Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Breite Straße: Nun doch Tempo 30?
Lokales Potsdam Breite Straße: Nun doch Tempo 30?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 18.03.2019
Morgennebel und Berufsverkehr in der Breiten Straße. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt/Babelsberg

Die Stadt prüft für die Breite Straße und die Großbeerenstraße eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. Das hat die Verwaltung auf Anfrage der Fraktion Die Andere mitgeteilt.

Ergebnisse laufender Prüfungen zu den „erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen“ sollen für die Breite Straße im vierten Quartal, für die Großbeerenstraße bereits im zweiten Quartal dieses Jahres vorliegen.

Zur Breiten Straße werden laut Verwaltung derzeit die Auswirkungen der Neuregelung des Verkehrs auf der Zeppelinstraße auf das „nachgelagerte Straßennetz untersucht und ausgewertet“.

Nach Vorliegen der Ergebnisse werde mit Blick auf den Lärmaktionsplan eine straßenverkehrsrechtliche Prüfung durchgeführt, bei der auch die rechtlichen Vorgaben für die Luftreinhaltung berücksichtigt würden.

Mit Vorlage des Gesamtergebnisses könnten sich „gegebenenfalls verkehrsorganisatorische Maßnahmen ableiten“, genannt wird „die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit“.

Die Stadt Potsdam prüft, ob sie die Breite Straße zur Tempo-30-Zone macht. Damit sollen Lärm und Abgase reduziert werden. Halten Sie das für sinnvoll?
Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Die Stadt Potsdam prüft, ob sie die Breite Straße zur Tempo-30-Zone macht. Damit sollen Lärm und Abgase reduziert werden. Halten Sie das für sinnvoll?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Auch die Großbeerenstraße werde im Zusammenhang mit dem Lärmaktionsplan „gegenwärtig einer straßenverkehrsrechtlichen Prüfung unterzogen“. Dabei würden „auch die rechtlichen Vorgaben für die Luftreinhaltung berücksichtigt“.

Das Lärmgutachten für die Großbeerenstraße werde aktuell geprüft und ausgewertet. Mit Vorliegen des Gesamtergebnisses könnten sich laut Verwaltung „verkehrsorganisatorische Maßnahmen“ wie die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ableiten.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßte die mögliche Einführung des Tempolimits: „Tempo 30 ist innerorts die beste Maßnahme, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Lärmbelastung zu senken“, sagte Geschäftsführerin Anja Hänel auf MAZ-Anfrage: „Durch eine Anpassung der Ampelschaltungen und eine flüssige Verkehrsführung würde die Ausweisung von Tempo 30 auch keine relevante Fahrtzeitverlängerung bedeuten.“

Vertreter der Stadtpolitik äußerten sich in ersten Reaktionen kontrovers. „Erst wenn die notwendigen Verkehrserhebungen vorliegen, sollten wir uns mit deren Ergebnissen und möglichen Schlussfolgerungen befassen“, sagte CDU/ANW-Fraktionschef Matthias Finken.

Für die SPD habe Tempo 30 auf der Breiten Straße „keine Priorität“, sagte Fraktionschef Pete Heuer: Wenn die Ergebnisse zu Lärm- und Immissionsbelastung vorliegen, müsse man darüber diskutieren: „Wichtig ist, dass es einen flüssigen Verkehr gibt.“

Nach Ansicht von Linken-Kreischef Stefan Wollenberg werden „in erster Linie attraktive Alternativen“ benötigt, „um den Autoverkehr zu reduzieren. „Der unvermeidbare Verkehr muss möglichst flüssig laufen, ob mit 30 oder 50, ist dabei eher zweitrangig.“ Ein Tempolimit allein werde die Situation „nicht substanziell verbessern“.

„Wir Grünen sprechen uns generell für Tempo 30 in der Innenstadt aus“, sagte deren Fraktionschefin Janny Armbruster, „also auch auf der Breiten Straße.“ André Tomczak bekräftigte für die Fraktion Die Andere: „Tempo 30 auf der Breiten Straße begrüßen wir sehr, wir haben auch schon entsprechende Anträge gestellt.“ Insbesondere die Lärmbelastung mache Maßnahmen aus unserer Sicht dringend notwendig“.

Die Einführung von Tempo 30 für die Breite Straße wird bereits seit Jahren immer wieder einmal diskutiert. Erstmals hatte der damalige Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) das Tempolimit 2015 in einer Debatte zum Abriss des „Mercure“-Hotels und eine an seiner Stelle geplante „Wiese des Volkes“ angekündigt.

Auf die Frage zur Aufenthaltsqualität einer Wiese neben der stark befahrenen Straße verwies Klipp auf eine „Konzeption zur nachhaltigen Mobilität“, nach deren Umsetzung „dort nur noch wenige Autos fahren“ würden. Eine von ihm genannte Maßnahme war die Einführung von Tempo 30.

Nach wütenden Leserreaktionen ruderte der Baudezernent zurück, sprach von einem Scherz: „Die Äußerungen des Beigeordneten waren überspitzt und ironisch gemeint“, ließ er ausrichten.

Ende 2016 kam das Thema wieder auf den Tisch: Die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde für die Breite Straße fand sich in einer Liste von „Sofort- und Kurzmaßnahmen“ im Zusammenhang mit dem städtischen Luftreinhalteplan, mit denen die verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf der Zeppelinstraße ergänzt werden könnten.

 

Von Volker Oelschläger

Zehn Tage lang fährt zwischen Potsdam und Berlin keine S7 und auch auf der S1-Strecke wird gebaut. Pendler aus Berlin können auf die Regionalbahn ausweichen – nur die muss man erstmal bekommen.

15.03.2019

Am Freitag werden in Potsdam wieder Hunderte Schüler streiken: Sie demonstrieren für Klimaschutz und gehen auf die Straße statt in die Schule. Dafür werden sie von vielen Erwachsenen kritisiert. Wir haben zwei der Organisatoren getroffen.

18.03.2019

In Potsdam suchen Pendler den Ersatzverkehr, in Berlin muss ein Streit von Mitfahrern geschlichtet werden. Der erste Tag der S-Bahn-Sperrung bringt Bahnfahrern eine Menge Stress.

15.03.2019