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Potsdam Straßenbahnfahrer werden in Potsdam
Lokales Potsdam Straßenbahnfahrer werden in Potsdam
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02:22 19.05.2018
Tram-Fahrschule in Potsdam, hier Fahrlehrer Carsten Palm (links) mit Fahrschüler Anton Kriger (34). Quelle: (3) Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Alarm. In der Straßenbahn schrillt es laut, die Bahn stoppt abrupt an der Haltestelle Burgstraße/Klinikum. Patrick Naumanns Oberkörper ruckt nach vorne. Hektisch sucht er auf dem Bedienfeld nach dem richtigen Schalter. „Das war der Falsche,“ sagt Fahrlehrer Carsten Palm hinter ihm. Er hat die Gefahrenbremse gedrückt.

Der 39-jährige Naumann möchte als Quereinsteiger Straßenbahnfahrer werden. Seinen Job als Gebäudereiniger hat er dafür an den Nagel gehängt. „Das ist doch der Kindheitstraum aller Jungs. Mit fast 40 wollte ich jetzt noch mal umlenken und nach der langen Zeit etwas Neues machen,“ sagt er. Vor allem das Technische habe ihn gereizt.

Gemeinsam mit zwei weiteren Quereinsteigern hat er bereits zwei Wochen Fahrtraining hinter sich gebracht. Auch Dirk Riess (36) und Anton Kriger (34) möchten noch mal neu starten. Riess war Schornsteinfeger, Kriger Busfahrer. „Feste Arbeitszeiten, festes Einkommen – und es macht Spaß,“ begründet Riess seinen Wechsel. Die meisten seien Quereinsteiger, sagt Fahrlehrer Carsten Palm (46), der seit 25 Jahren bei den Verkehrsbetrieben Potsdam (kurz ViP) ist.

Ausbildung in zwei Monaten

Zwei Monate dauert die Ausbildung. Derzeit befinden sich sechs Mann in dem Programm. Sie sind bereits der zweite Durchgang dieses Jahr. „Die meisten stellen sich das einfach vor. Im Unterricht fallen sie dann aus allen Wolken, wie viel Stoff das eigentlich ist,“ weiß Palm. Acht Tage wird Theorie gepaukt. Danach folgen zwei Prüfungen: eine zur Technik und eine Hauptprüfung. Bei den 30 Fragen dürfen sie nur drei Fehler machen, bei den fünf Vorfahrts-Fragen muss alles stimmen. Geübt wird in der Tatra, eine der älteren Potsdamer Straßenbahnen, auch liebevoll Kati 4 genannt. „Hier muss noch viel von Hand gemacht werden,“ sagt Palm. Einen eigenen Fahrschulwagen würde es aber nicht geben, bedauert er. Die einzige Möglichkeit, die er derzeit zum Eingreifen hat, ist die Notbremse über der Tür zu ziehen. Für 2023 soll ein neuer Fahrschulwagen kommen. „Es braucht viel Vertrauen in die Fahrschüler, dass sie machen, was man ihnen sagt,“ so Palm. Nach zwei Verstößen sei Schluss. „Dann fliegen sie, da ist mir das Risiko zu groß.“ Neben der Tatra gibt es noch die Combino- und die Variobahn. Alle drei Fahrzeugtypen müssen die Schüler beherrschen. Dafür sind 20 Fahrstunden pro Tram eingeplant. Dann folgen noch mal zehn Stunden mit dem Lehrfahrer-Dienst mit echten Fahrgästen und die große Abschlussprüfung. Wer sich hier nicht beweist, bekommt den Schein nicht. „Da steckt eine hohe Verantwortung hinter. Allein der Wagen hat Millionenwert, mit Fahrgästen lässt sich der Wert gar nicht definieren,“ sagt Palm.

Für die Tram gilt ebenso die Straßenverkehrsordnung wie für andere Teilnehmer auch. An einigen Stellen gibt es jedoch Unterschiede. Am Schloss Charlottenhof zur Kastanienallee dürften sie zum Beispiel nur 20 statt 30 km/h fahren. „Das ist schwierig, man muss genau rausfiltern, was für einen wichtig ist,“ sagt Naumann. Oben an der Leitung hängen kleine gelbe Plaketten mit Begegnungsverboten, die Vorfahrtsregeln für die Straßenbahnen. Grund dafür sind die unterschiedlichen Breiten der Bahnen und das eng gesetzte Gleisbett. So wäre die Tatra 2,20 Meter, die Combino 2,30 Meter breit. Würden sie beispielsweise am Platz der Einheit/ Ecke Charlottenstraße nebeneinander herfahren, gäbe es eine Kollision. Daher werden die Gleise zukünftig angepasst und verbreitert. Denn 2024 sollen die Trams schon 2,40 Meter messen.

Knifflig wird es für die Schüler am Platz der Einheit West, wenn sie in das Bildungsforum einbiegen. Neun verschiedene Dinge müssen sie hier innerhalb von Sekunden beachten: Oben ist ein Trenner in der Fahrleitung, das heißt der Fahrstrom muss zum Durchfahren rausgenommen werden, damit kein Flammenbogen entsteht.

Da kommen sie ins Schwitzen

Die Schüler müssen prüfen, ob die Weiche richtig liegt, ob das Signal zum Abbiegen geschaltet ist, ob keine Fußgänger im Weg sind, und, und, und. „Da kommen viele ins Schwitzen,“ sagt Palm. Für ihn ist es aber eine gute Möglichkeit, um zu prüfen, wie weit die Schüler sind. „Ich sehe da, wie gut sie vorausschauend fahren können,“ sagt er.

Erstmals neu wird dieses Jahr eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Fahrbetrieb gestartet. Kurz: FiF. Hier durchlaufen die meist 16-jährigen Azubis alle Abteilungen, machen den Führerschein für Tram und Bus. 23 Bewerbungen hat Palm dafür auf dem Tisch liegen. Unter ihnen nur eine Frau.

Der Quereinsteiger Lehrgang wird in der ersten Juni-Woche seine Abschlussprüfung haben. Danach kommt noch mal ein dritter Durchgang mit nur zwei Leuten. Palm wird danach alle Hände voll mit den „Fifs“ zu tun haben, die zum September ihre Ausbildung beginnen werden.

Von Anne Knappe

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