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10:35 01.07.2016
Kopfball: Jörg Schlinke inmitten seines „Schiebespiels“.
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Potsdam

Sprungbereite Schattenwesen mit zerfließenden Konturen bevölkern die hellen Räume der Kunstraum-Galerie des Waschhauses in der Schiffbauergasse. Hin und wieder bei näherem Hinsehen werden sie in Fragmenten erkennbar: ein geöffneter Rachen mit gewaltigen Zähnen, ein Adler, der sich zu verneigen scheint, ein Kiwi-Vogel namens „me“, ganz zweifellos das Maskottchen dieser Schau, ein bärtiges Gesicht, das Substanz verliert wie eine Wolke in einer Bö.

Stella Hamberg in der Kunstraum-Galerie des Waschhauses. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Neutron“ ist der Titel der Ausstellung von Stella Hamberg (Jahrgang 1975), die am Sonnabend eröffnet wird. Die Künstlerin studierte Bildhauerei bei Martin Honert in Dresden, lebt und arbeitet seit ihrem Meisterschülerabschluss 2005 in Berlin und wurde mit einem Auftritt von zweieinhalb Meter großen Berserkern aus Bronze 2008 in Leipzig schlagartig bekannt. Zur Erzählung werden ihre Arbeiten erst durch das Auge des Betrachters. Zu den Schaffensmaximen der Künstlerin zählt die Frage: „Wie viel Zerfall lasse ich zu?“

Ein erstes Mal war Stella Hamberg in Potsdam 2010 zu Gast. Im ersten Skulpturengarten der Villa Schönningen zeigte sie damals in einer Gemeinschaftsausstellung mit Künstlern wie Jonathan Meese, Bruno Gironcoli, Franz West und Maix Mayer einen Wischmopp aus Bronze mit dem Titel „Reset“.

Mit der Ausstellung „Neutron“ eröffnen der Kunstraum und die Villa Schöningen als befreundete Häuser nun die erste „Kunstmeile Potsdams“. Gemeint ist damit nicht der Weg, sondern die 1,6 Kilometer voneinander entfernten Zielpunkte. Im Garten der Villa Schöningen wird begleitend zur Kunstraum-Schau Hambergs „Hund“ aufgestellt, 2,30 Meter hoch, 2,70 Meter lang, eine furchteinflößende Kreatur mit zwei Köpfen, fünf Beinen und tückisch-leerem Blick.

Mit dem „Schiebespiel“ des Potsdamers Jörg Schlinke (52) im Dachgeschoss des Kunstraums wird ab Sonnabend in einer zweiten Ausstellung auf ganz andere Weise vorgeführt, was Kunst vermag. Schlinke hat Werke unterschiedlichster Schaffensperioden von der Aktstudie in den 1980er Jahren bis zum Rothirschmodell für die preisgekrönte Freiraumgestaltung des Schorfheideviertels in Berlin-Marzahn aus dem Jahr 2009 auf Präsentationsplatten mit Rollen gesetzt.

Kopfball: Jörg Schlinke in seinem „Schiebespiel“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Passend zum EM-Viertelfinalspiel der Deutschen am Sonnabend ist auch ein Fußball aus Beton dabei, den Schlinke 2004 als Verliererpokal für ein mit Künstlern und anderen Potsdamer Szenegängern besetztes Fußballturnier geschaffen hatte.

„Sparta-Cup“ nannte sich die Neuauflage des in den 1990er Jahren legendären „Outlaw-Turniers“ mit Mannschaften des Waschhauses, des Lindenparks, des Hans-Otto-Theaters, von Radio Fritz und dem Babelsberger Traditionslokal Hiemke. Ironie der Geschichte war es, dass bei der Neuauflage die Mannschaft des Buchladens Wist mit Schlinke im Tor haushoch verlor. Der Ball ist als Leihgabe von Carsten Wist im „Schiebespiel“.

Die Gäste haben nun im Kunstraum die Möglichkeit, rund 50 Arbeiten Schlinkes ganz nach Belieben in drei Zonen zu sortieren. Eine Überwachungskamera filmt sie dabei. Irgendwann soll ein Zusammenschnitt von Filmsequenzen die Ausstellung als eigenständiges Werk begleiten.

Eine zweite Wahrnehmungsebene gibt es auch in der Ausstellung Stella Hambergs. Begleitend zu ihren Arbeiten sollen Fotografien davon zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Werkskizzen und zahlreichen Aufnahmen von Mick Vinzenz.

Eine weitere Ausstellung im Begleitprogramm der Kunstmeile wird am Sonnabend in der Villa Schöningen eröffnet: Erinnerung und Vergessen sind das Thema der fast 40 Installationen des dänischen Künstlers Tal R (Jahrgang 1967), der ebenso wie Stella Hamberg bereits 2010 mit einer Arbeit an der großen Skulpturenschau im Garten der Villa beteiligt war.

Gemeinsame Vernissage am Sonnabend

Gemeinsame Eröffnung im Waschhaus-Kunstraum, Schiffbauergasse 4d, und dem Skulpturengarten der Villa Schöningen, Berliner Straße 86, am Sonnabend von 11 bis 20 Uhr. Ab 14 Uhr spielt das Jugendorchester Euphoria Berlin in der Villa Schöningen, um 17 Uhr ist ein Empfang im Kunstraum.

Stella Hambergs „Neutron“ und Jörg Schlinkes „Schiebespiel“ laufen bis 18. September, „The night you can’t remember is the night I can’t forget“ von Tal R geht bis zum 16. Oktober.

Der Kunstraum ist geöffnet Mi-So 13-18 Uhr, der Skulpturengarten der Villa Schöningen Do-So 10-18 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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