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Termin-Stau im Potsdamer Bürgerservice

Vor verschlossenen Türen Termin-Stau im Potsdamer Bürgerservice

Immer wieder beschweren sich Potsdamer bei der MAZ darüber, dass sie keinen Termin im Bürgerservice oder der Kfz-Zulassung bekommen. Der Online-Kalender ist auch jetzt für die nächsten vier Wochen nahezu dicht. Wie stark die Nerven sein müssen, wenn man zum Beispiel ein Auto abmelden muss, zeigt die Geschichte, die uns ein Potsdamer Lehrer erzählt hat.

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Licht am Ende des Tunnels: Wer zeitnah einen Termin beim Bürgerservice ergattern konnte, darf sich glücklich schätzen.

Quelle: Nadine Fabian

Potsdam. Acht Klicks. Mehr ist nicht nötig, um beim Potsdamer Bürgerservice und der Kfz-Zulassung einen Termin zu vereinbaren – und dann doch mit leeren Händen dazustehen. Denn die Termine im Stadthaus sind für die kommenden vier Wochen nahezu ausgebucht – und das ist keine Momentaufnahme.

Seit die Terminvergabe 2014 vom Nummern-Ziehen am Automaten auf die Reservierung online, telefonisch oder direkt am Schalter umgestellt wurde, sind die Schlangen vor dem Bürgerservicebüro zwar kürzer geworden. Dennoch beschweren sich regelmäßig Alteingesessene und Zugezogene bei der MAZ, dass sie nicht zum Zuge kommen und mitunter gesetzliche Fristen versäumen. Wer einen Reisepass, einen Parkausweis oder ein Führungszeugnis beantragen will, wer den Wohnsitz oder ein Auto an- oder abzumelden hat, braucht in Potsdam vor allem eines: starke Nerven.

Wie stark die sein müssen, zeigt die Geschichte von Michailo Bivolarevic: Wahl-Potsdamer, Lehrer an einem renommierten Berliner Gymnasium, Autoliebhaber. Da er in seinem kleinen Fuhrpark drei Diesel hat, Diesel-Fahrer aber in immer mehr Städten wegen der Stickstoffdioxid-Belastung mit Fahrverboten rechnen müssen, sieht er sich gezwungen, die Wagen zu verkaufen: auch seinen Jugendtraum, einen schwarzen Jaguar. Mitte Mai hatte er den Verkauf angebahnt. Ein schwedischer Händler liebäugelte mit dem Wagen, man wurde sich einig, doch weder bei der Zulassungsstelle, noch im Bürgeramt war ein Termin zu bekommen, um den Wagen stilllegen zu lassen und das für die Überführung erforderliche Kurzzeitkennzeichen zu erlangen. „Online war alles auf Wochen ausgebucht“, so Bivolarevic.

Nur, wer ein Dokument abholen möchte, kann noch eine Nummer am Automaten ziehen

Nur, wer ein Dokument abholen möchte, kann noch eine Nummer am Automaten ziehen.

Quelle: Nadine Fabian

Auf den Stau im Netz angesprochen, verweist Stadtsprecher Stefan Schulz auf die Möglichkeit der Vereinbarung direkt an der Information und am Telefon. Ständig würde eine große Anzahl an Terminen für die nächsten vier Wochen freigeschaltet – „entsprechend des konkreten Mitarbeiterbesatzes, so dass über alle Zugangswege täglich freie Termine zur Verfügung stehen.“ Wichtig sei, dass alle vereinbarten Termine auch eingehalten werden. „Die Regel ist, jeder bekommt möglichst zeitnah einen Termin“, so Schulz.

Michailo Bivolarevic kann da nur den Kopf schütteln. Auch frühmorgens vor Ort blitzte er ab – dabei war er einer der ersten im Stadthaus und das nicht nur einmal. „Dort sitzen ab 7 Uhr zwei Damen hinter abgeschlossener Tür, die sich eindeutig bis 8 Uhr privat unterhalten. Geöffnet wird um 8 Uhr. Wieder: keine freien Termine!“ Letzte Hoffnung: Werder, wo Potsdamer Dank einer Kooperation ebenfalls ihre Angelegenheiten rund ums Auto klären können. „Dort geht es aber ähnlich zu. Der Angestellte an der Rezeption sagte: keine freien Termine!“ Mit reichlich Bitten und Drängeln gelingt es zwar, das Auto stillzulegen. Das Kennzeichen, das der in einem Potsdamer Hotel wartende Schwede braucht, gibt’s aber nicht. „Stillgelegt kann ich den Wagen nicht übergeben, dann nimmt ihn der Käufer nicht ab“, sagt Bivolarevic. „Und wer weiß, ob ich den Wagen in diesem Leben jemals wieder angemeldet bekomme!“ Die Situation sei demütigend, immerhin zahle der Bürger Steuern und werde für jede Behördentätigkeit zur Kasse gebeten: „Jedoch steht einem die Behörde gar nicht zur Verfügung.“

33 Mitarbeiter zählt das Bürgeramt. „Wir hoffen, dass demnächst auch die Vielzahl unbesetzter Stellen besetzt werden, so dass wir noch schneller und effektiver werden können“, sagt Schulz. Dennoch: „Es ist genügend Spielraum sowohl für dringende Fälle als auch für Termine in dem überschaubaren Zeitraum von drei bis vier Wochen.“ Das Feedback der Kunden, die die Terminvereinbarung genutzt haben, sei jedenfalls überwiegend positiv.

Nur samstags ohne Termin

Termine für den Bürgerservice sind online, telefonisch über die 115 und die 0331/289 3820 sowie vor Ort zu buchen. Am Samstag arbeitet das Servicecenter ohne Terminvergabe nach dem klassischen Wartenummernprinzip. Dabei ist allerdings mit langen Wartezeiten zu rechnen.

Das Ziel des Bürgerservicecenters ist es laut Stadt, die Anliegen der Bürger „zeitnah, zügig, serviceorientiert und korrekt“ zu bearbeiten.

Pro Woche werden durchschnittlich über 3000 Dienstleistungen im Rahmen der Terminvergabe bearbeitet, wofür etwa 290 Termine pro Tag vereinbart werden. Darüber hinaus werden wöchentlich rund 550 Personaldokumente ausgegeben. nf

Von Nadine Fabian

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