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Potsdams FDP-Vorsitzende redet Klartext

Linda Teuteberg im großen MAZ-Interview Potsdams FDP-Vorsitzende redet Klartext

Seit dieser Woche hat die Potsdamer FDP eine neue Kreisvorsitzende: Linda Teuteberg (33). Die ehemalige Landtagsabgeordnete tritt die Nachfolge von Johannes von der Osten-Sacken an, der nicht erneut kandidierte und sich auf sein Mandat als einziger FDP-Stadtverordneter konzentrieren will. Wir haben mit ihr über ihr Wahlergebnis, ihre Ziele, die AfD, den Posten des Oberbürgermeisters gesprochen und nachgefragt, warum man als 17-Jährige ausgerechnet zur FDP kommt.

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Linda Teuteberg
 

Quelle: Karoline Wolf

Potsdam.  

MAZ: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Wahlerfolg. Oder sollte man eher sagen: Herzliches Beileid? Schließlich braucht man doch schon fast eine masochistische Ader, um sich die Sache der darniederliegenden FDP auf die Fahnen zu schreiben. Bei der Kommunalwahl gab es nur knapp drei Prozent

Linda Teuteberg: Ich bin eine überzeugte Liberale mit langem Atem. Graf Lambsdorff hat einmal gesagt: „Liberalismus ist nichts für schwache Nerven.“ Dass das stimmt, zeigte sich gerade im letzten Jahr. Seit Dreikönig Anfang Januar geht es wieder aufwärts mit den Freien Demokraten, bei der Hamburgwahl vor einigen Wochen sind wir mit 7,4 Prozent in die Bürgerschaft eingezogen. Es ist an uns selbst, auch in anderen Städten, wie in Potsdam, die Inhalte und Ideen der Freien Demokraten engagiert zu vertreten.

Bei Ihrer Wahl zur neuen Kreisvorsitzenden gab es 32 Stimmen für Sie, 24 votierten gegen Sie und für Sebastian Fischer-Jung. Wie geht man mit so einem Ergebnis um?

Teuteberg: Richtig ist, dass es lediglich eine einzige Neinstimme gegeben hat und 24 Mitglieder für meinen sympathischen Mitbewerber gestimmt haben.

Der FDP-Kreisverband gilt nicht gerade als Vorbild an Einigkeit. Wie schwer wird es, das zu ändern?

Teuteberg: Wir sind nicht die Einheitspartei Potsdams, sondern bei uns engagieren sich Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichem beruflichen und sozialen Hintergrund. Auch das macht uns als Freie Demokraten so interessant. Ich lade alle liberal gesinnten Potsdamerinnen und Potsdamer zum Mitmachen ein.

Durch die Stimmenverluste bei den Kommunalwahlen hat die FDP nur noch einen einzigen Stadtverordneten und ist praktisch einflusslos. Irgendwie scheint auch niemand die FDP groß zu vermissen. Warum glauben Sie, dass Potsdam doch eine FDP braucht?

Teuteberg: Gerade Potsdam braucht Freie Demokraten, die sich stark machen für Toleranz, für die Eigenverantwortung und die Entfaltungsmöglichkeiten der Bürger unserer Stadt.

Das klingt aber eher nach einer abstrakten Formulierung wie auf einem Bundesparteitag. Was bedeutet das konkret auf regionaler Ebene?

]Teuteberg: Nehmen wir die Eigenverantwortung und die Entfaltungsmöglichkeit am Beispiel der Einzelhändler in Potsdam. Da ist es nicht sinnvoll, immer über Steuer- oder Abgabenerhöhungen zu diskutieren. Potsdam hat schon den höchsten Gewerbesteuerhebesatz in Berlin/Brandenburg. Wir sollten doch froh sein, wenn die Gewerbetreibenden hier etwas tun wollen und sollten sie nicht noch mit zusätzlichen Abgaben oder unnötigen Beschränkungen belasten. Das Hickhack um die Sonntagsöffnungsregelungen hat den Händlern und dem Wirtschaftsstandort Potsdam massiv geschadet. Oder ein anderes Beispiel: Es ist vorgesehen, die Grundsteuer ab 2017 zu erhöhen. Das verteuert das Wohnen und kann somit nicht im Sinne unserer Bürger sein.

Aber das riesige 160-Millionen-Investitionspaket für neue Schulen finanziert sich doch nicht von alleine, oder?

Teuteberg: Wenn die Stadt Potsdam sorgfältiger mit den Steuergeldern unserer Bürger umgehen würde, hätten Sie diese Frage wahrscheinlich gar nicht gestellt. Wir brauchen die richtige Prioritätensetzung und zwar eindeutig für Bildung und die damit einhergehenden Investitionen. Keine Priorität hat für mich die millionenschwere Finanzierung von Enteignungen am Griebnitzseeufer und der damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten. Auch der Bau der neuen Schwimmhalle läuft finanziell völlig aus dem Ruder und mehrere Millionen Euro werden in den Sand gesetzt.

