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Straße für eine Kämpferin

In Potsdam soll es eine „Pauline-Wuttke-Straße“ geben Straße für eine Kämpferin

Die Potsdamerin Helga Liess staunte nicht schlecht, als sie in einem MAZ-Artikel den Namen ihrer lange verstorbenen Großmutter las. Nach Pauline Wuttke, eine der letzten SPD-Stadtverordneten vor Machtergreifung der NSDAP, soll nun eine Straße in Potsdam benannt werden.

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Helga Liess und Rainer Lüdeke, Enkel von Pauline Wuttke, haben über ihre Großmutter recherchiert.

Quelle: A.F.

Potsdam. Wer war diese mutige Frau, die es wagte, sich 1933 für die SPD in Stadtverordnetenversammlung Potsdams zu wählen – trotz aller Repressalien durch die NSDAP? Bis vor kurzem war von Pauline Wuttke wenig bekannt. Doch Helga Liess staunte nicht schlecht, als sie in einem MAZ-Artikel den Namen ihrer lange verstorbenen Großmutter las: Nach Pauline Wuttke soll nämlich eine Straße in Potsdam benannt werden.

Pauline Wuttke wurde am 12. März 1933 bei der letzten freien Kommunalwahl für die SPD in die Stadtverordnetenversammlung Nowawes beziehungsweise Potsdam gewählt und nahm das Mandat an. Am 8. Juli 1933 wurde ihr Mandat annulliert.

Pauline Wuttke wurde von den Nazis aus der Stadtverordnetenversammlung gedrängt.

Pauline Wuttke wurde von den Nazis aus der Stadtverordnetenversammlung gedrängt.

Quelle: Repro: MAZ

Birgit Morgenroth, Stadtverordnete und Mitglied im Kulturausschuss, hat Pauline Wuttke neben weiteren bedeutenden Frauen für den Straßennamenpool vorgeschlagen. „Nach dem Antrag der Grünen haben wir recherchiert, welche Frauen wir noch interessant für die Straßenbenennung finden“, sagt die SPD-Politikerin. „Und Pauline Wuttke und Anna Kamin haben sich trotz aller Repressalien engagiert, das ist doch mutig“, findet sie.

Bei dem Vorhaben geht es nicht darum, vorhandene Straßen in Potsdam umzubenennen. Vielmehr landen die Vorschläge in einem Ideenpool – sobald eine neue Straße gebaut wird, können hier Inspirationen geholt werden. Für Morgenroth ist die Idee einer Pauline-Wuttke-Straße auch ein „Zeichen der Versöhnung“. Sie fände es „toll, wenn Geschichte einen Namen hat“.

Helga Liess sitzt in ihrem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer am Schöllerplatz, auch ihr Bruder, Rainer Lüdeke, ist gekommen. Sie sehen alte Fotos, die ihre Großmutter Pauline Wuttke zeigen, durch. Auf einem alten Passfoto ist ihr Geburtsdatum vermerkt: Der 13. April 1880.

Als zierliche, nette Frau hat Helga Liess sie in Erinnerung. „Eine ganz liebe Frau. Ich kann überhaupt nichts Schlechtes über sie sagen.“ Pauline Wuttke verstarb, als Helga Liess ein junges Mädchen war. Die Eltern von Helga Liess wohnten damals in der Wielandstraße 25, dort hatte die Mutter Pauline Wuttke, ihre Mutter, zur Pflege geholt, als sie krank wurde. Schon nach kurzer Krankheit verstarb sie. Ein Anruf beim Potsdamer Friedhofsarchiv bringt Gewissheit: Sie starb am 8. Juni 1950 und wurde vier Tage später auf dem Neuen Friedhof beigesetzt.

Im Stadtarchiv hat Helga Liess recherchiert, dass ihre Großmutter im Mieterverein für Potsdam und Umgebung tätig war. Nach dem 27. September 1933 sind allerdings keine Beiträge mehr über diesen Mieterbund in der Potsdamer Tageszeitung erschienen. „Opa Emil hatte eine Schmiede“, sagt Rainer Lüdeke.

Wie das Stadtarchiv recherchierte, gehörte Pauline Wuttke ab 1929 bis zur ihrer Mandatsniederlegung in der 6. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 23. Juni 1933 dem Wahlausschuss und dem Ausschuss für Bittgesuche an. Von 1930 bis zum 7. April 1933 vertrat sie die Stadt im Kuratorium der Frankeschen Stiftung, der Rückert Stiftung, der Kaiser Wilhelm Stiftung und der Paul Hoffmann Stiftung.

Schreiben des Polizeipräsidenten an Pauline Wuttke. Ihr Mandat als Stadtverordnete wurde ihr entzogen.

Schreiben des Polizeipräsidenten an Pauline Wuttke. Ihr Mandat als Stadtverordnete wurde ihr entzogen.

Quelle: Repro: MAZ

Doch Helga Liess besitzt aus dem Nachlass ihrer Mutter das wohl wichtigste Dokument über das Wirken von Pauline Wuttke: Am 20. Juli 1933 erhielt diese ein Schreiben des Polizeipräsidenten, in welcher er ihr die Ausübung des Stadtverordneten-Mandats der Sozialdemokratischen Partei untersagte. Eine Weiterbetätigung stelle „eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ dar, heißt es wörtlich in dem Schreiben. „Sollten Sie dieser Verfügung nicht nachkommen, sehe ich mich gezwungen, Sie nach Maßgabe des §1 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. 2.33 (RGB. I S. 83) in polizeiliche Schutzhaft zu nehmen“, steht dort weiter.

Von weiteren Repressalien wissen die beiden Enkelkinder Wuttkes jedoch nichts. „Ihre Tochter war auch in der SPD. Man ließ sie in Ruhe“, sagt Rainer Lüdeke.

Helga Liess erinnert sich noch, wie ihre Großmutter Schwarz trug, als sie als junges Mädchen mit der Familie aus Tschechien zurückkam. Der Grund: Pauline Wuttkes Sohn, dessen Frau und die gemeinsame Tochter waren in der Bombennacht von Potsdam ums Leben gekommen – die drei erlitten in Folge der schweren Druckwellen der Bomben einen Lungenriss. Helga Liess und ihr Bruder hatten die Bombennacht überlebt, da sie mit der Familie schon seit 1943 in Sebnitz waren, wo der Vater als Betriebsingenieur arbeitete.

Das Vorhaben, dass es in Potsdam eine Pauline-Wuttke-Straße geben soll, unterstützen die beiden Geschwister. „Das ist doch nicht verkehrt. Sie war ja eine Persönlichkeit Potsdams“, sagt Helga Liess, ihr Bruder nickt zustimmend.

Von Anne-Kathrin Fischer

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