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Potsdam Stillstand bei geplantem Synagogen-Bau
Lokales Potsdam Stillstand bei geplantem Synagogen-Bau
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10:51 09.11.2016
Am 9. November 1938 wurde die alte Synagoge geschändet. Quelle: Archv
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Innenstadt

Mittlerweile währt der Stillstand im Synagogen-Projekt bald sechs Jahre – im Frühjahr 2011 wurde ein zweimonatiges Moratorium beschlossen, um den Streit zwischen der Jüdischen Gemeinde und der Synagogengemeinde herunterkochen zu lassen. In dem Zoff ging es um das Aussehen des Gebäudes und die inhaltliche Ausrichtung. Schließlich verhängte der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) einen Baustopp für das Projekt in der Schlossstraße. Bauherrin ist das Land.

Einer der Synagogenentwürfe von Architekt Jost Haberland. Quelle: Archiv

Aus Sicht des Synagogen-Architekten Jost Haberland wären jetzt alle Voraussetzungen erfüllt, damit es endlich losgehen kann. „Zwischen den beiden Gemeinden ist eine Einigung über den Entwurf erzielt worden“, sagte der Berliner Architekt am Dienstag zur MAZ: „Wenn das Land eine Weiterbearbeitung beauftragt, steht einem Baustart im Frühjahr 2018 nichts mehr im Wege.“ Ungefähr ein Jahr wird für die Vorplanungen veranschlagt.

Doch aus Haberlands Wunsch wird wohl nichts. Hinter den Kulissen ist das Tauziehen so heftig wie eh und je. Die Gemeinden haben zwar im vergangenen April offiziell das Kriegsbeil begraben. Allerdings gibt es seit 2015 noch einen dritten Akteur: die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Die ratlose Landesregierung hatte sie als neuen Träger geholt. Die Botschaft: Entweder die Gemeinden machen mit – oder die ZWST stemmt das Projekt alleine.

Vor die Wahl gestellt, rauften sich die Gemeinden zwar zusammen. Einendes Band ist nun, dass sie sich nicht mit der Zentralwohlfahrtsstelle als Träger abfinden wollen – frei nach dem Motto „Drei sind einer zu viel“. Der Vorsitzende des Synagogen-Bauvereins, Peter Schüler, kann die Bedenken verstehen: „Aus Sicht der Gemeinden ist es nicht akzeptabel, weil sie dann nicht das Vorhaben realisieren können, an einem Ort sowohl ihre religiöse als auch die kulturelle und soziale Arbeit verwirklichen zu können.“ Sollte die ZWST mitmachen, müssten sie sich zudem mit einem Minimum an Räumen in dem ohnehin kleinen Gebäude begnügen. Schüler erinnert an das Versprechen der Landesregierung, dass Potsdam eine Synagoge bekommen solle – „und nicht nur einen Veranstaltungsort, an dem die Gemeinden hin und wieder zum Gebet zusammenkommen können.“

Stephan Breiding, Sprecher im Kulturministerium, erklärte dazu gestern: „Wir halten an der ZWST als Partner fest.“

Bauvereinschef Schüler drängt auf einen schnellen Baubeginn. „Einfach mal loslegen! Die Frage der Trägerschaft kann man auch klären, nachdem der Bau begonnen worden ist“, appelliert er an die Landesregierung.

In den 1950-er Jahren war die Synagoge nur noch eine Ruine. Quelle: Archiv

Potsdam ist die einzige Landeshauptstadt in der Bundesrepublik, die keine Synagoge hat. Die alte Synagoge am Wilhelmplatz (heute: Platz der Einheit) wurde in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 geschändet.

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