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Potsdam Syrische Frauen besuchen Fahrradkurs
Lokales Potsdam Syrische Frauen besuchen Fahrradkurs
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00:18 31.01.2018
Die Frauen wurden für ihre Lernerfolge auf dem Fahrrad geehrt. Sie alle haben einen Fahrradhelm bekommen. Quelle: Annika Jensen
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Schiffbauergasse

Fünf syrische Frauen stehen vor dem Autonomen Frauenzentrum. Es ist ein grauer Nachmittag. In ihrer Mitte stehen drei Fahrräder. Sie debattieren, wer als erstes aufspringt. Im Mai vergangenen Jahres sah das noch anders aus. Jede drückte sich davor, aufzusteigen und in die Pedale zu treten. Zu groß war die Angst. Nun, zehn Monate später und nach mehr oder weniger regelmäßigem Training haben sie die Scheu verloren.

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Seit Mai letzten Jahres lernen knapp 30 Frauen in der Schiffbauergasse das Fahrradfahren. Der Flüchtlingshilfeverein „Hand in Hand“ hat den Kurs initiiert. Mit dem Fahrradcoach Alexander Wietschel hatten die Frauen großen Spaß, trotz manchen Sturzes.

Es geht nicht nur ums Fahrradfahren

Die Syrerinnen sind Teil des Fahrradkurses für Frauen, den der Verein „Hand in Hand“ in Kooperation mit dem Verein „Hilfe durch Aufklärung und Bildung“ und dem Frauenzentrum organisierte. Im Laufe der Monate haben sich 30 Frauen auf die Drahtesel getraut und, die eine schneller, die andere langsamer, das Fahrradfahren gelernt. Unterrichtet wurden sie von dem Fahrradcoach Alexander Wietschel. Der Begriff „Coach“ beschreibe treffend, dass es eben nicht nur um das Fahrradfahren gehe, so Wietschel. „Die Frauen lernen auch, autonom zu entscheiden, denn auf dem Fahrrad sind sie nur für sich“, sagt Wietschel. „Und letztlich spielt da auch das Selbstvertrauen und die Selbstwahrnehmung eine große Rolle.“

Der Verein „Hand in Hand“

Der Verein ist in der Flüchtlingshilfe in Potsdam aktiv. Mit ihren Projekten wollen die Mitglieder die Integration jener Menschen unterstützen.

Es gibt gemeinsame Kochabende, Ausflüge in das Umland, Schülerhilfe und das Fahrradtraining. Bei all ihren Projekten sind sowohl Geflüchtete als auch Potsdamer eingeladen. Darauf legen sie Wert: Alt- und Neu-Potsdamer sollen zusammenkommen.

Vorstandsvorsitzende ist unter anderem Annalena Baerbock. Sie wurde gerade zur Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen gewählt.

Gleich zu Anfang hat sich die Gruppe ein Motto gesetzt. Immer, wenn eine von ihnen kurz vor der Verzweiflung stand und Ansporn brauchte, riefen die anderen: „Dousi, dousi“. Das ist Arabisch und heißt so viel wie „drücken, drücken“. Im Zusammenhang mit dem Radfahren lässt es sich aber eher mit „treten, treten“ übersetzen.

Es gibt viele Gründe, warum Frauen in Syrien kaum Fahrrad fahren

Viele der Teilnehmerinnen kommen aus Syrien. Dass es in dem Land für Frauen unüblich ist, mit dem Fahrrad zu fahren und sie es deswegen gar nicht erst lernen, hat viele Gründe. „Jungs könnten der Frau hinterherlaufen“, sagt die 25-jährige Alaa. Auch sie hat bei Wietschel das Fahren gelernt. „Für viele sieht es sexy aus.“ Es hänge aber auch davon ab, wo die Frau lebt – ob in der Stadt oder auf dem Land. So sei eine fahrradfahrende Frau in der Stadt keine Ausnahme. Aber es hänge auch davon ab, welche Stadt es ist. Eine Kursteilnehmerin erzählt, dass es in ihrer Heimatstadt Damaskus in Ordnung sei, aber das sei eben bei Weitem nicht in jeder Stadt so. Auf dem Land hingegen ist die Situation überall sehr ähnlich. In den Dörfern sind die traditionellen Strukturen, die Frauen das Fahren mit dem Fahrrad verbieten, noch sehr dominant. „Auch die Familie muss es akzeptieren. In vielen Fällen braucht die Frau das Einverständnis des Ehemannes“, sagt Alaa.

In ihrem Kurs bei Alexander Wietschel scheinen die Frauen all diese Zwänge hinter sich gelassen zu haben. In den Erzählungen und auch beim Fahren vor dem Frauenzentrum ist ihnen schnell anzumerken: Sie haben großen Spaß und verstehen sich glänzend. Viele kannten sich schon vorher aus einem Kochkurs, den der Verein „Hand in Hand“ anbietet. Dort entstand auch die Idee. „Eines Abends haben wir uns gedacht: Wir könnten doch mal eine Fahrradtour machen“, erzählt Frauke Havekost. Sie ist Vorstandsmitglied im Verein und hat den Fahrradkurs organisiert. „Doch dann mussten wir feststellen, dass die meisten Frauen gar nicht fahren konnten. Also habe ich mich umgehört, wer es ihnen beibringen könnte, und bin auf Alexander gestoßen.“ Sie sei sehr glücklich gewesen, als er sofort zugesagt hatte.

Radfahren als Form der Integration

Das waren auch die Frauen selbst. Am Sonntag haben acht von ihnen, die das Radfahren von der Pike auf gelernt haben, im Frauenzentrum eine Ehrung erhalten. Ihr Dank ging besonders an Wietschel. „Ohne ihn wäre ich nie so weit gekommen“, sagt Alaa. „Ich bin sehr stolz auf mich und die anderen Frauen. Denn für mich bedeutet das Fahrradfahren auch Integration. In Potsdam ist es einfach sehr wichtig.“ Alle acht Frauen haben einen Fahrradhelm, einen Gepäckträger und eine Fahrradtasche bekommen, auf der groß die zwei Worte zu lesen sind: „Dousi, Dousi“.

Von Annika Jensen

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