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Taxifahrer wegen 9,10 Euro verprügelt

Haftstrafen für drei junge Männer Taxifahrer wegen 9,10 Euro verprügelt

Als sie in jener Nacht in Potsdam ins Taxi steigen, wissen die drei jungen Männer bereits, dass sie die Fahrt nicht bezahlen können. Ihr Plan, sich durch die Stadt fahren zu lassen und dann einfach davonzurennen, endet für den Fahrer blutig und für die drei Freunde mit Haftstrafen. So rücksichtslos wie das Trio zuschlägt, so beschämend ist die Summe, um die es geht: 9,10 Euro.

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Der Taxifahrer erhält 50 Euro Schmerzensgeld.

Quelle: dpa

Potsdam. Nachdem zwei Tätern wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung bereits der Prozess gemacht wurde, musste sich gestern der dritte im Bunde vor dem Potsdamer Amtsgericht für das verantworten, was inzwischen dreieinhalb Jahre zurückliegt. Jewgeni Z. zeigt Reue und gesteht. Er ist heute 25 und mit der Lehre fast fertig, aber wenn er von den Geschehnissen berichtet, die aus ihm einen Anklagten gemacht haben, schaut er drein wie ein kleiner Junge und seine Wangen sind so glühend-rot, als hätte gerade eine besorgte Muhme zur Aufmunterung hineingekniffen.

Jewgeni Z. und seine Kumpel amüsieren sich damals am 8. April 2010 im Waschhaus. Alkohol war im Spiel, sagt der Potsdamer. Während er behauptet, dass sie alle betrunken waren und er sich folglich nicht an alles erinnern könne, gab der Taxifahrer zu Protokoll, die drei hätten "nicht sehr betrunken" gewirkt und auch "keine schwere Zunge" gehabt.

Den Heimweg treten die jungen Männer in der verhängnisvollen Nacht zu Fuß an. Am Hauptbahnhof siegt die Bequemlichkeit. Sie steigen, wohlwissend kein Geld zu haben, um 4.30 Uhr ins Taxi. Jewgeni Z. nimmt auf dem Beifahrersitz Platz, die Freunde verziehen sich auf die Rückbank. Als der Fahrer wie gewünscht am Waldstadtcenter hält, zückt Z. das Portemonnaie und tut so, als wolle er bezahlen. Dann greift er zur Tür, will sich aus dem Staub machen. Der Taxifahrer packt ihn und hält ihn fest ‒ Jewgeni Z. will sich losreißen und schlägt zu. "Den machen wir alle", tönt es aus dem Fond. Die Kumpel stürzen aus dem Wagen, reißen die Fahrertür auf und prügeln mit Fäusten auf den damals 60-jährigen Chauffeur ein. Er erleidet Hämatome, eine Verletzung an der Nase und eine Platzwunde am Auge. Ins Krankenhaus muss er nicht; er fährt noch immer Taxi.

"Die Sache tut mir leid", sagt Jewgeni Z. "Was wir getan haben, ist nicht vertretbar." Während der Haupttäter ins Gefängnis muss, erhielt Z. (so auch der dritte Kumpan) acht Monate auf zwei Jahre Bewährung. Damit folgte das Gericht der Forderung, die Staatsanwaltschaft und Verteidigung gleichermaßen stellten. Zudem muss Z. dem Fahrer 50 Euro Schmerzensgeld zahlen und ihn um Entschuldigung bitten. Das Gericht glaubt, dass er, der bisher unbescholten ist, nicht von Anfang an vorhatte zuzuschlagen und es sich "um einen einmaligen Aussetzer handelt".

Von Nadine Fabian

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