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Tempo 30 in der Breiten Straße? Spaß!

Potsdams Baudezernent Klipp rudert zurück Tempo 30 in der Breiten Straße? Spaß!

Ironie funktioniert nie: Diese Erfahrung hat jetzt Potsdams Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) gemacht. Er hat zuvor in der Diskussion um die Neugestaltung des Lustgartens vorgeschlagen, dass die Breite Straße zur gepflasterten Tempo-30-Zone werden solle. Dieser Vorschlag hat für viel Empörung gesorgt.

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Die Breite Straße bleibt, wie sie ist – auch wenn rechts an Stelle des Mercure-Hotels eine „Wiese des Volkes“ zum Verweilen einladen soll.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Wütende Leserreaktionen folgten im Internet auf die Ankündigung von Baudezernent Matthias Klipp (Grüne), die Breite Straße zur verkehrsberuhigten Zone zu machen: „Wenn das keine ,tolle’ Idee ist, dann gibt es keine. Die Breite Straße, als eine Hauptverkehrsader der Stadt, wird also ,verkehrsberuhigt’ mit Tempo 30 und Kopfsteinpflaster“, schrieb „Babelsberger“. „Grendel“ kommentierte: „Wenn ich irgendwann als Zeuge vor einem jenseitigen Gericht stehe und gefragt werde: ,Erinnern sie sich an den Moment, als ihnen hundertprozentig klar war, das ihr lokaler Tribun den Verstand verloren hat?’ werde ich mit fester Stimme sagen: ,Ja, Herr Vorsitzender, es war der 5. Juni 2015!’“

Klipp rudert auf MAZ-Nachfrage zurück

Die Empörung nach der MAZ-Veröffentlichung vom Sonnabend erinnerte an die Stimmung nach dem selbst für Potsdams Kommunalpolitiker überraschenden Bekanntwerden Klippscher Pläne zur Verengung der viel befahrenen Zeppelinstraße auf eine Fahrbahn pro Richtung. Auf vertiefenden MAZ-Nachfragen zu den Hintergründen und Perspektiven der von ihm für die Breite Straße angekündigten Veränderungen ließ Klipp am Montag nach langem Warten ausrichten: „Es gab und gibt keine Planung, die den Umbau der Breiten Straße zur schmalen Straße vorsieht. Die Äußerungen des Beigeordneten im Pressegespräch waren überspitzt formuliert und ironisch gemeint.“ Dann war er nicht mehr für Rückfragen zu erreichen.

Kein Entwurf sieht Erhalt des Mercure vor

Was war geschehen? Am 5. Juni hatte Klipp in einem Pressegespräch mit dem Sanierungsträger die Ergebnisse des 520.000 Euro teuren Werkstattverfahrens zur Neugestaltung des Lustgartens bekannt gegeben. Der Dezernent eröffnet mit der Feststellung, dass dieser „für Potsdam ganz wichtige Raum“ in der DDR-Zeit mit der Erweiterung der Breiten Straße zur Magistrale, mit der Errichtung des Interhotels und des Ende der 1990er Jahre abgetragenen Ernst-Thälmann-Stadions „banalisiert“ worden sei. Dabei zitierte er den für die Werkstatt als Gutachter gewonnenen Carl Fingerhuth, der den Lustgarten als „die Visitenkarte Potsdams, den wichtigsten städtebaulichen Raum“ bezeichnet habe.

Planungswerkstatt Lustgarten

Die Planungswerkstatt Lustgarten wurde auf Beschluss der Stadtverordneten unter der Regie des Sanierungsträgers Potsdam durchgeführt.

Zum Kostenpunkt von insgesamt 520.000 Euro wurde unter anderem ausgelotet, welche Zukunft das „Mercure“-Hotel in diesem Ensemble hat. Einhelliges Ergebnis: negativ.

Die Ergebnisse der Planungswerkstatt sollen in einen Masterplan eingearbeitet werden, der den Stadtverordneten im Herbst zur Präzisierung der Sanierungsziele vorgelegt werden soll.

In keinem der sieben Entwürfe der Planungswerkstatt ist die Erhaltung des „Mercure“-Hotels vorgesehen . Klipp: „Das muss man auch einfach mal akzeptieren.“ Die Idee, die der Jury laut Klipp für den weiteren Umgang mit dem Hotelgrundstück „am besten gefiel“, kam vom Planungsteam Machleidt/Loidl. Eine „Wiese des Volkes“, bei der das „Betreten ausdrücklich erlaubt“ sein soll, „um Leben auf den Platz zu bringen“. Nachteil dieser Volkswiese: Sie liegt, nur durch den Bürgersteig abgetrennt, auf einem Höhenniveau mit der benachbarten Breiten Straße. Auf die MAZ-Frage nach der Aufenthaltsqualität versicherte Klipp: „ Nach der Umsetzung der nachhaltigen Mobilität werden dort nur noch wenige Autos fahren.“

Klipp: Habe „überspitzt formuliert“

Nach dem Hinweis des MAZ-Berichterstatters auf die Ernsthaftigkeit der Fragestellung schilderte Klipp einige Szenarien: Tempo 30, Pflasterung, Fahrbahnverringerung, eine Fahrbahnführung, die den Eindruck vermittelt, man überquere einen Platz. Es fehlte allerdings noch der Hinweis des Dezernenten, dass mehrere der an der Werkstatt beteiligten Planungsbüros eine „Verkehrsberuhigung“ (Dietz/Joppien) oder eine „Reduzierung des Querschnitts“ (Kleyer, Koblitz, Letzel u.a.) der Breiten Straße empfahlen. Machleidt/Loidl als geistige Väter der „Wiese des Volkes“ befanden: „Die Führung der Breiten Straße durch den Garten stellt eine weitere nicht zu unterschätzende funktionale Beeinträchtigung dar.“

Von Volker Oelschläger

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