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Potsdam Syrische Familie in Potsdam bangt um kranken Vater
Lokales Potsdam Syrische Familie in Potsdam bangt um kranken Vater
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06:04 31.08.2018
Zu Hause in Potsdam West: Maher Bader (33) mit seiner Tochter Faten (5) und seiner Mutter (48), die ebenfalls Faten heißt. Quelle: Martin Müller
Potsdam

An einem Abend im Juni hat Maher Bader den Krieg für ein paar Minuten vergessen. Die deutsche Elf gab bei der Fußball-WM in Russland ihren quälenden Einstand und Maher Bader quälte sich vor dem Fernseher mit. „Warum hatte ich Sorge, dass Deutschland das Spiel verliert?“, fragt Maher Bader. „Weil Deutschland unser neues Heimatland ist. Vielleicht.“

Vielleicht – das ist ein Wort, das Maher Bader gern aus seinem Wortschatz streichen würde. Vielleicht ist nicht freundlich. In einem Moment macht es Hoffnung, im nächsten stößt es einen vor den Kopf. Vielleicht vertraut nicht. Es ist argwöhnisch. Es ist feige. Aber Vielleicht ist überall, wohin sich Maher Bader auch wendet. „Vielleicht“, sagt sich der 33-Jährige Tag für Tag, „vielleicht schaffen wir es ja doch, meinen Vater zu uns zu holen. Das wäre das größte Glück. Vielleicht müssen wir aber auch wieder zurück. Das wäre eine Katastrophe. Glauben Sie mir – wir haben keine Wahl.“

Der Vater bleibt zurück

Syrien 2015. Fünfzigtausend Tote allein in diesem Jahr – es ist das fünfte, in dem der Krieg tobt. Es ist das Jahr, in dem Maher Bader beschließt, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Sicherheit, das ist für ihn gleichbedeutend mit Deutschland. „Deutschland war von Anfang an das Ziel“, sagt der 33-Jährige. „Wir wussten, dass Deutschland hilft.“

Die Baders sind eine große Familie. Ein Bruder war schon vorausgegangen. Onkel und Cousins haben sich durchgeschlagen. Nun packen auch Maher Bader, seine Frau, Tochter und Mutter das Nötigste zusammen. Der Vater aber bleibt in Damaskus zurück. „Er hat ein krankes Herz“, so Maher Bader. „Er hätte es nicht übers Meer geschafft.“

Glück im Chaos

Die Reise an die türkische Küste, die eine der traurigsten Europas ist, beginnt für die Baders mit dem Bus nach Beirut. Von dort aus fliegen sie in die Türkei. Mit einem der Flüchtlingsboote setzen sie nach Griechenland über. Ein kurzes, aber gefährliches Stück auf ihrer langen Flucht. Drei Stunden dauert die Fahrt durch die Nacht. Maher Bader steuert: „Immer auf ein kleines Licht zu“. Die See bleibt ruhig. Alles geht gut. Drei Wochen später erreicht die Familie Passau. Der Bruder in Cottbus rät, es nach Brandenburg zu versuchen. In der Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt herrscht Chaos, doch die Baders haben erneut Glück – nach nur einem Tag geht es für sie weiter nach Potsdam. Hier leben sie nun in einem Plattenbau in West. Ihre Nachbarn sind Deutsche und Russen. „Das ist gut“, sagt Maher Bader. „Wenn wir Syrer unter uns bleiben, reden wir zu viel über die Heimat. Das macht traurig.“

Der Kampf mit den Behörden

Die Baders sind anerkannte Flüchtlinge. Ihnen wurde eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis erteilt – sie umfasst das Recht, engste Angehörige nachzuholen. Aber das ist alles andere als einfach. Seit mehr als zwei Jahren bemüht sich die Familie darum, dass der Vater ausreisen kann. Das bedeutet viel Papier und langes Warten. Wenn Maher Bader vom Ringen mit den Behörden berichtet, wenn er all die großen und kleinen, erwarteten und unerwarteten Anstrengungen aufzählt, ist es schwer zu folgen und das liegt nicht an Maher Baders Deutsch – er ist mit der fremden Sprache schnell warm geworden. Es liegt am Verfahren an sich, am unüberschaubaren Weg durch die Instanzen. „Wir machen, was die Behörden wollen und kommen doch nicht weiter“, sagt Maher Bader. „Ich habe keine Hoffnung mehr. Aber ohne Hoffnung kann man nicht leben.“

Bunte Bilder und ein Film

Zum Glück sind da die Kinder! Raya ist in Potsdam geboren; der Name bedeutet „Paradies“. Faten ist in der Vorschule. An die Flucht erinnert sie sich nicht mehr. Die Bilder, die sie malt, sind heiter und bunt und voller Prinzessinnen. Auch Maher Bader lernt wieder: Auf der Medienschule Babelsberg absolviert er eine Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten. Gerade hat er ein Praktikum an der Filmuni gemacht, wo er gern Kamera und Regie studieren würde. Er wolle seine Geschichte, die Geschichte Syriens und der Flüchtlinge im Film erzählen. In einer dieser Geschichten könnte es auch um einen Herren gehen, der eine zerstörte Wohnung in einem zerstörten Land hütet und auf die Nachricht wartet, dass er seine Familie wieder umarmen und in Frieden alt werden darf.

Weniger Geflüchtete in Potsdam

Die Landeshauptstadt hat 2018 bisher 89 Flüchtlinge aufgenommen: 37 über Erstaufnahmestellen und fünf aus anderen Landkreisen, hinzu kommen 47 Geburten von Geflüchteten im Asylverfahren. Bis Jahresende erwartet Potsdam noch 25 Geflüchtete.

Aus Syrien kamen die meisten der neu zugewiesenen Geflüchteten (15).

Die Zahl der Geflüchteten nimmt ab. 2015 kamen 1494 nach Potsdam, 2016 waren es 661, 2017 noch 373. Abschiebungen gab es laut Stadt im Jahr 2017 keine. Nach Dublin-Verordnung verließen 32 Personen das Land. Weitere 69 sind 2017 auf Beratungen zur freiwilligen Ausreise eingegangen. nf

Von Nadine Fabian

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