945, als die Rote Armee ihre Großoffensive zum Sturm auf Hitlers Berlin begann, gehörte ihre Familie zu den Tausenden Menschen, die ihre Heimat verließen. "Von Oppenbach, das heißt heute Opalenica und liegt bei Poznan, zog ich mit meinen beiden kleinen Brüdern und meiner kranken Mutter bei minus 20 Grad auf dem Treck nach Westen." Die Flucht endete bei Verwandten in Golm. "Der Ortsgruppenleiter der NSDAP hatte Anweisung, alle Flüchtlinge unterzubringen. Wir kamen in den Etagenhäusern an der Bahnunterführung unter. In Golm haben wir auch beobachtet, wie die Bomber am 14. April 1945 nach Potsdam geflogen sind", erinnert sich Lonny Fischer.

Die Jahre nach dem Krieg sind schnell vergangen: Nach der Hochzeit ist sie bald dreifache Mutter - für den eigenen Sohn und für die jüngeren Brüder. Sie absolviert eine Ausbildung zur Erzieherin und Unterstufenlehrerin. "Ich war viel mit dem Fahrrad unterwegs. Auf dem Weg von Babelsberg, wo wir nun wohnten, zum Seminar in der Schule 9 in der Dortustraße traf man an der Brücke über den Stadtkanal oft Ratten. Brrrrr", macht die alte Dame und schüttelt sich. Sie sagt auch, dass die Schlossmauern 1959 noch standen. "Ich weiß ganz genau, wie ich mich mal in einer Pause an so eine kaputte Wand lehnte und Milch trank." Und wie hat Lonny Fischer den Abriss erlebt? "An Protest habe ich damals nicht gedacht, ich hatte eigene Sorgen, die drei Jungs durchzubringen. Der Existenzkampf war wichtiger."

Aber die aktuelle Debatte ums Hotel Mercure verfolgt Lonny Fischer und denkt mit Wehmut an Abriss. "Eine Zeit lang habe ich für die Jugendhilfe Kinder betreut. Am letzten Schultag vor Sommerferien sind wir in die oberste Etage gefahren, haben Kuchen gegessen und die Aussicht bewundert. Da oben möchte ich auch noch mal stehen."

Von Carola Hein

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