Bleiben wir beim Thema Schulen. Die CDU plädiert ja dafür, die Privatschulen mehr in die Planungen miteinzubeziehen, während die SPD da naturgemäß zögerlich ist. Wie ist Ihr Standpunkt in dieser Frage?

Teuteberg: Es ist ja ein großer Reichtum, dass wir in Potsdam so viele Kinder haben. Da muss die Stadt eine vorausschauende Politik betreiben. Es muss eine gute Ausstattung der öffentlichen Schulen geben und wir brauchen Schulen in freier Trägerschaft als wertvolle Ergänzung. Außerdem sollte es für jedes Kind möglich sein, eine Schule der Wahl zu besuchen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Deshalb ist eine gleichwertige Bezuschussung freier Träger im Vergleich zu öffentlichen Schulen anzustreben.

Laut einer Umfrage ist das Leidensthema Nummer eins in Potsdam der Verkehr. Sind Sie auch ein Fan der geplanten Verengung der Zeppelinstraße?

Teuteberg: Man sollte die Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen. Deshalb sollten „Park and Ride“-Angebote im Umland gestärkt werden. Auch wäre es sinnvoll, dass Potsdam sich daran beteiligt. Ich bin dafür, den Verkehrsfluss nicht künstlich zu behindern, sondern die alternativen Verkehrsangebote zu stärken, anstatt sie einzuschränken wie beispielsweise die Buslinie in Babelsberg Nord, die jetzt nicht mehr im gewohnten 20-Minuten-Takt und mit anderer Linienführung fährt. Das stärkt nicht das Vertrauen der Bürger, dass man vom Auto auf den Nahverkehr umsteigen sollte.

Sie haben vorhin als einen der FDP-Grundwerte die Toleranz genannt. Erstreckt sich diese Toleranz auch auf die AfD? Immerhin wurde nach der Kommunalwahl gemunkelt, dass die geschrumpfte FDP durchaus damals durchaus ein Zusammengehen mit der AfD in Betracht zog.

Teuteberg: Auch die AfD hat natürlich das Recht, ihre Meinung zu vertreten. Aber sie ist für uns kein Partner, denn wir stehen für einen ganzheitlichen Liberalismus, der die wirtschaftliche Freiheit mit Bürgerrechten und Menschenwürde verbindet. Deshalb haben wir mit einer Partei, die Ressentiments schürt, nichts gemeinsam.

Statt mit der AfD hat sich die FDP ja dann mit dem Bürgerbündnis zur einer Fraktion zusammengetan. Bisweilen gewinnt man aber den Eindruck, dass doch Wolfhard Kirsch vom Bürgerbündnis eher tonangebend ist.

Teuteberg: Wir wollen unserem Stadtverordneten Johannes von der Osten-Sacken künftig den Rücken stärken und mit ihm gemeinsam mehr liberale Anträge einbringen. Und wir wollen den Bürgern noch mehr und kontinuierlich Angebote machen, mit uns durch Veranstaltungen ins Gespräch zu kommen. Unser Ziel ist, dass wir nach den nächsten Kommunalwahlen wieder eine eigene Fraktion bilden.

Vor der nächsten Kommunalwahl kommt aber erst einmal die Oberbürgermeister-Wahl im Jahr 2018. Wie sieht Ihre Langzeitprognose dafür aus?

Teuteberg: Ich werbe dafür, dass mehrere Parteien einen gemeinsamen Kandidaten oder eine gemeinsame Kandidatin aufstellen. Das muss man ausloten zwischen mehreren Parteien und klug vorbereiten. Es wäre ein gutes Ziel, den Potsdamern eine neue Alternative zu geben. Schließlich sollte es nicht immer eine ausgemachte Sache sein, dass man im zweiten Wahlgang den SPD-Kandidaten unterstützt, nur um einen Oberbürgermeister von den Linken zu verhindern. Das gemeinsame Ziel müsste sein, in den zweiten Wahlgang eine neue, dritte Person zu bringen.

Zum Schluss noch etwas zu Ihrem privaten Hintergrund. Sie kommen aus einem winzigen Dorf aus dem Landkreis Oder-Spree bei Beeskow. Mit 17 wurden Sie Mitglied bei den Jungen Liberalen. Gab es keine Disko in Ihrem Dorf oder wollten Sie einfach nur Ihre Eltern schocken?

Teuteberg:Von meiner Schülerzeitung hatte ich den Auftrag, den damaligen Bundesaußenminister Klaus Kinkel zu interviewen, der 1998 Fürstenwalde besuchte. Im Vorfeld des Interviews habe ich mich eingehend mit den Parteiprogrammen und Grundwerten der FDP beschäftigt und fand sie auf Anhieb überzeugend und faszinierend. Ich habe mich daher den Jungen Liberalen angeschlossen, die es mit einem eigenen Kreisverband übrigens auch in Potsdam gibt.

Von Ildiko Röd

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