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Potsdam Abrisspläne an der „Nutheschlange“ sorgen für Streit
Lokales Potsdam Abrisspläne an der „Nutheschlange“ sorgen für Streit
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13:34 07.02.2018
Das Parkhaus mit rund 200 Stellplätzen bildet quasi den Kopf der Nutheschlange. Die Pro Potsdam will es zugunsten von mehr Wohnungen abreißen und neu bauen. Quelle: Friedrich Bungert
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Zentrum-Ost

Erneut gibt es Zoff um die „Nutheschlange“: Der Gebäudekomplex an der Nutheschnellstraße könnte bald die Richter beschäftigen – Eigentümer gegen Architekt würde die Konstellation in diesem Fall dann lauten. Die kommunale Immobilienholding Pro Potsdam als Eigentümerin und der Architekt Hinrich Baller sind überkreuz, was den geplanten Abriss des sogenannten Terrassenhauses in der Wohnanlage angeht.

Abriss für 2019 geplant

Die Pro Potsdam möchte den Kopfbau der Nutheschlange, in dem sich neben 38 Wohnungen auch ein Parkhaus mit etwa 200 Stellplätzen befindet, 2019 abreißen und stattdessen einen Neubau errichten. Grund: Gravierende Mängel an dem Terrassenhaus, weshalb eine Sanierung aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr zumutbar wäre, wie Pro-Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke erklärt. Mehr als 3300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche würde die Sanierung kosten. Die von Sachverständigen erstellte Mängelliste reiche von nicht eingehaltenen Brandschutzvorschriften bis hin zum fehlenden statischen Nachweis der Tragfähigkeit der Fassade. „Alles erstunken und erlogen“, kontert Hinrich Baller. „Das ist alles Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre durch die Potsdamer Bauaufsicht genehmigt worden“, wettert der Berliner Architekt, der bis zu seiner Emeritierung Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg war.

Es ist ein Ausnahmewohnprojekt: Die Reihenhäuser der Nutheschlange stehen auf Stelzen in und an künstlich angelegten Teichen. Das Projekt wurde zum Sanierungsfall: Dächer undicht, Keller nass, Wände feucht und Fenster blind. Auch das Terrassenhaus am Kopf der Schlange soll gravierende Mängel haben.

Die Nutheschlange hat er im typischen Baller-Stil – eiserne, grün gestrichene Geländer, Wasser als Dekoelement – geplant. Für etwaige Probleme sieht er sich nicht in der Verantwortung; er gibt den Schwarzen Peter an die Gewoba weiter: Als es zur Abnahme des Baus kam, habe die Pro-Potsdam-Tochter den Hut bei dem Projekt aufgehabt. Hinter den jetzigen Abriss-Plänen der Immobilienholding vermutet er ganz andere Gründe. Nämlich: „Den Abriss öffentlichkeitswirksam schmackhaft zu machen.“ Die Stadt habe es seinerzeit zur Auflage gemacht, 200 Stellplätze zu bauen – auch für das ganze Zentrum Ost.

Juristische Schritte gegen den Abriss?

Doch nun sei das 200-Plätze-Parkhaus den Eigentümern ein Dorn im Auge, weil es weniger Ertrag bringe als dies bei Wohnraum der Fall ist. Also müsse ein Neubau mit weniger Stellplatzfläche und mehr Wohnungen her, so Ballers Vermutung hinsichtlich der Intentionen der Eigentümer. Der 81-Jährige gibt sich kämpferisch: Er werde prüfen, ob man gegen den Abriss juristisch vorgehen könne.

Das Gebäude am Humboldtring nahe der Nuthestraße. Quelle: Friedrich Bungert

Die Replik von Pro-Potsdam-Chef Nicke lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Das ist ausgesprochen dreist.“ Er findet es unverfroren, dass der Architekt nun dem Auftraggeber die Schuld in die Schuhe zu schieben versuche. Nachweislich habe Baller im Jahr 1999 Verantwortung für den Bau getragen, nachdem die Gewoba eine Klage über die Kündigung des Architektenvertrages gegen ihn verloren hatte. Sprich: Der Architekt sei für die ordentliche Bauplanung allein und für die Baudurchführung mitverantwortlich gewesen und könne sich nicht auf die Gewoba herausreden, sekundiert Petra Runge, Leiterin des technischen Bereichs bei der Pro Potsdam.

Lediglich Profitgier?

Auch die Vorwürfe, dass die Pro mit dem Neubau des Terrassenhauses nur von Profitgier getrieben wird, will man nicht auf sich sitzen lassen. Zwar sei es zutreffend, dass etwa doppelt so viele Wohnungen – also rund 70 – in dem neuen Gebäude Platz finden sollen. Auch werden die Stellplätze in der neuen Tiefgarage dementsprechend um die Hälfte dezimiert; allerdings gebe es dann immer noch deutlich mehr, als durch die Stellplatzsatzung vorgeschrieben.

Die Nutheschlange rechts der Nuthe. Quelle: Friedrich Bungert

Dass ausgerechnet Baller nun Geldschneiderei unterstellt, bringt den Pro-Potsdam-Chef in Rage. Schließlich, so merkt Nicke spitz an, sei Baller an dem seit Jahren bestehenden Sanierungsbedarf in Millionenhöhe „nicht ganz unschuldig“. Gleich nach Fertigstellung habe Ballers Haftpflichtversicherung 500 000 Euro an Schadenersatz zahlen müssen. Bis 2016 investierte die Immobilienholding rund 16 Millionen Euro in die Sanierung der sogenannten „Schmetterlingshäuser“ mit 160 Wohnungen. Die „Anglerhäuser“ sind noch in diesem Jahr dran. Beim Terrassenhaus sei ohne immensen finanziellen Aufwand einfach nichts mehr zu machen; zu viel liege im Argen.

Ballers Vorwurf, dass alles nur „erstunken und erlogen“ sei, will Nicke nicht einfach so hinnehmen: „Wir prüfen rechtsanwaltlich, ob wir gegen Herrn Baller vorgehen.“

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Von Ildiko Röd

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