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Potsdam Tanz im „Güldenen Arm“
Lokales Potsdam Tanz im „Güldenen Arm“
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18:30 03.07.2017
Irene Müller tanzt zur Vernissage. Quelle: Peter Frenkel
Potsdam

Eine eigentümliche Atmosphäre beherrscht die Räume des Hauses „Im güldenen Arm“. Geisterhafte Wesen mit maskenhaften, faltenlosen Gesichtern, rötlichem Haar und tiefen Schatten um die Augen durchschreiten neblige Landschaften mit unendlicher Weite. Violett, Rosa und Türkis setzen in dezenter Blässe ein diffuses Licht, das die blauen und roten Gewänder der Protagonisten schimmern lässt.

Irene Müller. Malerei – Plastiken“ ist der nüchterne Titel der Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wurde. Es ist die 50. Kundstausstellung seit der Übernahme des barocken Museumshauses in der Hermann-Elfein-Straße durch den Brandenburgischen Kulturbund im Jahr 2010. Irene Müller, Jahrgang 1941, Tänzerin, Malerin, Bildhauerin, sagt über ihre Kunst: „Das Tanzen ist mir am wichtigsten, aber mit der Malerei und den Skulpturen bleibt etwas für die Ewigkeit.“

Bild o.T., 2011. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die allermeisten Bilder in der Ausstellung sind in den letzten 25 Jahren entstanden. Viele von ihnen zeigen Menschen mit dieser immer ähnlich wächsernen Physiognomie, die ganz bei sich sind oder in großer Einsamkeit. Eine kleine Frau im Lichtkegel, angelehnt an einen hohen Laternenmast, im Hintergrund die Schatten von Mietshäusern mit drei, vier, fünf schwach erhellten Fenstern.

Ein Mädchen mit riesigem, schwarz-roten Rock, sitzend in einem Raum unter einem Nachtfalter, die rosa Sonne im Fenster spendet eisiges Licht. Eine Tänzerin, in halber Drehung den Körper weit zurück gelehnt, die mit der hoch erhobenen Linken einen Saal zu bannen scheint. Eine Tänzerin im Sprung mit freier Brust und einem flammengleich züngelnden, zerrissenen roten Rock.

Irene Müller, aufgewachsen in Gütersloh, begann mit zwölf Jahren zu tanzen und mit 16 zu malen. Sie arbeitete als Töpferin, studierte Bildhauerei an der Werkkunstschule in Bielefeld und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Von 1965 bis 1975 lebte sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. In diese Zeit fiel ihre Begegnung mit Mary Wigman (1886-1973), in den 1920er Jahren eine der bedeutendsten Wegbereiterinnen des rhythmisch-expressiven Ausdruckstanzes, bei der sie ein Tanzstudium absolvierte.

Bild o.T., 2016. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zeit ihres Lebens war die Künstlerin höchst eigenwillig. Zur Bildhauerei „fehlte mit die Geduld. Ich fing lieber immer wieder etwas Neues an“. Das Aktzeichnen und das Malen von Stillleben beim Studium für freie Malerei hat „mich beides überhaupt nicht interessiert“. Lieber trat sie allabendlich in einem Travestie-Café als Tänzerin auf, „leider holte meine Mutter mich schließlich da raus“.

Dass Irene Müller auch später in Berlin eine Bartänzerin war, konnte sie vor ihren Eltern verheimlichen, bis der „Spiegel“ über sie berichtete mit zwei Abbildungen, einer beim Tanzen und einer mit Bildern von einer ihrer Ausstellungen. Aus Berlin flüchtete sie schließlich vor ihrem Freund, der ihr vorwarf, sie würde nur an ihrer Karriere arbeiten und „er wäre nur die Feierabendbeschäftigung, womit er wohl Recht hatte“, wie sie sagt.

Die Bilder und Plastiken von Irene Müller haben eine ganz eigene Sprache. Die Künstlerin arbeitet ohne Scheu vor Romantik und fantastischen Motiven. Sie liebt Tiere, Pflanzen, Bewegung. Ein riesiges Schiff naht mit zerfetzten Segeln im Gegenlicht. Ein antiker Leuchtturm steht in einem Seerosenbett. Ein junger Magier mit einer in Flammen stehenden Ballerina auf der Hand.

Zur Vernissage am Sonntag tanzte sie: „Ich tue das lieber als das Malen. Aber abgesehen von den Fotos und Filmen, bei denen ich auf andere angewiesen bin, bleiben davon nur Erinnerungen.“ Die Laudatio hielt Lucile Greco, deren Film „Irene Müller tanzt“ in einem Nebenraum lief.

Info: Ausstellung in der Hermann-Elflein-Straße 3 bis 20. August, geöffnet Mi-So 12-18 Uhr. Zur Finissage am 20. August um 15 Uhr wird auch der Film noch einmal gezeigt.

Ausstellungsprogramm im Museumshaus

In diesem Jahr präsentierte der Brandenburgische Kulturbund im „Haus im güldenen Arm“ in der Hermann-Elflein-Straße bereits Ausstellungen von Karl-Heinz Schönfeld, Hans Scheib und Monika Aladics.

Nach der AusstellungIrene Müller. Malerei – Plastiken“ sollen vom 27. August bis zum 1. Oktober Sieb- und Holzdrucke von Elli Graetz, sowie vom 8. Oktober bis zum 26. November Malerei und Skulpturen von Sabine Raetsch gezeigt werden.

Im Obergeschoss des Museumshauses präsentiert der Kulturbund in der Dauerausstellung „Die einfache Gebrauchsform“ bäuerliche und bürgerliche Keramik des 17. bis 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Potsdamers Siegfried Lachmann.

Info www.imgueldenenarm.de

Von Volker Oelschläger

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