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„Superfood gibt es kostenlos am Wegesrand“

Potsdamer Heilpraktikerin gibt Tipps zur Schnupfensaison „Superfood gibt es kostenlos am Wegesrand“

Teure Pulver aus der Apotheke? Um die halbe Welt gekutschte Superbeeren? Das muss nicht sein, meint Susanne Hackel. Die Potsdamer Heilpraktikerin setzt auf die Kraft der heimischen Natur. Im MAZ-Gespräch verrät sie, wie man jetzt ohne große Mühen und Kosten sein Immunsystem stärken kann – und welche guten Helferlein am Wegesrand wachsen.

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Susanne Hackel setzt auf die Heilkräfte von Kräutern, Beeren und Wurzeln.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Brandenburger Vorstadt. Wenn die Jahreszeiten wechseln, haben Schnupfen, Husten und Co. Hochsaison. Wer sich schützen möchte, muss aber nicht unbedingt in die Apotheke gehen. Manchmal hilft schon ein Spaziergang mit offenen Augen, Schere und Körbchen durch Potsdam. So macht es die Heilpraktikerin Susanne Hackel. Sie weiß, welche Kräuter helfen, das Immunsystem zu stärken und gibt ihr Wissen in Kursen weiter.

Das große Schniefen hat begonnen – ist dagegen ein Kraut gewachsen?

Susanne Hackel: Oh ja – dagegen sind sogar viele gewachsen. Wer jetzt kalt und durchgefroren nach Hause kommt, weil er vielleicht noch nicht die richtige Jacke getragen hat, dem empfehle ich heißen Holundersaft zu trinken. Ich würze ihn gern mit Apfel- oder Johannisbeersaft, mit Honig und Zimt. Der Saft durchwärmt und regt das Schwitzen an. Man kann natürlich auch in die Wanne gehen. Das Wasser versetzt man mit Thymian. Man nimmt am besten nicht das Kraut, sondern ein ätherisches Öl, verrührt es mit Milch oder Sahne und gibt den Mix ins Wasser – das tut auch der Haut gut. Wer’s eine Nummer kleiner mag, der nimmt ein Fußbad, auch das regt den Kreislauf und die Durchblutung an. Als Erkältungstee empfehle ich Holunder- und Lindenblüten – sie sind schleimlösend, befeuchten die Schleimhäute und regen die Durchwärmung an – das Immunsystem arbeitet besser warm. Man kann auch Weißdornblüten und -blätter hinzufügen, das stärkt das Herz.

Worauf sollte man setzen, um die Abwehrkräfte zu stärken?

Hackel: Natürlich kommt es auf eine gesunde Lebensführung an. Dazu gehört, regelmäßig an die frische Luft zu gehen. Nicht zu vergessen: Vitamin C und zwar viel und regelmäßig davon. Es muss aber nicht immer die Zitrone sein. Es gibt viele heimische Pflanzen, die reich an Vitamin C sind – Sanddorn zum Beispiel und Hagebutten. Wer es mag, kann auch Knoblauch nutzen, um das Immunsystem zu unterstützen – das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Eine schnelle und einfache Möglichkeit, ist frischer Ingwertee. Mein Tipp: Legen Sie Ingwerscheiben in Honig ein, dann haben Sie immer einen kleinen Vorrat zur Hand und auch der Honig schmeckt vorzüglich.

Was gehört jetzt unbedingt in die Hausapotheke?

Hackel: Ich greife gern auf eine Sache zurück, die vieles auf einmal abdeckt. Auf ätherisches Lavendelöl zum Beispiel. Man kann es leicht kaufen und breit einsetzen – sowohl innerlich als auch äußerlich. Es ist schmerzlindernd, entzündungshemmend und nervenstärkend. Bei Husten kann man damit Brustumschläge machen, bei innerer Unruhe und Schlafstörungen träufelt man es aufs Kopfkissen. Man kann es ins Bad oder auf Wickel geben. Es hilft bei leichten Verbrennungen. Auch Holunderblütentee und -sirup sind jetzt in der Schnupfenzeit gute Partner in der Hausapotheke.

Die Apotheken und Drogerien sind voll von Tabletten, Pülverchen, Säften und Tropfen: Wie sind Sie da eigentlich auf Heilpflanzen gekommen?

Hackel: Ich bin in Havelberg groß geworden – mitten in der Natur sozusagen. Meine Oma hat mir viel gezeigt, daher kannte ich von klein auf viele Kräuter und es war für mich immer selbstverständlich, sie auch zu nutzen. Richtig darauf gekommen bin ich allerdings erst während der Heilpraktikerausbildung. Als ich viel pauken, viel auswendig lernen musste, bin ich zum Ausgleich und um Ruhe zu finden, oft raus ins Grüne gegangen. Die Natur zu genießen – das ist die Basis des Ganzen.

