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Potsdamer Synagoge soll ein Café bekommen

Naht Einigung im Endlosprojekt? Potsdamer Synagoge soll ein Café bekommen

Die Synagoge in der Schlossstraße unweit des Potsdamer Landtags könnte ein offener Treffpunkt für die Stadtgesellschaft werden. Auch bei der lang umkämpften Gestaltung der Fassade zeichnet sich eine Einigung ab. Nun wurden die neuen Skizzen von Architekt Jost Haberland vorgestellt.

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So könnte es mal aussehen: Blick auf das Filmmuseum mit der neuen „bekrönten“ Synagoge im Hintergrund.

Quelle: Röd

Innenstadt. Die Synagoge, die in der Schlossstraße gegenüber vom Filmmuseum und nur einen Steinwurf entfernt vom Landtag geplant ist, soll ein offener Ort werden – und zwar nicht nur für Juden, sondern für alle Potsdamer und Touristen. Sogar ein allgemein zugängliches Café könnte es im Veranstaltungssaal geben. Das erklärte der Synagogen-Architekt Jost Haberland am Mittwochabend bei einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft Synagoge: „Es ist die Frage, wie sich die Synagoge im Erdgeschoss der Öffentlichkeit zuwenden kann – das ist ein sehr spannendes Thema.“

Café noch unter Vorbehalt

Allerdings steht der Vorschlag eines Cafés in der Synagoge noch unter dem Vorbehalt der polizeilichen Einschätzung – immerhin stehen jüdische Einrichtungen in Deutschland unter besonderem Schutz mit hohen Sicherheitsvorkehrungen. Beispiel „Neue Synagoge“ in Berlin-Mitte: Das Gebäude wird von Polizisten bewacht; zwei Reihen stabile Metallpoller sichern es zur Straße hin ab.

Das Potsdamer Modell erscheint Haberland aber praktikabel, denn: Der Zugang zum Betraum, den Aktivitätsräumen, den Büros und der Dachterrasse wäre über einen separaten, zusätzlich gesicherten Eingang neben dem Café möglich. Auch architektonisch könnte es ein Bau werden, der sich der Stadtgesellschaft zuwendet – anders als etwa die Synagogen in Dresden und München, die als Monolithen mit massiven Mauern den Eindruck der Abschottung unterstützen. Ud Joffe, Vorsitzender der Synagogengemeinde, stellte am Mittwoch die rhetorische Frage: „Wollen wir hinter einer 50 Zentimeter dicken Wand sitzen?“

Fassadengestaltung wird in Workshops diskutiert

Wie die Fassade aussehen wird, soll in den nächsten Wochen in kleinen Workshops mit Teilnehmern der Jüdischen Gemeinde und der Synagogengemeinde diskutiert werden. Jahrelang hatte die Fassade im Kreuzfeuer des Synagogenstreits der Gemeinden gestanden – nun zeichnet sich auch hier eine Einigung ab, nachdem der Zwist selbst bereits 2016 beigelegt wurde. Ende April will man sich auf zwei Auswahlvarianten für das Äußere geeinigt haben. Bis zum Sommer soll die Entwurfsphase abgeschlossen sein.

Mehrere Varianten für die Fassadengestaltung

Am Mittwoch präsentierte Haberland etliche Skizzen, die vier mögliche Architekturvarianten zeigten:

Als erstes die „unauffällige“ Variante, wo die Synagoge von außen kaum als solche wahrnehmbar ist – nach dem Vorbild der venezianischen Synagogen, die nur an den besonderen Fenstern als solche erkennbar sind. Variante 2 zeigt die Monumentalbauten wie in Dresden und München. Hier stellte Haberland eine Skizze mit einer Fassadenstruktur vor, die an die Steine der Jerusalemer Klagemauer erinnert. Variante 3 – „ornamental“ – verweist auf das Beispiel der Bochumer Synagoge, deren Fassade von stilisierten Menora-Leuchtern und Davidssternen geziert wird. Variante 4 ist die offene Synagoge.

Eine Krone für die Synagoge

Für Potsdam schwebt Haberland auch eine Art Krone vor, die sich über dem Sakralbereich erheben und über das allgemeine Dachniveau der Straße hinausragen würde. Die aus Transparentmaterial bestehende Krone könnte nachts beleuchtet sein und tagsüber mit dem einfallenden Licht spielen. Der Höhenunterschied zu den Nachbargebäuden würde dem historischen Straßenbild entsprechen.

Joffe zeigte sich aufgeschlossen für diese Idee – Stichwort allgemeine Wahrnehmbarkeit der Synagoge: „Wenn der Bau höher ist, sehen das 100 000 Augen in der Stadt.“

Die Synagoge wird wohl erst 2022 fertig. Gemäß einem Plan des Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen soll im Frühjahr oder Sommer 2020 Baustart sein; vorausgesetzt, es liegt bis zum Sommer ein Konzept für den Bau vor. Bereits am 9. November 2018 soll zum Jahrestag der Pogromnacht der symbolische Grundstein gelegt werden.

Von Ildiko Röd

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