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Potsdam Suche nach Garnisonkirchen-Glocken läuft
Lokales Potsdam Suche nach Garnisonkirchen-Glocken läuft
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08:29 06.06.2014
Siegfried Meissner mit einer "Nummer 5". Quelle: Ulrich Wangemann
Potsdam

Allein sieben kleine Bronzeglocken wurden der MAZ am Donnerstag von fünf Besitzern gemeldet. Ob die nummerierten Bronzestücke tatsächlich aus der Kirche stammen, ist unklar (MAZ berichtete), doch eint alle Besitzer der Wunsch, die Kirche möge eines Tages wieder stehen.

Siegfried Meissner (78) ist sich ziemlich sicher, dass er die Glocke mit der Nummer "5" aus den Trümmern der Garnisonkirche geborgen hat. Meissner hat ein enges Verhältnis zu dem Gotteshaus, wurde 1935 darin getauft. Seine Familie hatte eine Fleischerei schräg gegenüber an der Breiten Straße - der Großvater belieferte den Kronprinzen in Cecilienhof. Vor dem Geschäft stand der junge Siegfried, als der Kirchturm Feuer fing. "Mein Bruder und ich sahen zu, bis uns meine Eltern ins Haus holten", sagt der spätere Konsum- Betriebsdirektor für den Bereich Fleischverarbeitende Industrie.

Die Kirche hat Meissner oft nach der Zerstörung besucht. "Wir hatten eine Bande, unser Revier waren Breite Straße und Lustgarten", erzählt er. Auch in die Gruft sei er hinabgestiegen. 1955 dann heiratete sein Bruder in dem Gotteshaus. Die Sache mit der Glocke ist für Siegfried Meissner klar: "Ich bin Christ, ich gebe sie zurück!" Die Glocke war bei den Meissners vor allem dazu da, dass kranke Familienmitglieder vom Bett aus nach Hilfe klingeln konnten. Mit einem jungen Wiederaufbau-Gegner hat Siegfried Meissner kürzlich auf der Straße diskutiert. Ganz höflich sei der gewesen, berichtet Meissner, ergänzt aber: "Die wissen doch gar nicht, wie Potsdam einmal ausgesehen hat."

Birgit Fratzsche mit der "8". Quelle: Ulrich Wangemann

Eine dunkle kleine Glocke mit der Nummer "8" hat Birgit Fratzsche aus Babelsberg von ihrem Vater Paul Plath geerbt. Der war SPD-Politiker und Bauunternehmer, hat in Babelsberg und anderswo etliche Häuser errichtet. Mit dem Glöckchen spielte Paul Plath Weihnachtsmann - oder er rief die Familie, wenn das Grillfleisch im Garten durchgebraten war. Einen nachweisbaren Bezug zur Garnisonkirche gibt es nicht, aber Birgit Fratzsche möchte den Glockenfund als Geste im Sinne des Wiederaufbaus verstanden wissen. "Die Garnisonkirche gehört einfach zur Geschichte Potsdams", sagt die Heilpädagogin.

Ein Glöckchen mit der Nummer "3" hat die Rehbrückerin Sonja Teickner noch aus dem Nachlass ihres Schwagers, des Heimatforschers Klaus Teickner. Der war aktiv in der jungen Gemeinde, hat viele Fotografien der zerbombten Stadtmitte hinterlassen.

Wie gemeldet, hingen im Garnisonkirchenturm nur Glocken ab einem Durchmesser von 18 Zentimetern. Kleinere Glöckchen waren Teil des Instrumentariums der Wagner-Orgel. Das Experten-Urteil zur Echtheit steht aus.

Von Ulrich Wangemann

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