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Potsdam Thesen-Anschlag mit Turm-Kritik
Lokales Potsdam Thesen-Anschlag mit Turm-Kritik
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19:30 31.10.2018
80 Thesen, die sich mit der Garnisonkirche auseinandersetzen, wurden am Reformationstag nahe der Baustelle des Garnisonkirchturms angeschlagen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Etwa 60 Kritiker am Wiederaufbau des Garnisonkirchturms an der Breiten Straße sind am Reformationstag in der Nähe der Turm-Baustelle zusammengekommen – fast genau ein Jahr nach Baubeginn. Anders als 2017, als es am Rande der Baustart-Feierlichkeiten zu massiven Störungen gekommen war, lief diesmal alles sehr ruhig ab: Flötenmusik als Umrahmung, eine Performance der Künstlerin Annette Paul und als Kernelement eine Abrechnung mit dem Bauprojekt – allerdings in ungewöhnlichem Gewand. In Anlehnung an den Thesenanschlag des Reformators Martin Luther im Jahr 1517 formulierten die garnisonkirchenkritischen Mitglieder der Profilgemeinde „Die Nächsten“, die sich vor einem Jahr gegründet hat, ihre Bedenken und Sorgen ebenfalls in Thesen-Form.

Transparenz mit dem Motto der Veranstaltung. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die knappen Statements waren zum einen in Druckform auf weißen Zetteln nachzulesen, die an einer Leine im Wind flatterten. Außerdem wurden die 80 Thesen – von der Anzahl her etwas knapper bemessen als Luthers 95 Punkte umfassende „Mängelliste“ der römischen Kirche – mündlich vorgetragen. An Deutlichkeit ließen die Formulierungen aber auch nichts zu wünschen übrig. „Wir brauchen kein ,nationales’ Vorhaben, welches nach Kirchenrecht und ohne gesellschaftliche Mitsprache umgesetzt wird“, lasen Carsten Linke (Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in Potsdam) und Björn Rugenstein von der Profilgemeinde vor. Und: „Wer es nicht schafft, in über zehn Jahren zehn Millionen Euro für ein derartiges Vorhaben zu sammeln, sollte sich fragen, für wen und was er sammelt.“ Und: „Wer den Abriss des Turms als Verbrechen bezeichnet, sollte keinen Abriss des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum fordern“. Und: „Wir brauchen keinen 88 Meter hohen Turm im Stadtbild (88 ist der Code der Rechten für ,Heil Hitler“).“

Die Bodenplatte wurde am Dienstag fertig. Quelle: Bernd Gartenschläger

 

Letzte These und Forderung: „Lasst uns ein Haus der Geschichte, Mahnung und Erinnerung bauen – ohne Turm!“ Sogar einen „Tanz ums goldene Kalb“ gab es – wobei als „goldenes Kalb“ die rekonstruierte Wetterfahne der Garnisonkirche diente, die in einem Gitterkäfig steht. Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich die Turm-Baustelle, wo am Dienstag das Fundament fertig geworden ist.

Friedenstaube aus Papier. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Berliner Theologe Wolfram Hülsemann von der Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ hielt eine Andacht für die Profilgemeinde. Im Zusammenhang mit dem Bau gebe es etliche „Übersetzungsfehler“, monierte er: „Diese Kopie der zerbombten und zerstörten Garnisonkirche mit all ihrer kriegerischen Ornamentik ist eine denkbar schlechte Übersetzung dessen, was Kirche sich selbst und der Gesellschaft heute mitteilen müsste.“ Auch die Erinnerung an die NS-Widerständler in der Kirchengemeinde sei wohl – „bei aller Dankbarkeit gegenüber einigen überragenden Persönlichkeiten dieser Zeit“ – eher taktischen Überlegungen geschuldet, so Hülsemann: „Um jede Kritik an dem Bauvorhaben verstummen zu lassen.“ Hier würden Erinnerungen instrumentalisiert, „gar manipuliert“.

Skepsis auch bei Teilnehmern der Veranstaltung: „Der Turm ist sicher eine städtebauliche Dominanz, aber ein Akt des Hochmutes“, sagte Frieder Burkhardt, ehemaliger Professor für Sozialphilosophie.

Kritik an der Nagelkreuzgemeinde der Garnisonkirche kam von Carsten Linke: Trotz Einladung habe niemand an der Veranstaltung teilgenommen. Das nächste Mal trifft sich die Profilgemeinde am 10. November an der Wetterfahne, um des ersten Friedenstages nach dem Ersten Weltkrieg zu gedenken.

Die Profilgemeinde „Die Nächsten“ veranstaltete zum Reformationstag am Nachmittag eine Andacht mit anschließender Performance. Es wurden neue Thesen an mitgebrachte Bauzäunen angeschlagen und verlesen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Ildiko Röd

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