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Tagträumer und Ex-Knackis

7000 Besucher beim 42. Internationalen Studentenfilmfestival „Sehsüchte“ / „Oh Boy“ bester Langfilm Tagträumer und Ex-Knackis

Als einstiger „Dauerstudent“ passe er doch bestens zu Europas größtem Studentenfilmfestival, witzelte Jan Ole Gerster am Samstagabend bei „Sehsüchte“.

Jedenfalls taugt der 34-Jährige (inzwischen das Diplom in der Tasche) als Vorbild für Jungfilmer: Mit seinem Debüt „Oh Boy“ holte Gerster bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am Freitag sechs Lola-Statuetten. Gestern jubelte der Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin über die „Sehsüchte“-Trophäe für den besten Langspielfilm. Nach Partymarathon und gerade mal zwei Stunden Schlaf beehrte Gerster mit seinem Hauptdarsteller Tom Schilling (31) am Sonnabend die Projektion seiner Tagträumerballade im Kino von Rotor Film. „Das war ein sehr großer Zug von den beiden, die haben ja spürbar durchgefeiert“, freute sich „Sehsüchte“-Sprecherin Antonia Nooke gestern. Im Festivalfernsehen ulkte Gerster weiter, gefragt nach seinem zweiten Film: „Mache ich nicht. Man soll ja aufhören, wenn’s am schönsten ist, ich gehe heute zum Jobcenter.“ War hoffentlich ein Witz.

Für die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF), Gastgeberin des Festivals, war die Ausbeute ordentlich. HFF-Regiestudent Daniel Abma freute sich über den Preis für die beste Langdoku. In „Nach Wriezen“ porträtiert der Niederländer drei jugendliche Ex-Häftlinge. Der Preis für den besten Schnitt geht ebenfalls an diesen Film, konkret an HFF-Absolventin Jana Dugnus.

Dramaturgie-Studentin Carola M. Lowitz hat für „Sirdal“ den Drehbuchpreis gewonnen. Sie hat das Skript zu einem Horrorfilm geschrieben: Ein junges deutsches Paar wird brutal mit einer norwegischen Sage konfrontiert. Bei den Jurymitgliedern habe das „besonders visuelle“ Buch „Albträume ausgelöst“, hieß es in der Begründung.

Der Schauspielpreis ging an „Tatort“-Ermittlerin Aylin Tezel, die als sinnsuchende Architekturstudentin in Pola Becks HFF-Diplomfilm „Am Himmel der Tag“ mit ihrem „sehr persönlichen Spiel“ überzeugte.

Rund 7000 Besucher kamen zum diesjährigen Festival (2012 waren es 6500). „Wir sind super zufrieden, hatten tolle Gäste, ausverkaufte Filmblöcke, gute Workshops“, bilanzierte „Sehsüchte“-Sprecherin Antonia Nooke (Tochter des Ex-DDR-Bürgerrechtlers Günter Nooke). 90 internationale Filmemacher, unter anderem aus Norwegen, Russland, China, Israel wurden begrüßt. Das Konzept, mit Filmhochschule und Rotor-Filmkino zwei Standorte in der Medienstadt zu nutzen, sei „aufgegangen“. Einen kurzen Schreck in der gestrigen Morgenstunde erlebten die Gäste der „Sehsüchte“-Party: Feueralarm! Den hatten offenbar die Nebelmaschinen ausgelöst. Die Partygesellschaft wurde aufgelöst, konnte aber ein paar Minuten später weiter feiern. (Von Ricarda Nowak)

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Filmregisseur Denis Dercourt bei „Sehsüchte“

Denis Dercourt ist ein alter Jury-Hase. Zuletzt stand der Wahl-Berliner der deutsch-französischen Jugendjury für den Berlinale-Preis „Dialogue en Perspective“ vor. „Dort habe ich so viele tolle Abschlussfilme von deutschen Filmstudenten gesehen, da habe ich für ,Sehsüchte’ sofort zugesagt“, so Dercourt, der zur Spielfilm-Jury gehört und sicher ist: „Es wird eine Feier.“

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