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Potsdam Stiftung schiebt der Stadt Potsdam den schwarzen Peter zu
Lokales Potsdam Stiftung schiebt der Stadt Potsdam den schwarzen Peter zu
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00:27 17.03.2018
Baustelle an der Breite Straße. Quelle: epd
Potsdam

Nachdem die Stiftung Garnisonkirche der erhofften Verlängerung der Mietverträge im Rechenzentrum nicht zugestimmt hat, prasselte heftige Kritik auf sie ein. Zu Unrecht, wie Wieland Eschenburg, Vorstandssprecher der Stiftung Garnisonkirche, meint.

Herr Eschenburg, im Moment steht die Stiftung Garnisonkirche sehr in der Kritik wegen ihrer Entscheidung, den Vertrag für die Künstler im Rechenzentrum vorerst nur ein bis maximal zwei Jahre zu verlängern. Warum waren für Sie nicht die fünf Jahre drin, die sich Künstler und Stadtpolitik erhofft hatten? Schließlich steht nach menschlichem Ermessen nicht zu erwarten, dass das Kirchenschiff in diesem Zeitraum gebaut wird.

Wieland Eschenburg: Die entsprechende Berichterstattung, bei der man die Stiftung für Angelegenheiten der Stadt verantwortlich macht, habe ich mit einigem Erstaunen zur Kenntnis genommen. Immerhin wurde als Ergebnis unserer Kuratoriumssitzung das Resultat des Szenario-Workshops zur Zukunft der Künstler ausdrücklich begrüßt, konkret: die „Findung eines dauerhaften Standortes der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Mitte Potsdams“, wie es heißt. Dies zeigt klar unsere Bereitschaft, den Fortgang des Vorhabens eines neuen Kulturquartiers zu befördern. Der Stiftung lag jedoch kein formaler Antrag für eine Verlängerung der Laufzeit des Mietvertrags der Künstler im Rechenzentrum vor. Der Ausblick für – ich betone: zunächst – ein bis zwei Jahre soll nicht zuletzt deutlich machen, dass die Verantwortlichen der Landeshauptstadt Potsdam in der Verantwortung stehen, nun zügig konkrete Schritte zur politischen Verbindlichkeit des Workshopergebnisses einzuleiten.

Das heißt?

Dazu gehört zeitliche, organisatorische, finanzielle Planung und Vertragslegung ebenso wie eine städtebauliche Einordnung. Dies alles lässt sich natürlich nicht in zwei Wochen machen, und so setzen wir als Stiftung auf die vom Oberbürgermeister vorgegebene Schrittfolge: Information zum Workshop in der Stadtverordnetenversammlung im April und Erstellung einer Beschlussvorlage zur Umsetzung der Workshop-Ergebnisse für die Stadtverordnetenversammlung im Juni. Von der Stiftung eine andere Reihenfolge zu erwarten, hieße, das Pferd von hinten aufzäumen – das wäre nicht zielführend.

Wieland Eschenburg Quelle: Christel Köster

Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat in der Stadtverordnetenversammlung hinsichtlich der vorerst maximal zweijährigen Mietvertragsverlängerung erklärt, er könne „die Kritik an der Haltung der Stiftung teilweise nachvollziehen“ – und das, obwohl Jakobs als Befürworter des Wiederaufbaus gilt. Verscherzt es sich die Stiftung nicht langsam auch mit den Wohlgesonnenen?

Von einem „Verscherzen“ kann gar keine Rede sein. Gerade die Stadt Potsdam und die Öffentlichkeit werden von einem wiederaufgebauten Garnisonkirchenturm profitieren – und zwar sowohl die Kritikerinnen und Kritiker als auch die Wohlgesonnenen. Dass wir als Stiftung gar nicht anders handeln können, verstehen wohl alle, denen bewusst ist, dass wir 2015 unsere Zustimmung zur vorübergehenden befristeten Nutzung des Rechenzentrums für drei Jahre gegeben haben. Damals hat die Stadt der Kreativszene und uns zugesagt, bis August 2018 eine Alternativlösung an einem dauerhaften Standort zu suchen. Die ernsthafte Suche danach hat, soweit mir ersichtlich ist, jedoch offenbar erst mit der Vorbereitung und Durchführung des Szenario-Workshops begonnen. Wer mit baulichen und politischen Angelegenheiten zu tun hat, dem kann nicht verborgen bleiben, dass dies reichlich spät ist. Einer Verlängerung, die uns auf Jahre bindet, würde die Stiftung – bei Vorlegen eines Antrags – aufgrund dieser Erfahrung nur mit verbindlichen Grundlagen zustimmen können.

Der Wunsch vieler Künstler ist, im Rechenzentrum zu bleiben – auch nach 2023. Tatsächlich gehört der Stiftung nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Fläche, auf der das Rechenzentrum steht. Darauf soll das Kirchenschiff entstehen. Wäre es aus Ihrer Sicht machbar, nur diesen Teil des Rechenzentrums abzureißen und das Schiff dann quasi in das restliche Rechenzentrum zu integrieren?

Der Szenario-Workshop hat ergeben, dass die Kreativen mindestens 10 000 Quadratmeter Fläche erhalten sollen und diese Flächen aber in eine Gesamtentwicklung mit Wohnen und Gewerbe eingebettet werden sollen, um auch die Fragen der Finanzierbarkeit in realistischen Bereichen zu halten und die Vielfalt der Entwicklung zu sichern. Die Hoheit und Verantwortung dafür auf städtischem Grund und Boden liegen in der Hand der Eigentümerin Stadt. Unsere Verantwortung bezieht sich auf unser Grundstück. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine wirklich sichere Zukunft der Kultur- und Kreativszene an einem für eben diesen Zweck errichteten Ort in der Mitte der Stadt – zum Beispiel in der Figur des ehemaligen langen Stalles – gesichert werden kann. Eine auch künftige Nachbarschaft von Kreativen in Kunst und Kirche kann für beide Seiten fruchtbar und für Potsdam ein Segen sein.

Wie läuft es mit den Bauarbeiten am Garnisonkirchturm? Ist schon klar, wie hoch die finanziellen und zeitlichen Einbußen wegen der mehrwöchigen Unterbrechung der Arbeiten sind?

Das Fundament wird zurzeit durchkernt. An 28 Stellen ist das historische Fundament bereits mit 150 Zentimetern Durchmesser durchbohrt worden, um die suspensionsgestütze Herstellung der 38 Gründungspfähle vorzubereiten. Vorausgesetzt, die Witterung spielt mit, sollen in der kommenden Woche die ersten Pfähle in voller Tiefe hergestellt werden. Die Auswirkungen des Technologiewechsels auf Zeit- und Kostenpläne werden weiter geprüft. Vor Abschluss der Prüfung können wir dazu keine Angaben machen.

Von Ildiko Röd

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