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Potsdam Stern-Center-Eröffnung 1996: „Einkaufen? Eine Katastrophe.“
Lokales Potsdam Stern-Center-Eröffnung 1996: „Einkaufen? Eine Katastrophe.“
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16:05 12.06.2018
Zur Eröffnung des Stern-Centers am 24. Oktober 1996 kamen offiziell 120 000 Besucher. Mittlerweile sind es täglich gut 22 000. Quelle: Peter Sengpiehl
Drewitz/Am Stern

Im Angebot sind Taschen, Schreibgerät und jede Menge Papier-Artikel. Eben erklärt der Verkäufer einer Kundin: „Mein Sohn wird 18 Jahre alt und benutzt auch noch jeden Tag einen Füllfederhalter; da bin ich relativ stolz drauf.“ Dirk Petermann (46) ist mit seiner Papeterie ein Mieter der ersten Stunde im Stern-Center. Er war dabei, als zum Eröffnungstag am 24. Oktober 1996 offiziell 120 000 Neugierige in die Mall zwischen Stern und Drewitz kamen.

„Der Jammer-Ossi hat ein Zuhause: Potsdam

Keine drei Wochen vorher hatte der „Spiegel“ Brandenburgs Landeshauptstadt nach einem umfassenden Vergleich der größten 20 Städte Ostdeutschlands attestiert: „Der Jammer-Ossi hat ein Zuhause: Potsdam. In der Stadt, die am stärksten von der Wiedervereinigung profitiert hat, fühlen sich die Bewohner schlechter als fast überall.“

Die Papeterie der Petermanns hat eine lange Tradition. Der 1907 in der Babelsberger Rudolf-Breitscheid-Straße gegründete Schreibwarenladen wurde 1982 vom Senior Uwe Petermann übernommen. Das Geschäft existiert heute noch, ist allerdings mittlerweile in die Karl-Liebknecht-Straße 4-5 umgezogen.

Umzug vom Markt-Center ins Stern-Center

Seit 1993 hatte die Papeterie eine zweite Filiale im Markt-Center an der Breiten Straße. 1996 zog das Geschäft in das Stern-Center um. 2011 übernahmen die Söhne Dirk und Kay Petermann.

„In Potsdam herrscht Elend“, schrieb der „Spiegel“: „Das Geld reicht nicht aus, die Wohnungen sind mies, und in der Umwelt lauern Schmutz und Gift. Das Stadtbild? Verhunzt. Einkaufen? Eine Katastrophe. So reden die Bewohner.“

Papeterie-Inhaber Dirk Petermann. Quelle: Volker Oelschläger

Die ersten Tage in der neuen Filiale hat Dirk Petermann noch gut in Erinnerung: „Das Center war sehr, sehr voll. Leider durften wir an dem angekündigten Sonntag nach der Neu-Eröffnung nicht aufmachen. Warum? Da müssen sie die Stadt fragen. Mir ist nur in Erinnerung geblieben, dass hier knapp 40 000 Leute im Center waren und das Café da draußen aus allen Nähten geplatzt ist.“ Und die Geschäfte waren zu: „Im gesamten Center. Nur die Gastronomie durfte aufhaben.“

Danach aber brummte das Geschäft: „Die Eröffnung war ja im Oktober“, sagt Dirk Petermann. „Und bis Weihnachten war das Center dann eigentlich jeden Tag voll.“ Mit 35 000 Quadratmetern Verkaufsfläche, 85 Geschäften, 1000 Beschäftigten und mehr als 22 000 Besuchern täglich ist das Stern-Center noch heute eine der fünf größten Malls im Land Brandenburg.

Auch in Dresden wird genörgelt

Den Potsdamern aber ging es laut „Spiegel“ schon 1996 rein statistisch besser als allen anderen Bewohnern in Ostdeutschlands größeren Städten: „Das höchste objektive Niveau nach Potsdam erreichen Jena und Dresden.“

Die Sachsen rangierten übrigens auch in der Nörgel-Skala weit vorn, „wenn auch nicht so krass wie der Fall Potsdam“, wie der „Spiegel“ schrieb: „Dem guten Ruf und den positiven Daten zum Trotz sind die Dresdner mit den Qualitäten ihrer Stadt eher unzufrieden. ... Dass sie wohlhabender als die meisten sind, ... stimmt die skeptischen Sachsen nicht fröhlicher.“

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

„Mitte(n) im Leben“ ist der Titel eines Festes, mit dem am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Geburtstag der Landeshauptstadt Potsdam gefeiert wird. Mit dem Fest soll unter dem Motto „1000 plus 25 Jahre“ vor allem auf die Zeit seit der 1000-Jahrfeier 1993 zurück geblickt werden.

Zur Einstimmung laden wir unsere Leser in einer Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“ zu einer Zeitreise ein. Jedem Jahr soll beginnend mit dem Jubiläum der Rückblick auf eine Episode, ein Ereignis gewidmet sein, das in besonderer Weise prägend war oder das eine ganz eigene Perspektive auf die jüngste Stadtgeschichte öffnet.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

Von Volker Oelschläger

Heute erstmal ein Dankeschön an all die fleißigen Helfer, die sich Tag für Tag für das gesellschaftliche Miteinander einsetzen. Sie kennen auch einen? Dann wäre heute ein guter Tag, diesen zu würdigen.

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