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Potsdam Streit um Ernst-Thälmann-Straße
Lokales Potsdam Streit um Ernst-Thälmann-Straße
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10:46 11.09.2018
Pfarrer Wilhelm Stintzing in einer Aufnahme von 2007. Quelle:  
Potsdam/Groß Glienicke

Die Stadt soll die Umbenennung der Groß Glienicker Ernst-Thälmann-Straße in Wilhelm-Stintzing-Straße prüfen. Das hat der Ortsbeirat auf Antrag der Mitglieder Jörg Manteuffel und Norbert Mensch (beide CDU) beschlossen. Vor der Umbenennung, über die noch der Kulturausschuss beraten muss, sollen laut Ortsbeirat die Anwohner befragt werden. Ein Termin war von Rathaussprecherin Christine Homann gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Ernst Thälmann (1886-1944) war von 1925 bis zu seiner Verhaftung 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands. Er ist im KZ Buchenwald erschossen worden. Wilhelm Stintzing (1914-2014) war nach dem Krieg 20 Jahre Pfarrer in Groß Glienicke und betreute bis zum Mauerbau 1961 auch die Gemeindemitglieder des in West-Berlin liegenden Ortsteils Kladow. In seinen letzten Lebensjahren war Stintzing, der den Tag von Potsdam vom 21. März 1933 noch aus eigenem Erleben kannte, ein gefragter Jahrhundertzeuge.

Der deutsche Kommunist und Vorsitzende der KPD Ernst Thälmann in einer Aufnahme aus dem Jahr 1928. Quelle: ADN

Die Umbenennung der Thälmannstraße werde von alteingesessenen Glienickern vorgeschlagen, sagen Manteuffel und Mensch, da diese „zuvor die Kirchstraße war“. Für viele sei hier eine Verbindung mit dem langjährigen Altpfarrer Stintzing gegeben: „Die derzeitige Namensgebung des KPD-Führers Ernst Thälmann“ sei „ohne jedweden Bezug zu Groß Glienicke vorgenommen worden“.

Die Kirchstraße wurde im Oktober 1960 zum 11. Jahrestag der DDR nach Thälmann benannt – zeitgleich mit der Sacrower Allee, die den Namen des ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck (1876-1960) bekam. An der Einmündung der Thälmann- in die Pieckstraße wurde ein Ernst-Thälmann-Platz gestaltet.

Die Wilhelm-Pieck-Straße ist längst zurück benannt worden. Auf dem Thälmannplatz wurde ein privates Wohnhaus errichtet. An der parkähnlich gestalteten Straßenmündung informiert eine Tafel des Ortsbeirates. „Der Umgang mit der Ortsgeschichte ist kein nebensächliches Problem“ schrieb der Ortschronist und heutige Ortsvorsteher Winfried Sträter: „Wir dürfen die Zeitschichten von Groß Glienicke nicht verschwinden lassen.“

Straßenschild in Groß Glienicke. Quelle: Volker Oelschläger

Die Straße ist 250 Meter lang, von Gartengrundstücken meist mit Einfamilienhäusern gesäumt und hat nicht einmal 20 Hausnummern. Die Resonanz der Anwohner auf eine Umbenennung war gestern bei einer MAZ-Umfrage durchwachsen. „Warum sollten sie“, fragte ein vor zehn Jahren aus Spandau zugezogener Mann (48), der seinen Namen nicht nennen wollte. Thälmann sei historisch kein belasteter Name. Ein Nachbar (75), der seit 1943 dort wohnt und seinen Namen auch nicht in der Zeitung sehen will, sagte, ihm sei es egal: „Die Straße bleibt ja dieselbe.“

Heike Lüttich (82) und Ingrid Marten (61) stammen aus Lübeck und kamen vor elf Jahren. Sie begrüßen eine Umbenennung, weil Thälmann historisch umstritten sei. Willi Kittlaus (31), der schon immer dort wohnt, ist dagegen: „Ich sehe nicht, dass so eine Umbenennung unser Land demokratischer machen soll.“ Für Anja Weber (48), die vor 13 Jahren aus Nordrhein-Westfalen kam, ist der Straßenname ein Verweis auf die Ortsgeschichte und die Zeit der deutschen Teilung. Auch sie sei gegen eine Umbenennung.

Erinnerung an Ernst Thälmann in Potsdam

Ernst Thälmann wurde in Groß Glienicke schon vor der Umbenennung der Kirchstraße im Oktober 1960 mit einer Namensverleihung gewürdigt.

Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Groß Glienicke fusionierte 1958 mit der Seeburger LPG zur Groß-LPG „Ernst Thälmann“.

In Babelsberg wurde nach dem Krieg die Großbeerenstraße in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt. Seit Mitte der 1990er trägt sie wieder ihren früheren Namen.

An der Stelle des heutigen Neuen Lustgartens wurde nach dem Krieg das Ernst-Thälmann-Stadion errichtet. Abgetragen wurde es zur Bundesgartenschau 2001. Die Schlossstraße hieß „Am Ernst-Thälmann-Stadion“.

An Ernst Thälmann erinnert nicht zuletzt ein Gedenkstein am Treffpunkt Freizeit, dem früheren Pionierhaus am Neuen Garten.

Von Volker Oelschläger

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