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Potsdam Von der Kunst, zu bewahren
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13:15 16.10.2018
Stiftungsrestaurator Ekkehardt Fischer (2.v.r.) erklärt die Besonderheiten des Stibadiums. Quelle: Bernd Gartenschläger
Brandenburger Vorstadt

Zwei Mann, zwei Ecken – so einfach werden es die Retter hier am Rande von Park Sanssouci nicht haben. Der Patient, der seit Jahrzehnten schon auf Heilung wartet, ist in einem denkbar schlechten Zustand – und obendrein von ganz besonderer Statur.

Ein cleverer Plan für eine hinfällige Schönheit

Das Stibadium im Garten der Villa Liegnitz ist mehr als ein Pavillon. Es ist eine überaus knifflige Konstruktion oder wie Ekkehardt Fischer, Restaurator bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, sagt: „Ein schlaues, ein durchdachtes Bauwerk.“ Wer eines Tages Hand anlegt an diese hinfällige Schönheit, wird einen cleveren Plan ausklügeln müssen, sind doch die einzelnen Bauteile wie bei einem Kartenhaus verschränkt – eines zu lösen ohne das andere zu beschädigen, scheint kaum möglich.

Das Stibadium im Park der Villa Liegnitz ist ein beinahe vergessenes Kleinod. Wann es saniert wird, steht noch nicht fest. Aber: Jeder Tag zählt, denn die Jahre haben dem prächtigen Pavillon arg zugesetzt.

Er sei immer wieder erstaunt von der Genialität des Gemäuers, schwärmt Ekkehardt Fischer. Die Bauherren – keine geringeren als Friedrich August Stüler und Friedrich Wilhelm IV. – „haben dieses Bauwerk wirklich gelebt“. Zu sehen ist das nicht nur in der Machart, sondern auch in der reichen Ausgestaltung inklusive Wandgemälde, Marmorfußboden und Kassettendecke. „Man wollte, dass das Bauwerk heraussticht, dass es erstrahlt“, sagt Fischer. Am Freitag führte er Besucher durch das seit zwanzig Jahren hinter einem Gerüst und Wellblech verborgenen Kleinod – ein Angebot aus einem Dutzend, das die Schlösserstiftung den Potsdamern und ihren Gästen unter dem Motto „Die Kunst, zu bewahren“ zum ersten europäischen Tag der Restaurierung machte und damit einen Schnellstart hinlegte, denn der Aktionstag ist genau genommen erst für den morgigen Sonntag angesetzt.

Ein Ostergeschenk für die Stiefmutter

König und Hofbaumeister haben das Stibadium in enger Zusammenarbeit entworfen. 1847 wurde es realisiert – der König schenkte es der Stiefmutter zu Ostern. Fürstin Auguste von Liegnitz (1800-1873) war 21 Jahre alt, als sie der Vater Friedrich Wilhelms IV. bei einem Kuraufenthalt im böhmischen Teplitz entdeckte. Ihre Anmut, so will es die Legende, erinnerte ihn an seine mit nur 34 Jahren verstorbene Gemahlin Luise. Am 9. November 1824 heiratete Friedrich Wilhelm III. Auguste unter Ausschluss der Öffentlichkeit – eine morganatische, nicht standesgemäße Ehe.

Auf Jahrzehnte nicht mehr angetastet

Nach dem Tode des Gatten gab Auguste ihre Wohnungen in den königlichen Schlössern auf und zog 1941 in die von Albert Dietrich Schadow nach ihren Wünschen umgebaute und nach ihr benannte Villa Liegnitz. Ende der 1870er Jahre zog Prinzessin Charlotte von Preußen, Tochter des späteren Kaisers Friedrich III., ein. In dieser Zeit wurde das Stibadium umgestaltet und seither außer für eine größere Dachreparatur 1932 lange Zeit nicht mehr angetastet.

In den 1970er Jahren erfolgten einige dürftige Notmaßnahmen. So wurde auf dem Dach Teerpappe verlegt. 1999 ließ die Stiftung das Stibadium schließlich einhausen. Das Wasser fand dennoch seinen vernichtenden Weg durchs Gebälk. Selbst die mächtigsten Träger und Holzbohlen sind heute kaum mehr als Mulch und Moder. Wann das Stibadium restauriert wird, steht laut Ekkehardt Fischer noch nicht fest: „Aber: Jeder Tag zählt.“

Die FH präsentiert sich am Tag der Restaurierung

Der erste europäische Tag der Restaurierung findet am 14. Oktober statt.

Die Fachhochschule Potsdam beteiligt sich mit dem Studiengang Konservierung und Restaurierung an diesem Debüt.

Um 10.30 Uhr beginnt eine Stadtexkursion zu Natursteinen in der Potsdamer Innenstadt –Treffpunkt ist vor der Nikolaikirche.

Auf dem Campus an der Pappelallee finden in Haus A und im Labor- und Werkstattgebäude folgende Veranstaltungen statt:

Um 11 Uhr ist das Welcome mit Führungen durch die Werkstätten und Labore angesetzt.

Um 12 Uhr öffnet die Terrassenlounge zu Gesprächen und Diskussionen (mit Imbiss).

Um 13 Uhr hält Jan Raue im Rahmen der „Potsdamer Köpfe“-Reihe einen Vortrag zum Thema „Ausbildung und Perspektiven für den Schutz des kulturellen Erbes“.

Um 14 Uhr lädt die FH zu Workshops zu historischen Techniken und modernen Untersuchungsmethoden der Fachrichtungen Holz, Metall, Stein und Wandmalerei sowie zu den Naturwissenschaften ein.

Um 16 Uhr starten noch einmal Führungen durch die Werkstätten und Labore.

Um 16.30 Uhr steht der Vortrag „Vom Risiko ein Naturstein zu sein“ von Jeannine Meinhardt auf dem Programm.

Der Tag klingt mit Gesprächen und Getränken auf der Terrasse aus. nf

Von Nadine Fabian

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