Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Szenelokal „Leander“ feiert 20. Geburtstag
Lokales Potsdam Szenelokal „Leander“ feiert 20. Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:17 02.12.2018
Jirka Witschak im Oktober 2005 unter dem Werbeplakat für die Ausstellung zum 56. Jahrestag der DDR im „Leander“. Quelle: Joachim Liebe
Innenstadt

Zur Geburtstagsfeier holt das Szenelokal „Leander“ im Holländischen Viertel am Freitag noch einmal die „Straße der Besten“ aus dem Schrank. Die seltsame Kunstaktion zum 56. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 2005 hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil die Staatsanwaltschaft die Plakate von Polit-Prominenz wie Edmund Stoiber, Guido Westerwelle, Jörg Schönbohm, Oskar Lafontaine und Hans-Jürgen Scharfenberg wegen „Herabwürdigung von Personen des öffentlichen Lebens“ beschlagnahmen ließ. Der Grund: Versehen mit dem DDR-Emblem, waren den Politikern fiktive Lebensläufe im Sozialismus zugeordnet – Stoiber als Agitator in der Sendung „Der schwarze Kanal“, Westerwelle als FDJ-Sekretär, Scharfenberg als Betonfacharbeiter.

Ministerpräsident Manfred Stolpe, Königin Beatrix und hinter ihr Hape Kerkeling als ihr Double am 25. April 1991 im Holländischen Viertel. Quelle: MAZ/Christel Köster

Eröffnet am 10. Juli 1998, hatte der Wirt und Schwulen-Aktivist Jirka Witschak das „Leander“ in kürzester Zeit als bekanntesten Treff von queerer und alternativer Szene in Potsdam etabliert. Touristisches Markenzeichen des „Leander“ ist der Queensday zum alljährlichen Tulpenfest. 2003 ließ er seine Kellner erstmals im Frau-Antje-Kostüm antreten. Damit schlug die Geburtsstunde der größten Tuntenparty im Land Brandenburg. Die Tradition einer auf das holländische Königshaus gemünzten Travestie reicht allerdings zurück bis in die Nachwendezeit: Als Königin Beatrix im April 1991 das Holländische Viertel besuchte, sorgte Hape Kerkeling in seiner Verkleidung als Doppelgängerin für Verwirrung bei Protokoll und Publikum.

Schlagzeilen in der Lokalpresse bekam das Lokal immer wieder einmal. 2002 etwa, als Witschak nach Amsterdam reiste, um das von der Denkmalpflege geforderte originale Grachtengrün für die Blumenkübel vor dem Haus zu bekommen. Nun standen sie da mit dem stolzen Hinweisschild: „Het originele Grachtengroen.“ Oder 2006, als das Ordnungsamt im Streit um die Beseitigung von Löwenzahn und Hirtentäschel am Gehwegrand vor das Amtsgericht zog. Und 2012 beim Streit mit der Landesregierung um die Förderung des Queensday. Schließlich die Furcht vor Vertreibung beim zwischenzeitlich geplanten Verkauf des Holländerhauses zum Höchstgebot. Doch das „Leander“ ist geblieben. Der Eigentümer und Vermieter des Hauses ist selbst ein Szene-Aktivist. Geblieben ist auch die Wohngemeinschaft im Obergeschoss mit sieben Plätzen für junge Menschen in Notlagen, Witschak spricht gern vom „Heim für gefallene Mädchen“.

Dass der 20. Jahrestag erst jetzt gefeiert wird, liegt laut Witschak am „Stress“: „Wir hatten alle zu viel zu tun.“ Der Termin liege allerdings auch günstig, weil gleich in den Weltaidstag am Sonnabend hinein gefeiert werden könne. Erstmals seit langem soll das Haus auch wieder mit Regenbogenfahnen der lesbisch-schwulen Gemeinde beflaggt werden. Die alte Fahne des „Leander“ wurde irgendwann gestohlen. Um einen festen Platz für die neue Fahne, der noch mit der Denkmalpflege abgestimmt werden muss, will sich Witschak nach dem Geburtstagsfest kümmern: „Bis zum nächsten Christopher Street Day soll sie wieder hängen.“

Griselda von Hodenzollern und Margot von Weizsäcker-Schloenske lesen am Freitag schwul-pornografische Literatur der 1970er Jahre. Quelle: Jirka Witschak

Zur Eröffnung der Geburtstagsfeier will Witschak seinen Widerspruch zum Thema Grachtengrün verlesen als „Zeugnis des Widerstandes gegen die Obrigkeit“. Danach legt er auf: „Ich darf meine Musik spielen – also die 1930er und 1940er Jahre.“ Dann wird auch die erst kürzlich im Keller eingerichtete „kleinste Tanzfläche in Potsdam“ für das Publikum freigegeben. „Die ist wirklich süß“, sagt Witschak. Als weitere kulturelle Einlage kündigt er eine Lesung mit den von diversen Tulpenfesten bekannten Dragqueens Margot von Weizsäcker-Schloenske und Griselda von Hodenzollern an, die schwul-pornografische Literatur aus den 1970er Jahren zum Besten geben. Das Fest in der Benkertstraße 1 beginnt um 19 Uhr.

Von Volker Oelschläger

Zwei Mädchen sind in der Straßenbahn zwischen Brandenburger Vorstadt und Babelsberg von einem unbekannten Mann belästigt worden. Es war nicht der erste Fall dieser Art in der jüngeren Vergangenheit.

29.11.2018

Die Linke in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung will den Angergrund-Kleingärtnern zur Seite springen – gegen die Pläne eines Investors.

29.11.2018

Die Lange Brücke wird ab 2023 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Brücke soll abschnittsweise ersetzt werden, so dass der Havelübergang für den Verkehr eingeschränkt passierbar bleibt.

02.12.2018