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Student deponierte Messer unterm Kopfkissen

Messer-Attacke auf Polizisten Student deponierte Messer unterm Kopfkissen

Aus Sicht der Anklage ist der Tat-Ablauf klar: Der Potsdamer Student Dominic B. hat einen Polizisten in Mordabsicht mit einem Küchenmesser attackiert und sich anschließend selbst verletzt. Die Verteidigung versucht nach dem Prozessauftakt vor dem Landgericht eine andere Variante ins Spiel zu bringen.

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Ein Student steht ab Donnerstag in Potsdam wegen versuchten Mordes an einem Polizisten vor Gericht.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Er trägt ein blau-weiß-kariertes Hemd unter der schwarzen Windjacke mit Kapuze. In den Händen, die mit Handschellen gefesselt sind, hält Dominic B. einen Jutebeutel als er am Donnerstagmorgen den Saal 8 des Potsdamer Landgerichts betritt. Ein normaler Student, könnte man meinen. Wären da nicht die Handfesseln. Der unauffällig gekleidete 25-Jährige wirkt gefasst. Sein Blick scheint betont selbstbewusst für jemanden, dem schwere Vergehen vorgeworfen worden: versuchter Mord und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall.

Es ist der 16. April 2015 als sich die Streifenwagen-Besatzung der Polizeiinspektion Potsdam auf dem Weg zum Schillerplatz in der Brandenburger Vorstadt macht. Gegen Dominic B., Student für Produktdesign an der Fachhochschule Potsdam, liegt eine Anzeige vor. Der gebürtige Potsdamer soll im Intranet der FH Todesdrohungen verbreitet haben. Die Beamten, insgesamt drei, sind gekommen, um den jungen Mann nach einer Anzeige festzunehmen.

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Der Polizist musste drei Stunden notoperiert werden

Dominic B. lässt die Polizisten in die Wohnung. Er sei seit dreieinhalb Monaten in psychiatrischer Behandlung, leide an Schizophrenie, erklärt er den Polizisten laut Anklage. Dann fragt er, ob er im Schlafzimmer noch seine Hose wechseln könne vor der Abfahrt. Die Polizisten bejahen. Einer begleitet Dominic B. ins Schlafzimmer, der andere wartet auf dem Flur. „Plötzlich griff er unter sein Kopfkissen, wo er das Küchenmesser deponiert hatte“, so Staatsanwalt Jörg Möbius bei der Verlesung der Anklageschrift. Mit Tötungsvorsatz habe B. das Messer mit einer 32 Zentimeter langen Klinge in Rücken und Hals des Polizisten gerammt – mit solcher Kraft, dass es an der rechten Halsseite wieder ausgetreten sei. Der zum Tatzeitpunkt 30 Jahre alte Polizist sei stark blutend zu Boden gegangen. Der lebensgefährlich Verletzte musste drei Stunden im Klinikum Ernst von Bergmann notoperiert werden. Sein Leben wurde von den Ärzten gerettet. Doch ein richtiges Leben sei es nicht mehr, das der Kollege jetzt führe, hieß es in Polizeikreisen schon vor Prozessbeginn: Der junge Streifenpolizist sei seitdem dienstunfähig, leide noch immer an den physischen und psychischen Folgen der Attacke, die laut Staatsanwaltschaft gestoppt wurde, weil der zweite Polizist seine Dienstwaffe zückte und den Angreifer aufforderte, das Messer wegzulegen – sonst würde er schießen.

Schuldunfähig wegen Schizophrenie

Dominic B. habe sich dann hingesetzt und sich selbst in Bauch und Oberschenkel gestochen, so Staatsanwalt Möbius in seinen Ausführungen. Ob in Selbsttötungsabsicht blieb unklar, die Verletzungen seien schwer gewesen. Per Unterbringungsbefehl des Amtsgerichts Potsdam war B. am 29. April in die Forensische Psychiatrie in Brandenburg/Havel eingewiesen worden, wo er seitdem untergebracht ist. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 25-Jährige aufgrund seiner Schizophrenie zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Ein Gutachter, der dazu befragt werden soll, war am Donnerstag verhindert.

Der Maßregelvollzug

Die Frage der Schuldfähigkeit spielt in dem Prozess eine wichtige Rolle.

Dominic B. war laut Staatsanwaltschaft zum Tatzeitpunkt schuldunfähig. Bei einer Verurteilung und einer Bestätigung der Schuldunfähigkeit käme der Student nicht in eine Haftanstalt, sondern in den Maßregelvollzug.

Im Maßregelvollzug , auch forensische Psychiatrie genannt, werden psychisch kranke Rechtsbrecher untergebracht, die als schuldunfähig gelten, bei denen zugleich aber eine weitere Gefährlichkeit zu erwarten ist.

„Er bekommt Medikamente“, sagt Dominic B.s Anwalt Karsten Beckmann nach dem kurzen Prozessauftakt über seinen Mandanten. Nicht nur die Frage der Schuldfähigkeit sei wichtig, sondern jene, ob es sich tatsächlich um versuchten Mord handle oder aber um eine gefährliche Körperverletzung. Im Unterbringungsbefehl für die Psychiatrie sei noch von versuchtem Totschlag die Rede gewesen. Er gehe nicht davon aus, dass sein Mandat in Tötungsabsicht gehandelt habe. Ebenso fraglich für den Verteidiger: Hat Dominic B. sich tatsächlich selbst verletzt? „Mein Mandant kann sich jedenfalls nicht daran erinnern, sich die Verletzungen selbst zugefügt zu haben“, so Beckmann. Die Möglichkeit, dass der Student von einem der Polizisten verletzt wurde, dürfe aus seiner Sicht nicht völlig außer Acht gelassen werden.

Der Prozess wird kommenden Donnerstag fortgesetzt. Ein Urteil wird Ende Februar erwartet.

Von Marion Kaufmann

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