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Streit um Otto-Braun-Büste am Landtag

Denkmal in Potsdam Streit um Otto-Braun-Büste am Landtag

Hermann Brachert schuf das Original des Denkmals auf dem Potsdamer Otto-Braun-Platz. Einen Hinweis auf ihn sucht man jedoch vergeblich. Das ärgert die Enkelin des Bildhauers. Sie fordert eine Würdigung durch die Stadt.

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Britta Stark und Jann Jakobs bei der Enthüllung der Büste.

Quelle: foto: lHP/schulz

Innenstadt. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr – am 10. November 2015 – fand auf dem neuen Otto-Braun-Platz am Landtag eine feierliche Zeremonie statt: Polit-Prominenz hatte sich versammelt, um der Enthüllung der Otto-Braun-Büste beizuwohnen. Oberbürgermeister Jann Jakobs und Landtagspräsidentin Britta Stark (beide SPD) lüfteten ein Tuch. Darunter kam die Büste des letzten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten des Freistaats Preußen zum Vorschein, samt einer Gedenktafel für den sozialdemokratischen Nazi-Kritiker.

Ein Name fehlte aber: Hermann Brachert. Es findet sich keine Plakette an dem Denkmal. Dabei schuf Brachert 1931 die Büste von Otto Braun, die in der Staatsbibliothek Berlin steht und für Potsdam nachgegossen wurde. Die Nazis verunglimpften Werke des Bildhauers als „entartete Kunst“. Nach dem Krieg war Brachert Rektor der Stuttgarter Kunstakademie. 1961 bekam er das Bundesverdienstkreuz.

2012 gab der betagte Sohn, Thomas Brachert, die Erlaubnis zum Abguss der Braun-Büste für Potsdam – „ohne einen Obolus dafür zu verlangen“, betont die bei Regensburg lebende Bildhauer-Enkelin Felicitas Brachert-Schneider: „Er war der Ansicht, dass er mit dieser Geste Otto Braun und seinem mit diesem schicksalhaft verbundenen Vater Hermann Brachert einen Ehrendienst leisten würde. „Leider wurde die Großzügigkeit meines Vaters nicht honoriert. Man scheint skandalöserweise sogar vergessen zu haben, den Namen des Künstlers auf dem Sockel anzubringen.“ Brachert-Schneider ist Kunsthistorikerin. Der gedankenlose Umgang mit dem Werk ihres Großvaters, dem die Nähe zur Regierung Braun zu Beginn der Naziherrschaft Schwierigkeiten einbrachte, kränkt sie. Auch „Mitteschön“-Aktivist Willo Göpel, der ebenfalls Architekturhistoriker ist und mit Brachert-Schneider über die Büste korrespondiert hat, ist befremdet: „Das Ganze ist einfach schofelig.“

Die Stadt sieht die Zuständigkeit beim Landtag

Bei der Stadt gibt man die Verantwortung weiter: „Die Büste ist vom Landtag zur Verfügung gestellt worden“, heißt es auf Nachfrage. Tatsächlich hatte der damalige Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) 2012 die Schirmherrschaft für die Initiative zur Ehrung Otto Brauns übernommen. Die Kosten für die etwa 8000 Euro teure Kopie stammten zum Großteil von Sponsoren. So lange der Otto-Braun-Platz noch nicht fertig war, wurde die Büste im Parlament aufgestellt.

Zum Thema Brachert sagt Landtagssprecher Mark Weber: „Das Ganze ist sicher keine böse Absicht gewesen.“ Zumal ein Flyer zur Otto-Braun-Büste, den man im Landtag bekommen kann, dem Bildhauer und seinen Verdiensten eine längere Passage widme.

Felicitas Brachert-Schneider wünscht sich hingegen eine kulante Lösung: Ein weiterer Abguss der Büste könnte an das „unter chronischem Geldmangel leidende“ Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg gespendet werden. Der Bildhauer hatte lange in Ostpreußen gelebt. „Etwas mehr Brachert würde der Sammlung sehr guttun“, findet die Kunsthistorikerin. Zur Not täte es auch eine Gips-Variante der Otto-Braun-Büste.

Denkmal vor der großen Kastanie

Hermann Brachert wurde 1890 in Stuttgart geboren. Er starb im Jahr 1972. Der Bildhauer arbeitete in Naturstein, Metall – vor allem Bronze – und Bernstein. Er lebte bis in die 1940er Jahre in Königsberg (heute Kaliningrad).


Im Mittelpunkt des Otto-Braun-Platzes zwischen der Langen Brücke und dem Landtag steht die große Kastanie, die als einziges Relikt der Vorkriegszeit erhalten werden konnte. Die Otto-Braun-Büste steht vor dem Baum.

Von Ildiko Röd

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