Sie geben Ihr Wissen in Kursen weiter – wer kommt zu Ihnen?

Hackel: Viele Frauen und ab und zu auch Männer. Die Altersspanne reicht von 20 bis 70. Die Beweggründe sind breit gestreut. So finden viele der Kursteilnehmer erst einmal zu mir, weil sie sich für Heilpflanzen interessieren. Es gibt Teilnehmer, die sich mit ihrer Ernährung auseinandersetzen und zum Beispiel die Kräuter für ihre grünen Smoothies nicht mehr im Supermarkt kaufen, sondern lieber selbst sammeln wollen, aber eine Anleitung brauchen. Andere möchten gern Gleichgesinnte treffen und sich vernetzen. Oft besuchen Leute die Kurse, die einen eigenen Garten haben und die Pflanzenwelt noch einmal neu kennenlernen wollen.

Nicht jeder hat einen Garten – welche Helferlein kann man denn beim Spaziergang durch einen unserer schönen Potsdamer Parks jetzt noch entdecken?

Hackel: Man kann unterwegs sehr viel aufpicken. Das Superfood, von dem gerade alle sprechen und das von sonstwo importiert wird, gibt es bei uns kostenlos überall am Wegesrand. Die einen sagen Unkräuter dazu, die anderen Beikräuter: Brennnesseln, Spitzwegerich, Löwenzahn und Co. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht wahnsinnig viel. Im Moment können wir noch Hagebutten und Berberitzen ernten – damit wären wir wieder beim Vitamin C und bei Mitteln gegen Erkältungsbeschwerden. Demnächst sind die Schlehen an der Reihe.

Das Laub fällt, der Winter in Sichtweite – was haben Sie als Kräuterfrau in den nächsten Monaten zu tun?

Hackel: Im Winter ist meine Kreativität gefordert, denn die Kurse orientieren sich an dem, was die Natur einem gerade bietet. Die Kurse widmen sich nun anderen Themen: Ich stelle das Räuchern vor und Stimmungsaufheller für die dunkle Jahreszeit. Vor Weihnachten arbeiten wir auch an kleinen Sachen zum Verschenken – zum Beispiel stellen wir Peelings, Kräuterseife, Brotaufstriche und Gewürzsalze her.

Haben Sie ein Lieblingskraut?

Hackel: Ich grabe unheimlich gern Wurzeln aus – das ist wie auf Schatzsuche zu gehen. Es ist die Königsklasse, denn man muss sich wirklich gut auskennen. Wenn die Pflanzen ihre Blüten und Blätter abgeworfen haben, gehe ich mit dem Spaten los. Ich mag die Angelikawurzel – auch einheimischer Ginseng genannt – unheimlich gern. Sie ist sehr bitter, enthält viel ätherisches Öl und kann einfach alles: die Verdauung optimieren, das Immunsystem anregen, die Leber entstauen und entgiften. Nicht umsonst wird sie auch Engelwurz genannt – sie ist wirklich ein Schutzengel. Ich fahre dafür immer in Richtung Ostsee, denn hier habe ich bisher nur eine einzige Pflanze in der Havelbucht entdeckt. Die grabe ich natürlich nicht aus, denn ich möchte ja den Bestand nicht gefährden.

Natürliche Heilmittel

Die Heilpraktikerin Susanne Hackel ist 36 Jahre alt. Sie ist in Havelberg (Sachsen-Anhalt) aufgewachsen, lebt seit 1998 in Potsdam und ist Mutter zweier Kinder. Ihre Ausbildung hat sie an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin absolviert. Ihre Praxis ist in der Nansenstraße 18 zu finden.

In Kräuterkursen und bei Entdeckertouren stellt Susanne Hackel regelmäßig Heilpflanzen vor und weiht Interessierte in die Geheimnisse der Natur ein. Der nächste Abendkurs mit acht Terminen beginnt am 17. November; dabei geht es um Heilpflanzen und ihre Wirkungen, um Kräuter für die kalte Jahreszeit, um Rezepte für Tees und Räucherwerk. Am 19. November findet ein Tageskurs zu Heilpflanzen und naturheilkundliche Hausmittel für die Familie statt.

„Vom Garten in den Topf“, die beliebte Veranstaltungsreihe im Volkspark, bei der jeder Termin einer Farbe gewidmet ist, findet wieder am 12. November, 14 Uhr, statt. Thema dieses Mal bei den Gartenpiratinnen Susanne Hackel und Karen Münzner: Unbezwinglich Rauchgrau.

Anmeldungen sind unter info@susannehackel.de möglich.

Von Nadine Fabian

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