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Streifzug über die Friedhöfe

Bornim Streifzug über die Friedhöfe

In einer neuen Broschüre erzählt der Hobby-Historiker Klaus Broschke (77) auf 128 Seiten die Geschichte der Bornimer Friedhöfe. Es gibt derer im Ort gleich drei: den Kirchfriedhof, den alten Friedhof und den neuen Friedhof. Sogar eine Gruft hat es gegeben. Und es gibt noch viel mehr zu erzählen...

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Blick auf die Bornimer Kirche, die derzeit restauriert wird. Im Vordergrund der Grabstein der Familie Carl Friedrich Michaelis.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Bornim. Ist eine Chronik über Friedhöfe nicht öde, deprimierend und langweilig? Klaus Broschke (77) hat auf diese Frage eine klare Antwort: „Nein!“ Seit Jahren beschäftigt sich der Malermeister und selbstständige Restaurator mit den Friedhöfen in Bornim. Es gibt derer gleich drei: den Kirchfriedhof, den alten Friedhof und den neuen Friedhof. Für einen Ort mit heute 3252 Einwohnern ist das durchaus ungewöhnlich. Doch Bornim, das 1286 erstmalig urkundlich erwähnt und 1935 in die Stadt Potsdam eingemeindet wurde, war einst einer der größten Orte auf der Potsdamer Insel und besaß früher sogar ein lebendiges Geschäftsviertel.

Resultat von Broschkes Forschungen, die er gemeinsam mit der Chronistin Sabine Geyer vom hiesigen Bürgerverein vorantrieb, ist eine 128 Seiten starke Broschüre, die jetzt unter dem Titel „Die Bornimer Friedhöfe. Ein Spiegelbild der Ortsgeschichte“ in der Reihe „Bornimer Geschichte(n) erschienen ist und viele interessante Details über das Leben und Sterben in dem Ort erzählt.

Broschke lebt seit 1970 in Bornim. Als junger Mann hatte er in Magdeburg den Malerberuf erlernt, an der künstlerischen Fachschule für Malerei studiert und in Bitterfeld als Berufsschullehrer gearbeitet. In Potsdam lehrte er an der Fachschule für angewandte Kunst, die sich in der Schopenhauerstraße befand. Sein Steckenpferd war das Vergolden von Materialien, 1980 machte er sich als Restaurator selbstständig.

Restaurator Klaus Broschke neben dem klassizistischen Grabmal des Oberförsters Megede in der Bornimer Kirche

Restaurator Klaus Broschke neben dem klassizistischen Grabmal des Oberförsters Megede in der Bornimer Kirche.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Irgendwann begann ihn die Ortsgeschichte zu fesseln. „Ich war immer mit alten Dingen konfrontiert, da hat es sich ergeben, wie ein Historiker zu arbeiten“, sagt er. Um die Jahrtausendwende organisierte Broschke eine kleine Ausstellung. Ungefähr zeitgleich erschien der erste Band der „Bornimer Geschichte(n), der sich der 1637 gegründeten Schule des Ortes widmete.

Die Bornimer Kirchenbücher reichen bis ins Jahr 1635 zurück

Nun also der vierte Band, für den Broschke das „ganze Bornimer Archiv“ durchforstete. „Das hat Spaß gemacht“ so der Ortschronist, der sich oft mit Pfarrer Ralf Oswald Schönherr austauschte. Broschke studierte im Domstiftsarchiv Brandenburg/Havel die alten Bornimer Kirchenbücher, die lückenlos bis in das Jahr 1635 zurückreichen. Dabei erfuhr er von der Pest, die im Jahr 1639 auch die zwei Töchter des Pfarrers Ernst Küffner dahinraffte und den Mann an Gott verzweifeln ließ.

Broschke las in der Potsdamer Tageszeitung“ auch von einer Gruft in Bornim: „Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts die alte Kirche noch stand, konnte man die schweren Holzplatten mit den Eisenringen anheben und einen schier gruseligen Blick in die Kirchengruft tun, wo die alten Särge standen, die Hakes und Gröbens und anderer Besitzer.“

Hobby-Historiker Broschke weiß viele interessante Geschichten zu erzählen: Über die Selbstmörderecke beispielsweise, die sich an einem abgelegenen Platz der Kirchenmauer südöstlich hinter dem alten Spritzenhaus befand. Oder über das prunkvolle Grabmal des Oberförsters Megede von 1792, das heute im Innern der Kirche steht. Ja mehr noch, Broschke hat auch enormen Anteil an der Restauration des Grabsteins der Familie Carl Friedrich Michaelis aus dem Jahr 1868 und des Grabmals der Familie Fuhrmann. Beide sind vor der Kirche zu finden.

Im Jahr 1875 wurde der (alte) Friedhof am Hang des Pannenbergs feierlich eingeweiht. Er wird bis heute für Erdbestattungen und Urnenbeisetzungen genutzt. Die Grabstätte der Familie Foerster ist die bekannteste. Sie liegt im Zentrum neben der Friedhofskapelle. Hier wurde auch der international bekannte Staudenzüchter Karl Foerster (1874-1970) beerdigt. Besonders originell ist ein Grabstein, der dem Billardspieler Paul Algner gehört. Das Schriftfeld mit zwei Pfeilern wird durch einen Aufsatz in Form eines Billardtisches gekrönt.

Da Bornim stetig wuchs, 1858 zählte das Dorf gerade 947 Einwohner, 1895 waren es bereits 2349, reichte der Friedhof am Pannenberg alsbald nicht mehr aus. 1899 wurde der neue Friedhof an der Golmer Chaussee geöffnet. Gleich rechts neben der Feierhalle liegen die 36 Erbbegräbnisse. Nach der Eingemeindung von Bornim und Bornstedt 1935 nahm der Bedarf ab, so dass viele Grabstätten trotz des Ablaufes der Ruhezeit belassen wurden. 1945 legte man die Kriegsgräber am Eingang an. Bombenopfer aus Potsdam vom 14. April 1945, Soldaten, die in Potsdamer Lazaretten starben, Zwangsarbeiter und Zivilpersonen wurden hier begraben. 1995 ließ die Friedhofsverwaltung das Kriegsgräberfeld neu gestalten.

Klaus Broschke hat all die Fakten zusammengetragen. Regelmäßig führt er interessierte Gäste über die Friedhöfe. Seine Neugier ist noch längst nicht gestillt. „Ich forsche jetzt über das Kinderheim Bethesda auf dem Hof des Alten Amtshauses“, erzählt er. Das wahrscheinlich um 1650 errichtete Gebäude steht seit 2001 unter Denkmalschutz. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Vier Bände „Bornimer Geschichte(n)“

In den „Bornimer Geschichte(n)“ dokumentieren Mitglieder des Bürgervereins die Historie des Orts.

Vier Publikationen sind bisher erschienen: Die Bornimer Schule 1637-1999 (2000), Das Lustschloss in Bornim (2001), Landwirtschaftlicher Fortschritt in Bornim (2010) und Die Bornimer Friedhöfe (2016).

Jedes Heft kostet zehn Euro. Alle vier Hefte zusammen sind für 35 Euro erhältlich.

www.bv-bornim.de/Publikationen

Von Jens Trommer

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