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Potsdam Test für sozialverträgliche Wohnungssanierung
Lokales Potsdam Test für sozialverträgliche Wohnungssanierung
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19:00 31.05.2015
In der Behlertstraße will die Pro Potsdam eine reduzierte Sanierungsvariante testen, um sozialverträgliche Mieten zu ermöglichen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Im Konflikt um die Entwicklung von Potsdams letzten Altbausiedlungen mit niedrigen Mieten bahnen sich Lösungen an, die eine sozialverträgliche Sanierung der Wohnungen ermöglichen und eine Verdrängung der Altmieter verhindern könnten. Für die Modernisierung der beiden Viertel am Brauhausberg/Einsteinstraße und in der Großbeerenstraße und Grünstraße hat die städtische Wohnungsgesellschaft Pro Potsdam eine Förderung durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) in Aussicht gestellt bekommen. Trotz hoher Baukosten könnten so auch nach der Sanierung sozialverträgliche Mieten realisiert werden, sagte Pro-Potsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal im Anschluss an eine Beteiligungskonferenz, bei der am Samstag Vertreter der Mieter, von Pro Potsdam und Stadtverordnete miteinander beraten haben. Westphal sprach von 5,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete für Mieter mit Wohnberechtigungsschein (WBS). Altmieter ohne WBS sollen 6.50 Euro pro Quadratmeter für sanierte Quartiere zahlen. Diese Miethöhe ist gestaffelt und gilt etwa bei Single-Haushalten bis zu einer Wohnungsgröße von 40 Quadratmetern, bei Zwei-Personen-Haushalten bis 55  Quadratmetern. Sind die Quartiere größer, sind für die darüber hinausgehende Wohnfläche 7,50 Euro zu zahlen. Ausgeglichen werde das gedämpfte Niveau durch Neuvermietungen für 9,50 Euro, so Westphal.

Keine Förderung gibt es für das Behlert-Gutenberg-Karree. In der Behlertstraße will Pro Potsdam deshalb einen anderen Weg einschlagen, der mit einem Pilotprojekt ausgetestet wird, das im November starten soll. Im Mittelpunkt steht der mittlere Wohnblock, bei dessen Modernisierung auf Verzicht gesetzt werden soll, um die Kosten zu dämpfen. Am Ende sollen Kaltmieten von 5.50 Euro bis 6,50 Euro pro Quadratmeter für die Bewohner herauskommen. Ermöglicht werden soll das für Potsdamer Verhältnisse niedrige Niveau, in dem bei der Sanierung etwa auf den Anbau von Balkonen und die Gestaltung der Außenanlagen verzichtet wird. Auch Grundrissveränderungen und eine Mieterbetreuung soll es nicht geben. Die Außenanlagen könnten durch Mieter gestaltet werden. Ist das Konzept umsetzbar, will Pro Potsdam es auf die anderen Wohnungen im Behlert-Karree übertragen. Trotz der Vorschläge sind die Ängste unter Mietern groß, dass sie nach der Sanierung ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können. Wenn es bei einer Kaltmiete von 6,50 Euro je Quadratmeter bleibe, müssten viele Mieter umziehen, sagte eine Vertreterin der Initiative „Miete schön – Behlert-Gutenberg-Karree“. Sie sprach von guten Gesprächen mit der Pro Potsdam. Allerdings habe der Dialog bisher ausschließlich auf „betriebswirtschaftlicher Ebene“ stattgefunden, bei dem ausgelotet wurde, in welchem Maße wirtschaftliche Faktoren eine sozialverträgliche Sanierung ermöglichen. Hehre Ziele wie eine sozial durchmischte Bevölkerungsstruktur und die Verhinderung der Verdrängung einkommensschwacher Schichten an die Peripherie ließen sich aber nicht allein auf der Grundlage von Rentabilitätsprognosen und Refinanzierbarkeit diskutieren, geschweige denn realisieren, heißt es in einer Erklärung der Initiative. Für eine soziale Stadt brauche es „politische Signale und den starken Willen aller Beteiligten, diese Ziele durchsetzen zu wollen und in konkreten Situationen dafür auch finanzielle Unterstützung zu gewähren“.

Sanierungsdaten

Jörn-Michael-Westphal bezifferte die Sanierungskosten für die Viertel am Brauhausberg, in der Heidesiedlung und der Großbeerenstraße samt dem Pilotprojekt in der Behlertstraße auf 32 Millionen Euro. Er versprach, kein Mieter werde durch die Sanierung ohne Wohnung dastehen. Alle Mieter bekommen ein Quartier innerhalb des Pro-Potsdam-Bestandes angeboten.

Ute Kamps, Mieterin am Brauhausberg, verwies auf eine Umfrage unter dortigen Bewohnern. Von den 64 Prozent, die sich beteiligt hätten, müsste die Hälfte bei Warmmieten von 8,50 Euro wegziehen. Marit Schneehufer, sie wohnt in der Großbeerenstraße, sagte der MAZ, viele Bewohner dort hätten bereits Wegzugs- und Verdrängungserfahrungen gesammelt. Sie stellte die Grundsatzfrage: „Welche Bedeutung hat der Mensch gegenüber dem Kapital noch und gibt es in Potsdam ein Mindestjahreseinkommen, um in der Stadt leben zu dürfen?“

Die Gespräche zwischen Mietern, Pro Potsdam und Stadtverordneten sollen an einem Runden Tisch fortgesetzt werden.

Von Jens Steglich

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