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Tausende Potsdamer leiden unter Verkehrslärm

Verkehr in der Landeshauptstadt Tausende Potsdamer leiden unter Verkehrslärm

55 Dezibel und mehr: 14 000 Potsdamer leiden in der Nacht unter den Geräuschen von Straßenverkehr, Bahn oder Straßenbahn. Verkehrsberuhigungen durch Tempo 30 ist eine der Maßnahmen.

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Lärm macht krank.

Quelle: dpa

Potsdam. Fast jeder zehnte Potsdamer ist in der Nacht einem Lärmpegel ausgesetzt, der über 55 Dezibel liegt. Konkret: 14 000 Menschen, von denen etwa 8000 vom Straßenverkehrslärm und 5000 vom Bahnlärm betroffen sind. Vergleichsweise klein ist die Gruppe der Menschen, die unter den Auswirkungen des Straßenbahnlärms zu leiden haben – nur 800. Das ist eines der Ergebnisse des überarbeiteten Lärmaktionsplans für den Ballungsraum Potsdam, der am Montag von Lars Schmäh, Bereichsleiter Umwelt und Natur, im Rathaus vorgestellt worden ist.

Lars Schmäh

Lars Schmäh.

Quelle: Christel Köster

Was nach trockener Statistik klingt, könnte in der Realität unschöne Folgen haben. Denn ab einem Dauerschallpegel von 60 Dezibel treten Stressreaktionen im Schlaf auf, ab 80 Dezibel kann die Gesundheit leiden. Tagsüber sind 55 Dezibel nicht weiter schlimm. „Das entspricht einem normalen Gespräch“, so Schmäh. Wenn man sich aber nachts nach Schlaf sehnt, arten dieselben 55 Dezibel hingegen schnell zur Quälerei aus.

In Sachen Straßenverkehrslärm setzt die Stadt darauf, den Verkehr flüssiger zu machen. Verkehrsberuhigung dank Tempo 30 könnte es in folgenden Straßen geben: Kastanienallee, Charlottenstraße, Daimlerstraße, Großbeerenstraße zwischen Pestalozzi- und Ahornstraße sowie gegebenenfalls auch in der Fritz-Zubeil-Straße. Voraussetzung ist allerdings immer ein positives verkehrsrechtliches Gutachten, das noch in diesem Jahr fertig werden könnte. Auch die Breite Straße, Französische Straße und die Heinrich-Mann-Allee vom Brauhausberg zur Friedhofsgasse zählen zu den mittelfristigen Kandidaten.

Tempo 30 sorgt für weniger Lärm

Tempo 30 sorgt für weniger Lärm.

Quelle: dpa

Die Tempodrosselung hat sich nach Erfahrung der Verwaltung bewährt. Beispiel Zeppelinstraße: Seitdem die Autofahrer dort den Fuß vom Gaspedal nehmen müssen, ist die Lärmbelastung deutlich gesunken. Im Vergleich zum letzten Lärmaktionsplan sind nun 350 Anwohner weniger als noch 2011 von der 55-Dezibel-Überschreitung betroffen. Weitere Maßnahmen sind die Verbesserungen der Fahrbahnoberflächen. So könnte möglicherweise innerhalb der nächsten fünf Jahre die Fahrbahn in der Breiten Straße saniert werden.

Stromaggregate der Hotelschiffe als Problem

Insgesamt schneidet die Stadt bei der Lärmbelastung weitaus besser ab als 2011. Damals waren 5000 Potsdamer mehr als heute von dem kritischen nächtlichen Lärmpegel – er ist höher als 55 Dezibel – betroffen.

Problematisch ist für Speicherstadt-Bewohner auch der Schiffslärm von Hotelschiffen an der Anlegestelle am Hotel Mercure. Dort laufen die Stromaggregate über Nacht. Nun ist eine Landstromversorgung im Gespräch.

Straßenbahnverbindungen werden diskutiert. Geprüft werden soll beispielsweise eine Linie in Richtung Bornim. Auch Teltow, Kleinmachnow und Geltow scheinen mit Tramverbindungen nach Potsdam zu liebäugeln.

Interessanterweise wirken sich auch Bäume am Straßenrand positiv auf das Fahrverhalten der Autofahrer aus. Statistische Erhebungen haben gezeigt, dass das die Achtsamkeit erhöht. Im Umkehrschluss scheinen Fahrer an unbegrünten Straßen eine Art Autobahn-Feeling zu entwickeln. Die jungen Linden in der Breiten Straße liegen damit voll im Trend. Mittelfristig soll auch eine Begrünung der Friedrich-Engels-Straße sowie der Neuendorfer und der Straße Zum Kirchsteigfeld geprüft werden.

Während der Maßnahmenkatalog beim Straßenverkehrslärm ziemlich dick ist, sieht es beim Bahnlärm mau aus – und das obwohl „eine Reduzierung der Lärmbelastung aus dem Eisenbahnverkehr dringend nötig wäre“, wie es im Lärmaktionsplan heißt. Allerdings sind der Landeshauptstadt beim Bau von Lärmschutzwänden oder Maßnahmen an den Gleisen die Hände gebunden. Schmäh: „Es besteht keinerlei Rechtsanspruch für die Umsetzung von Lärmminderungsmaßnahmen an bestehenden Eisenbahnstrecken.“

Straßenbahnlärm kann auch belastend sein

Straßenbahnlärm kann auch belastend sein.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Hauptschwerpunkt beim Straßenbahnlärm ist der Platz der Einheit. Eine große potenzielle Lärmquelle ist auch die S-Kurve von der Heinrich-Mann-Allee zum Hauptbahnhof. Im Tram-Verkehr setzt man deshalb auf das regelmäßige Abschleifen der Schienen in den Kurven und auf die Verlegung von lärmschluckenden Rasengleisen, etwa bei der neuen Strecke zum Campus Jungfernsee oder künftig in der Heinrich-Mann-Allee. Und: Die Sensibilisierung der Straßenbahnfahrer ist wichtig. Einer der Lerninhalte bei Fortbildungen lautet:„Wie fahre ich eine Kurve richtig?“

Von Ildiko Röd

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